Ein Jahr nach der radikalen Entscheidung, XPS zugunsten eines neuen „AI PC“-Portfolios zu begraben, macht Dell eine klare Kehrtwende.
Am 6. Januar 2026 kehrt die Marke XPS mit neuen 14- und 16-Zoll-Modellen zurück – und mit einer deutlich anderen Botschaft: weniger KI-Schlagworte, mehr Fokus auf Gewicht, Laufzeit, Display und Alltagstauglichkeit.
Vom XPS zum »Dell Pro Max« – und wieder zurück
Im Januar 2025 stellte Dell renommierte Produktlinien wie XPS, Latitude, Inspiron und Precision ein. An ihre Stelle traten drei neue Markenebenen: Dell Premium, Dell Pro und Dell Pro Max, jeweils mit Basis-, Plus- und Premium-Varianten.
Die Begründung: der Boom rund um den „AI PC“. „Der AI-PC-Markt entwickelt sich schnell“, erklärte Kevin Terwilliger, VP und GM für Commercial, Consumer und Gaming PCs bei Dell, damals gegenüber Journalisten. Von IT-Entscheidern bis zu Alltagsnutzern – alle würden angeblich nach On-Device-AI suchen, und das neue Portfolio solle die Wahl des richtigen „AI PC“ erleichtern.
Das Ergebnis: Verwirrung statt Klarheit. XPS galt jahrelang als eine der einfachsten Empfehlungen für Windows-Ultrabooks – dünn, leicht, hochwertig verarbeitet und für die gebotene Leistung vernünftig bepreist. Diese etablierte Marke zugunsten generischer Bezeichnungen zu opfern, wirkte wie ein riskanter Schritt in einer Phase, in der Dells PC-Umsätze im Consumer-Bereich und der globale Marktanteil ohnehin schrumpften.
Auf einem CES-Preview-Event 2026 in New York fand Dell-Vizechef und COO Jeff Clarke deutliche Worte: „Es war offensichtlich, dass wir etwas ändern mussten.“
Design-Kurskorrektur: Weg mit den unpraktischen Experimenten
Die Kehrtwende betrifft nicht nur die Namen, sondern auch das Design. Dell rückt von mehreren umstrittenen Entscheidungen ab, die mit dem XPS 13 Plus im Jahr 2022 eingeführt wurden – und 2025 als einzige XPS-ähnliche Option übrig geblieben waren.
Die damaligen Geräte übernahmen zentrale Elemente des XPS 13 Plus:
- eine kapazitive Funktionsleiste anstelle physischer F-Tasten,
- ein randloses haptisches Trackpad, das optisch im Handballenauflage-Bereich verschwand,
- eine flache Tastatur ohne sichtbare Zwischenräume, die sich von Rand zu Rand erstreckte.
Der Anspruch: mehr thermischer Spielraum und ein besonders „cleanes“ Design. Die Realität: Viele Nutzer empfanden die Bedienung als ungewohnt, unpräzise und im Alltag schlicht unbequem.
Die neuen XPS 14 und XPS 16 korrigieren das zumindest teilweise:
- physische Funktionstasten sind zurück,
- das haptische Trackpad bleibt, hat jetzt aber klar erkennbare linke und rechte Grenzen,
- die lückenlose Tastatur bleibt zwar erhalten, Dell plant jedoch bereits eine Alternative.
Später im Jahr soll ein günstigeres XPS 13 (2026) erscheinen – mit klassischer Chiclet-Tastatur. Das ist einerseits kostengünstiger in der Produktion, spiegelt aber auch schlicht den Wunsch vieler Nutzer nach einer vertrauten Tipp-Erfahrung wider.
KI tritt in den Hintergrund
2025 stellte Dell die „AI-Fähigkeit“ der Geräte in den Mittelpunkt praktisch jeder Produktbotschaft. Beim XPS-Comeback 2026 wirkt KI eher wie ein Pflichtpunkt auf der Checkliste.
„Wir besinnen uns auf unsere Wurzeln und fokussieren uns wieder stärker auf Consumer und Gaming“, heißt es in einem Statement von Clarke zur Vorstellung der neuen XPS-Reihe.
Auf der Website zu XPS 14 und XPS 16 findet sich zwar weiterhin der obligatorische Hinweis auf das Microsoft-Copilot+ PC-Programm. Der Schwerpunkt liegt jedoch ganz klassisch auf:
- dünnem Gehäuse,
- niedrigem Gewicht,
- Akkulaufzeit,
- Displayqualität.
Kurz: auf genau den Faktoren, die für die meisten Käufer entscheidend sind, wenn sie mehr als 2.000 US-Dollar für einen Laptop ausgeben – nicht darauf, ob das Gerät ein paar KI-Modelle lokal ausführen kann.
Preise, Verfügbarkeit und offene Details
Die neuen XPS-Modelle starten im oberen Preissegment und sind ab sofort verfügbar:
- XPS 14 ab 2.049 US-Dollar,
- XPS 16 ab 2.200 US-Dollar.
Ein Dell-Sprecher kündigt zusätzliche Konfigurationen für Februar an, die „deutlich unter 2.000 US-Dollar“ liegen sollen. Damit will Dell offenbar wieder jene Nutzer ansprechen, die XPS vor allem als ausgewogene Kombination aus Qualität und Preis schätzten – nicht nur als teures Flaggschiff.
Für das XPS 13 (2026) liegen bislang weder finale Spezifikationen noch Preise oder ein konkreter Erscheinungstermin vor. Bestätigt ist lediglich die Rückkehr zu einer klassischen Chiclet-Tastatur.
Warum dieser Schritt relevant ist
Für viele technikaffine Nutzer stand der Name XPS für eine bestimmte Erwartung: hochwertige Verarbeitung, durchdachtes Design und wenig Schnickschnack. Dazu gehören auch echte Funktionstasten, ein Trackpad mit klaren Rändern und eine Tastatur, die sich nicht hinter Design-Spielereien versteckt.
Indem Dell die AI-PC-Rhetorik deutlich zurückfährt und einige der unpraktischen Designexperimente zurücknimmt, trägt das Unternehmen einer simplen Erkenntnis Rechnung: Die Grundlagen entscheiden über den Laptop-Kauf.
Komfort beim Tippen, Berechenbarkeit in der Bedienung und ein Gewicht, das Sie problemlos durch den Tag begleitet – all das ist vielen Nutzern wichtiger als die Frage, wie viele KI-Modelle lokal auf dem Gerät laufen können.
Die Rückkehr von XPS wird allein den schwächelnden PC-Markt nicht drehen. Sie zeigt aber, dass Dell bereit ist zuzuhören, wenn Kunden und Tester mit ihrem Feedback – und ihren Kaufentscheidungen – abstimmen. Und genau das könnte sich langfristig als die klügste Entscheidung erweisen.



