CES 2026 endet mit „Physical AI“, Haushaltsrobotern und 5‑Minuten‑E‑Auto-Ladung

9. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Roboter und KI-gestützte Geräte auf der Messe CES 2026 in einer Ausstellungshalle in Las Vegas.

Zum Ausklang der CES 2026 in Las Vegas zeigt sich ein deutliches Bild: Künstliche Intelligenz verlässt den Bildschirm und zieht in Haushalte, Fahrzeuge und Fabrikhallen ein.

Nvidia und AMD sorgten auf der Chipseite für Schlagzeilen, während Amazon und Google erklärten, wie ihre Modelle in der physischen Welt eingesetzt werden sollen. Der Branchenbegriff des Jahres: „Physical AI“.

Die Live-Berichterstattung von TechCrunch hat einige der interessantesten Beispiele eingefangen – von Haushaltsrobotern über Büroplanung per Datenanalyse bis zu neuen Batterien für Elektrofahrzeuge.

„Physical AI“ setzt sich als neuer Sammelbegriff durch

Mobility-Redakteurin Kirsten Korosec beobachtet, dass sich die Branche nach Jahren mit Begriffen wie „robotic AI“ und „embodied AI“ nun weitgehend auf „physical AI“ geeinigt hat.

Einen großen Anteil daran hat der Einfluss von Nvidia-CEO Jensen Huang. Ein Blick durch die Messehallen reicht: Der Begriff prangt auf Industrierobotern, Servicebots und Consumer-Gadgets gleichermaßen.

In TechCrunchs Equity-Podcast diskutiert Korosec gemeinsam mit Kollegen, wohin das Kapital im Bereich „Physical AI“ derzeit fließt – und welche Hypes realistisch sind.

LGs CLOid: ein KI-Hausroboter als Alltagshelfer

Elektronikriese LG nutzte die CES, um seine Vision eines vielseitigen Haushaltsroboters vorzustellen.

Der neue Bot CLOid wird als KI-gestützter Heimroboter beschrieben, der:

  • Wäsche falten,
  • beim Frühstück helfen
  • und das Zuhause auf Anzeichen von Problemen überwachen soll.

Reporter Lucas Ropek bezeichnet CLOid als eine Art allgemeinen Haushaltsassistenten, der sich durch die Wohnung bewegt und unterschiedliche Aufgaben übernimmt. LG positioniert den Roboter klar als Entlastung im Alltag – nicht nur als Spielerei.

MyCommuters optimiert Bürostandorte mit Pendlerdaten

Weniger spektakulär, aber potenziell sehr wirkungsvoll: MyCommuters, ein Startup aus Frankreich.

Gründer Guillaume Acier vermittelte früher Büros, indem er Führungskräften einfach eine Karte von Paris zeigte. Die Entscheidung orientierte sich meist an deren Vorlieben – nicht an den Wegen der Mitarbeiter.

MyCommuters bündelt nun unterschiedliche Datensätze zur städtischen Mobilität, damit Unternehmen:

  • Bürostandorte nach durchschnittlicher Pendelzeit und -kosten der Belegschaft bewerten,
  • auf Knopfdruck Berichte zum durchschnittlichen CO₂-Fußabdruck der Mitarbeiter generieren (relevant für Vorschriften und Förderungen),
  • Pendlerzuschüsse genauer berechnen,
  • und Hybrid-Work-Modelle realistischer planen können.

Laut Acier verzeichnen Kunden in Frankreich bereits einen deutlichen Anstieg der Mitarbeiterzufriedenheit – allein, weil sichtbar wird, dass deren Wege berücksichtigt werden. „It’s everything“, sagte er auf der Messe.

CES bleibt Gadget-Show: Nitro-Kaffee, UV-Druck und Clicks-Keyboard

Trotz KI-Hype bleibt die CES auch 2026 eine Bühne für klassische Consumer-Geräte.

  • XBrew Lab EverNitro: Das Start-up präsentierte eine kompakte Nitro-Getränkemaschine für die Arbeitsplatte. Zielgruppe sind Nitro-Kaffee-Fans, die ohne Einwegkartuschen auskommen wollen – weniger Abfall, geringere laufende Kosten.
  • eufyMake E1 UV-Drucker (Anker): Ropek stieß im Startup-Bereich Eureka Park auf einen der verspieltesten Stände: Der kompakte UV-Drucker bedruckt Objekte direkt – etwa Handyhüllen, Parfümflakons, Untersetzer, Trinkflaschen, Leinwände oder Metallplatten. Das Gerät zielt klar auf Etsy-Unternehmer und andere Kleingewerbetreibende. Laut Anker kann der Drucker für 2.299 US‑Dollar vorbestellt werden; er soll später im Jahr erscheinen. EufyMake finanziert das Projekt über Kickstarter und gibt an, bereits 46 Millionen US‑Dollar eingesammelt zu haben.
  • Clicks Communicator: Eine physische Tastatur als Smartphone-Hülle, die im Retro-Look daherkommt, zählt zu den Überraschungshits der Messe und spielt in TechCrunchs CES-Zusammenfassung eine zentrale Rolle.

Die Botschaft: Auch ohne „KI-Feenstaub“ lassen sich Nutzer mit durchdachten, physischen Produkten begeistern.

