Apple geht einen Schritt in Richtung Abo-Modell – aber nicht so radikal wie Adobe.
Ab dem 28. Januar bietet das Unternehmen das neue Apple Creator Studio an. Der Preis in den USA: 13 US‑Dollar pro Monat oder 130 US‑Dollar pro Jahr, inklusive einmonatiger Gratis-Testphase. Für Studierende gibt es eine deutlich günstigere Variante für 3 US‑Dollar im Monat beziehungsweise 30 US‑Dollar im Jahr.
Was im Creator-Studio-Abo steckt
Das Paket umfasst die Pro‑Apps von Apple für den Mac und – sofern verfügbar – für das iPad:
- Final Cut Pro
- Logic Pro
- Pixelmator Pro
- Motion
- Compressor
- MainStage
Zusätzlich schaltet das Abo erweiterte Funktionen in folgenden Apps auf Mac, iPad und iPhone frei:
- Keynote
- Pages
- Numbers
- Freeform
Die Basisversionen dieser Apps bleiben kostenlos. Creator Studio ergänzt sie um:
- Premium‑Vorlagen und ‑Themes,
- einen Content Hub mit kuratierten Fotos, Grafiken und Illustrationen,
- mehrere OpenAI‑gestützte Funktionen, darunter:
- Upscaling und Transformation vorhandener Bilder,
- Generierung von Bildern aus Text,
- eine Keynote‑Funktion, die aus einer Textgliederung ein komplettes Folienset erstellt.
Das Abo unterstützt Familienfreigabe für bis zu sechs Personen – interessant für kleine Studios, Agenturen oder Haushalte voller Kreativer.
Neue Funktionen pünktlich zum Start
Parallel zum Abo-Rollout liefert Apple Funktionsupdates für mehrere Kern-Apps.
Final Cut Pro erhält:
- Transcript Search – Dialoge werden automatisch transkribiert und durchsuchbar,
- Montage Maker – laut Apple analysiert die Funktion das Material und „schneidet ein dynamisches Video aus den besten visuellen Momenten“ zusammen.
Logic Pro rückt noch stärker in Richtung Content‑Produktion:
- Das Update, so Apple, „hilft Creators, originelle Musik für ihre Videoinhalte zu liefern“.
- Ein neuer Synth‑Player erweitert die Reihe der AI Session Players.
Der größte strukturelle Schritt ist Pixelmator Pro für iPad.
- Als Apple die Übernahme von Pixelmator Ende 2024 angekündigt hat, gab es die App ausschließlich für den Mac.
- Jetzt kommt eine iPad‑Version, optimiert für den Apple Pencil, direkt ins Creator-Studio‑Abo.
In Summe ist das weniger ein reines Preispaket und mehr ein abgestimmter Ausbau: schnelleres Suchen in Videomaterial, einfachere Musikproduktion für genau diese Videos und ein moderner Bildeditor auf dem Tablet.
Abo – aber mit Kaufoptionen für Mac‑User
Entscheidend für viele Profis: Apple zieht nicht die komplette Adobe‑Nummer durch.
Die Mac‑Versionen der Pro‑Apps bleiben als zeitlich unbefristete Einzelkäufe im Mac App Store verfügbar:
- Final Cut Pro
- Pixelmator Pro
- Logic Pro
- Motion
- Compressor
- MainStage
Adobe hat seine Kaufversionen von Photoshop, Illustrator, Premiere und anderen Flaggschiffen bereits 2013 eingestellt. Seitdem gibt es dort praktisch nur noch Creative‑Cloud‑Abos.
Anders sieht es auf dem Tablet aus: Die iPad‑Versionen der Pro‑Tools – inklusive Pixelmator Pro für iPad – sind nur per Abo zu haben. Wer intensiv auf dem iPad arbeitet, landet zwangsläufig im Creator Studio.
Wichtig: Apple bietet keine abgespeckten Einzel‑Abos für nur eine App an. Bei Adobe können Sie beispielsweise lediglich Photoshop buchen. Bei Apple gilt: alles im Paket – oder Sie bleiben bei der Kaufversion einer einzelnen Mac‑App.
Das macht Creator Studio besonders attraktiv für:
- Kreative, die mehrere Apple‑Pro‑Apps parallel einsetzen,
- Teams, die zwischen Mac und iPad/iPhone wechseln.
Wer nur eine App nutzt und strikt auf dem Mac bleibt, fährt mit einem Einmalkauf voraussichtlich besser.
Preisabstand zu Adobe – bei anderer Abdeckung
Beim Blick auf die reinen Zahlen wirkt Apple deutlich günstiger als Adobe.
Ars Technica verweist auf folgende Preise für Adobes Creative Cloud All Apps:
- rund 780 US‑Dollar pro Jahr,
- 105 US‑Dollar monatlich,
- oder 70 US‑Dollar pro Monat, wenn man sich für ein Jahr bindet und monatlich bezahlt.
Dafür deckt Adobe ein deutlich breiteres Feld ab – von Foto‑Bearbeitung über Web‑Design bis hin zu Spezialtools, die Apple derzeit gar nicht anbietet. Creator Studio fokussiert sich klar auf Video, Audio und Bildbearbeitung plus die Office‑ähnlichen iWork‑Apps.
Für viele Produktions‑Workflows in Agenturen, Studios oder im Freelance‑Bereich dürfte Apples Paket preislich trotzdem interessant sein, vor allem mit der Familienfreigabe für sechs Personen. Der Haken: Es existiert ausschließlich auf Apple‑Hardware. Kein Windows, keine Web‑Varianten, kein Android.
Strategie-Signal an die Kreativszene
Jahrelang waren Final Cut und Logic eine Art Sonderfall: Pro‑Tools von einem Hardware‑Konzern, vergleichsweise günstig, kontinuierlich ausgebaut, aber weiterhin als klassischer Direktkauf, während die Konkurrenz auf wiederkehrende Umsätze umstellte.
Mit Creator Studio sendet Apple nun ein dreifaches Signal:
- Abo-Modell einführen, ohne bestehende Mac‑Kaufversionen abzuschaffen.
- Video‑, Audio‑ und Bildwerkzeuge enger mit Keynote, Pages, Numbers und Freeform verknüpfen.
- AI‑gestützte Workflows nach vorne stellen – von OpenAI‑Funktionen in Keynote und der Bildbearbeitung bis zu den „AI Session Players“ in Logic.
Für professionelle Anwenderinnen und Anwender im deutschsprachigen Raum heißt das: Wer ohnehin im Apple‑Ökosystem lebt und mehrere dieser Apps nutzt, bekommt ein preislich überschaubares, aber sehr geschlossenes Gesamtpaket. Wer plattformübergreifend arbeitet, wird weiterhin an Adobe & Co. kaum vorbeikommen.
Die technischen Details – insbesondere Systemanforderungen – versteckt Apple wie gewohnt im Kleingedruckten seiner Ankündigung. Wer noch mit älteren Intel‑Macs oder betagten iPads unterwegs ist, sollte dort genau nachlesen, bevor er das Abo als neuen Standard im Team einführt.



