Alexa+ verlässt den Echo-Lautsprecher und zieht in den Browser um.
Amazon hat seinen generativen KI-Assistenten für alle freigegeben, die einen Webbrowser haben: Über Alexa.com ist Alexa+ jetzt in einem kostenlosen Frühzugangsprogramm nutzbar – ähnlich niedrigschwellig wie ChatGPT oder Google Gemini.
Bislang war die überarbeitete Alexa+ nur als Early-Access-Version auf bestimmten Geräten verfügbar, die Amazon seit Februar ausrollt. Mit dem Webstart entfällt die Hardware-Hürde: Ein Echo, Fire TV oder anderes Alexa-Gerät ist nicht mehr Voraussetzung.
Kostenlos – vorerst
Dauerhaft kostenlos wird der Dienst jedoch nicht bleiben.
Nach dem Ende der Early-Access-Phase soll Alexa+ Bestandteil eines Amazon‑Prime-Abos werden, das bei 15 US‑Dollar pro Monat beginnt, oder als eigenständiges Abo 20 US‑Dollar pro Monat kosten. Ein Enddatum für den Frühzugang nennt Amazon bislang nicht.
Die Preisgestaltung zeigt die strategische Richtung: Alexa+ soll Prime attraktiver machen, gleichzeitig aber auch Nicht‑Prime-Kunden adressieren, die bereit sind, mehr zu zahlen. Da Alexa+ eng mit Amazons E‑Commerce‑Plattform, dem Lebensmittellieferdienst und Whole Foods verknüpft ist, wird jeder Dialog potenziell zum Einstiegspunkt für weitere Ausgaben bei Amazon.
Rückkehr der Web-Alexa
Eine browserbasierte Alexa-Lösung hatte Amazon schon einmal.
Über Jahre lief eine einfache Version des Assistenten unter Alexa.Amazon.com. Die Seite verschwand, als Amazon 2023 begann, öffentlich über eine generative KI-Neuausrichtung von Alexa zu sprechen.
Mit Alexa+ kehrt dieses Konzept zurück: Der Assistent ist nun sowohl über Alexa.com als auch über Alexa.Amazon.com erreichbar.
Amazon positioniert den Web-Client als neues Interaktionsmodell, das Echo-Geräte und die Alexa-App ergänzt. Zusammen mit einer überarbeiteten mobilen App, die den KI-Agenten in den Mittelpunkt stellt, soll Alexa+ auf allen Oberflächen präsent sein – am Schreibtisch im Browser, unterwegs auf dem Smartphone und zu Hause auf Lautsprechern und Smart Displays.
Der Assistent als Haushaltszentrale
Im Web vermarktet Amazon Alexa+ weniger als reinen Chatbot und mehr als Organisationszentrale für den Alltag.
Im Fokus stehen Funktionen für:
- Reiseplanung
- Essens- und Menüplanung
- To‑do‑Listen und Aufgabenverwaltung
- Kalenderorganisation
- Steuerung des Smart Home
Wichtig ist die durchgängige Kontextübernahme: Unterhaltungen, Vorlieben und Personalisierungen werden geräteübergreifend synchronisiert. Was Sie am Laptop auf Alexa.com beginnen, können Sie auf einem Echo in der Küche oder in der App nahtlos fortsetzen.
Screenshots von Amazon zeigen eine Weboberfläche mit mehreren Listen und Aufgaben sowie einer Seitenleiste für Konversationen und Planungswerkzeuge.
Von der Kostensenkung zur Monetarisierung
Alexa gilt seit Jahren als milliardenschweres Verlustprojekt, obwohl laut Amazon mehr als 600 Millionen Alexa‑fähige Geräte verkauft wurden.
Mit Alexa+ versucht das Unternehmen, das Blatt zu wenden: Generative KI‑Funktionen sollen den Assistenten deutlich leistungsfähiger machen, ein Abo-Modell soll für wiederkehrende Umsätze sorgen. Die Hoffnung: Wenn Alexa+ alltägliche, komplexe und geschäftskritische Aufgaben übernimmt, werden Nutzer den Dienst häufiger verwenden – und für den Zugang zahlen.
Parallel prüft Amazon, Werbung in Gespräche mit Alexa+ zu integrieren. Damit entstünde neben Abogebühren und zusätzlichen Käufen im Amazon‑Kosmos ein dritter Erlöskanal.
Frühzugang mit Kinderkrankheiten
Die Ambitionen sind hoch, doch der aktuelle Status zeigt, dass Alexa+ noch nicht fertig ist.
In der Early-Access-Phase berichten Tester, dass der Assistent teilweise langsamer reagiert als erhofft und gelegentlich ungenaue oder fehlerhafte Antworten liefert. Zudem fehlen bislang einige Fähigkeiten, die Amazon-Führungskräfte zuvor hervorgehoben hatten, etwa das Buchen von Restauranttischen oder das Bestellen von Take‑away‑Essen.
Gerade im direkten Vergleich mit etablierten Chatbots wie ChatGPT und Gemini sind solche Lücken kritisch. Der kostenlose Webzugang macht es für Nutzer besonders einfach, diese Vergleiche anzustellen.
Entscheidend wird die nächste Ausbaustufe: Amazon muss zeigen, dass Alexa+ stabil, schnell und verlässlich genug ist, um ein kostenpflichtiges Abo zu rechtfertigen – im Browser, in der App und auf den Hunderten Millionen Alexa‑Geräten, die bereits in Haushalten stehen.