Vocci: Ein Notizring für Meetings und mehr

Im Bereich Wearables erweitert Vocci das Feld der Notiz-Ringe, das im vergangenen Jahr von Firmen wie Sandbar und Pebble aufgemischt wurde.

Während diese eher für persönliche Notizen gedacht waren, positioniert sich Vocci als direkterer Konkurrent zu Meeting-Tools wie Plaud:

  • Aufnahme in einem Radius von bis zu 5 Metern,
  • bis zu 8 Stunden Daueraufnahme,
  • Lade-Case für zusätzliche Laufzeit,
  • anvisierter Preis von unter 200 US‑Dollar,
  • Vorbestellungen „in den kommenden Wochen“, Auslieferung nach dem 1. Quartal 2026.

Der Ring liegt an der Schnittstelle von KI-Transkription, Arbeitswelt und Datenschutz – genau der Mix, der die CES seit Jahren prägt.

Von Feststoffakkus bis zu Fords KI-Assistent

Im Mobility-Bereich sorgt vor allem ein Name für Gesprächsstoff: Donut Lab, ein finnisches E‑Mobility-Startup und Tochter von Verge Motorcycles.

Das Unternehmen präsentierte auf der CES den nach eigenen Angaben ersten Feststoffakku für die Fahrzeugproduktion. Die wichtigsten Eckdaten:

  • nutzt feste statt flüssige Elektrolyte,
  • verspricht höhere Energiedichte, mehr Sicherheit und geringere Degradation als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus,
  • soll sich in rund fünf Minuten vollständig laden lassen (fahrzeugspezifische Unterschiede vorausgesetzt),
  • die Long-Range-Variante soll bis zu 600 Kilometer Reichweite pro Ladung ermöglichen,
  • das Design eliminiert viele typische Ursachen von Batteriebränden und bleibt bei extremen Temperaturen stabil – ein Vorteil insbesondere in kalten Regionen.

CEO Marko Lehtimaki ist in der Start-up-Szene kein Unbekannter: Er gründete unter anderem die No-Code-Plattform AppGyver, die 2021 von SAP übernommen wurde.

Die neuen Feststoffbatterien sollen zunächst in die Motorräder Verge TS Pro und Verge TS Ultra einziehen; weitere Partnerfahrzeuge sind bereits in Planung.

Auch Ford nutzte die CES für Ausblicke, wenn auch ohne großen Messestand. Auf einer Session mit dem Titel „Great Minds“ skizzierte der Autobauer seine KI-Roadmap:

  • Ein neuer KI-Assistent startet zunächst in der Ford-Smartphone-App und soll 2027 in die Fahrzeuge kommen.
  • Eine nächste Generation des Fahrerassistenzsystems BlueCruise soll günstiger zu produzieren und zugleich leistungsfähiger sein.
  • Langfristiges Ziel sind laut TechCrunch-Reporter Sean O’Kane „eyes-off“-Funktionen bis 2028 – also Fahrmodi, in denen der Fahrer den Blick zeitweise von der Straße abwenden darf.

Parallel diskutierten Caterpillar und Nvidia über den Einsatz von KI in Schwerlastmaschinen, Waymo gab seinem Zeekr-basierten Robotaxi einen neuen Namen, und Roku berichtete über Fortschritte mit dem Streaming-Kanal Howdy.

Joseph Gordon‑Levitt warnt vor „dunklem Pfad“ der KI-Geschäftsmodelle

Die CES ist traditionell auch ein Ort für Grundsatzdebatten. Einer der deutlichsten kritischen Töne kam dieses Jahr von Schauspieler und Gründer Joseph Gordon‑Levitt.

Auf dem Variety Entertainment Summit erklärte er, dass ihn weniger die Technik an sich als vielmehr „die geschäftlichen Anreize, die einige der größten KI-Unternehmen antreiben“, beunruhigen – sie würden uns auf einen „dark path“ führen.

Er kritisierte vor allem die Datengrundlage großer Sprachmodelle:

  • Diese seien auf „alles trainiert, worin Menschen ihre Zeit, Energie und Arbeit investiert haben“.
  • Unternehmen sollten seiner Ansicht nach verpflichtet werden, Einwilligungen einzuholen und Entschädigungen zu zahlen, wenn sie solche Inhalte für das Training kommerzieller Modelle nutzen.

Mehrfach erhielt er dafür Applaus aus dem Publikum.

Gordon‑Levitt arbeitet derzeit an einem Netflix-Thriller über KI, in dem Rachel McAdams die Hauptrolle spielt.

CES 2026: Physical AI mit sehr menschlichen Implikationen

Von LGs CLOid, der Ihnen die Wäsche abnehmen soll, über Donut Labs Fünf-Minuten-Feststoffakku bis hin zu Voccis Notizring: Die CES 2026 markiert einen weiteren Schritt, mit dem KI buchstäblich in unseren Alltag einzieht.

Gleichzeitig rücken Fragen nach Verteilung der Vorteile, Datenhoheit und Regulierung stärker in den Vordergrund. Wer profitiert von all der Automatisierung – und wer trägt die Risiken?

Wenn die Besucher Las Vegas verlassen, sind diese Fragen noch offen. Sicher ist nur: Viele der auf der CES gezeigten Geräte werden Sie in den kommenden Jahren auf europäischen Straßen, in Büros und Wohnzimmern wiedersehen.

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