Bose öffnet SoundTouch-API vor Supportende und lässt AirPlay aktiv

7. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Bose SoundTouch 30 Series III Lautsprecher auf einem Tisch

Bose verabschiedet seine älteren SoundTouch-WLAN-Lautsprecher aus dem offiziellen Support – zieht aber nicht den Stecker bei allem.

Anstatt die Geräte schlicht „abzuschalten“, veröffentlicht das Unternehmen die API-Dokumentation und erhält einige zentrale Streaming-Funktionen. Für Besitzer teurer Heimkino-Sets ist das mehr als eine Fußnote.

Was mit SoundTouch passiert

Bereits im Oktober informierte Bose seine Kundschaft, dass SoundTouch-Lautsprecher und -Soundbars ab dem 18. Februar praktisch zu „dummen“ Lautsprechern werden. Konkret bedeutet das:

  • keine Sicherheits- oder Software-Updates mehr,
  • keine Cloud-Anbindung mehr,
  • die SoundTouch-App verliert ihre bisherige Funktionalität.

Audio-Wiedergabe bleibt zwar möglich, aber nur noch über AUX, HDMI oder Bluetooth – mit den bekannten Latenz-Nachteilen von Bluetooth gegenüber WLAN.

Die Entscheidung trifft Hardware, die noch lange nicht zwangsläufig ausgedient hat. SoundTouch-Modelle kamen 2013 bis 2015 auf den Markt, zu Preisen zwischen 399 und 1.500 US‑Dollar. Darunter der SoundTouch 30 Series III von 2015 für 500 US‑Dollar. Viele dieser Geräte laufen stabil, was den Ärger langjähriger Kundinnen und Kunden erklärt.

Kurskorrektur: AirPlay, Spotify und eine lokale App

Nun rudert Bose zumindest teilweise zurück. In einer E‑Mail an SoundTouch-Besitzerinnen und -Besitzer kündigte das Unternehmen an:

  • AirPlay und Spotify Connect funktionieren auch nach dem End-of-Life weiter.
  • Geräte mit AirPlay 2 können weiterhin synchron denselben Audiostream wiedergeben (Multiroom via AirPlay).

Das ist ein deutlicher Unterschied zur ursprünglichen Lesart, nach der praktisch nur noch Kabel und einfaches Bluetooth übrig geblieben wären.

Auch die SoundTouch-App überlebt – in einer stark abgespeckten Form.

„Am 6. Mai 2026 wird die App auf eine Version aktualisiert, die die Funktionen unterstützt, die lokal ohne Cloud betrieben werden können. Es sind keine Maßnahmen Ihrerseits erforderlich. Durch Öffnen der App wird das Update automatisch angewendet“, so Bose.

Alles, was die Cloud oder Online-Integrationen von Bose benötigt, verschwindet. Lokale Funktionen bleiben erhalten. Für die beliebten Presets liefert Bose einen Workaround: Nutzerinnen und Nutzer sollen stattdessen die Favoriten-Funktionen der jeweiligen Musikdienste nutzen.

Bose veröffentlicht SoundTouch-API

Der bemerkenswerteste Schritt ist jedoch die Öffnung Richtung Entwickler-Community.

Bose verschickte per E‑Mail die API-Dokumentation für SoundTouch als PDF, „damit unabhängige Entwickler ihre eigenen mit SoundTouch kompatiblen Tools und Funktionen erstellen können“.

Genau das fordern Nutzerinnen und Nutzer immer wieder, wenn Hersteller ihre Smart-Home-Geräte abkündigen:

  • Zugriff auf API oder Firmware, um bereits gekaufte Hardware vor dem Elektroschrott zu bewahren,
  • Möglichkeit, Basisfunktionen ohne Cloud-Dienst des Herstellers zu erhalten,
  • Spielraum, neue Features zu ergänzen.

Die meisten Unternehmen lehnen das ab – aus Sorge, die Marke könne mit kontroversen Hacks oder unsicheren Bastellösungen in Verbindung gebracht werden.

Bose geht bei SoundTouch dieses Risiko ein.

Mit der veröffentlichten API-Dokumentation können unabhängige Entwickler eigene Steuerungs-Apps, Integrationen und Automatisierungen für SoundTouch bauen – auch dann, wenn die Bose-Server nicht mehr im Hintergrund laufen.

Kein ideales Ende, aber besser als ein harter Cut

Trotzdem bleibt der Einschnitt deutlich spürbar.

Zu den Funktionen, die verschwinden, zählen unter anderem:

  • die enge App-Integration mit Musikdiensten,
  • Bose-eigene Multiroom-Funktionen über die Cloud,
  • Presets, die vom Online-Dienst abhängen.

Und Bose stellt klar, dass Sicherheits- und Software-Updates vollständig eingestellt werden – ein Punkt, der bei jeder netzwerkfähigen Hardware kritisch ist.

Im Idealfall würden Hersteller ihre vernetzten Geräte so lange unterstützen, wie die Hardware physisch funktioniert. In der Praxis ist der Betrieb alter Cloud-Plattformen und die Pflege kleiner werdender Nutzergruppen kostspielig – wirtschaftlich wenig attraktiv im Vergleich zu neuen Produkten.

Vor diesem Hintergrund ist der Umgang mit SoundTouch zwar kein Vorbild in jeder Hinsicht, aber doch positiver als viele andere Beispiele:

  • AirPlay und Spotify Connect bleiben nutzbar,
  • AirPlay‑2‑Modelle behalten Multiroom-Wiedergabe über AirPlay,
  • die App bleibt nach dem 6. Mai 2026 lokal funktionsfähig,
  • die offene API gibt der Community eine Chance, die Geräte weiterzunutzen.

Wenn Hersteller vernetzter Hardware schon an End-of-Life-Szenarien festhalten, ist dies ein verantwortungsbewussterer Weg: so viel Kernfunktionalität wie möglich erhalten und die Plattform zumindest teilweise öffnen, damit bestehende Kundinnen und Kunden ihre Investition länger nutzen können.

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