HP EliteBoard G1a: Ein Ryzen‑Windows‑11‑PC im Tastaturgehäuse

6. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
HP EliteBoard G1a Tastatur‑PC mit beiliegender kabelloser Maus

HP belebt das Konzept des Tastatur‑PCs neu – mit Windows 11 und AMD Ryzen AI statt Bastelplatine und Linux.

Auf der CES 2026 in Las Vegas hat HP den EliteBoard G1a vorgestellt: einen vollständigen Windows‑Rechner, der direkt in eine flache Membrantastatur integriert ist. Das Gerät wiegt rund 1,65 Pfund (etwa 0,75 kg), eine kabellose Maus liegt bei. Der Marktstart ist für März geplant, Preise nennt HP noch nicht.

Vom Commodore 64 über Raspberry Pi zu HP

Der Computer in der Tastatur ist keine neue Idee. In den 1980er‑Jahren prägte der Commodore 64 dieses Formformat. In den vergangenen Jahren dominierte jedoch Raspberry Pi diesen Bereich.

2019 brachte der Hersteller den Raspberry Pi 400 auf den Markt: Im Kern ein Raspberry Pi 4 in einem Gehäuse, das zugleich als Tastatur dient. Mit USB‑, HDMI‑ und Ethernet‑Ports, GPIO‑Header und Raspberry Pi OS entsteht ein einfacher Desktop‑Rechner für rund 100 US‑Dollar.

Es folgten der Raspberry Pi 500 mit einem Pi‑5‑Board und einem Quad‑Core‑64‑Bit‑Arm‑Cortex‑A76 sowie der Raspberry Pi 500+. Der 500+ setzt bei der Speicherung auf NVMe‑SSD statt microSD und steckt in einer flachen mechanischen Tastatur – kostet dafür mit rund 200 US‑Dollar etwa doppelt so viel.

Diese Lösungen sprechen vor allem Bastler, Maker und Linux‑Fans an. Für Anwenderinnen und Anwender aus der klassischen Windows‑Welt bedeuten sie dagegen eine ungewohnte Oberfläche und einen deutlichen Einarbeitungsaufwand.

Windows‑11‑PC in der Bürotastatur

HPs EliteBoard G1a verfolgt dieselbe Grundidee, richtet sich aber klar an Unternehmen. Statt eines Arm‑Boards mit Raspberry Pi OS läuft hier Windows 11 Pro for Business auf x86‑Basis.

Im Inneren arbeitet ein AMD Ryzen AI der 300‑Serie mit einem NPU, den HP mit bis zu 50 TOPS angibt. Der Rechner ist außerdem Teil von Microsofts Copilot+‑PC‑Programm, also auf die KI‑Funktionen von Windows 11 zugeschnitten, die lokal auf dem Gerät laufen sollen.

Eine integrierte 32‑W‑Batterie macht den EliteBoard G1a mobil genug für den Wechsel zwischen Arbeitsplätzen. HP beschreibt das Gerät als Lösung, die sich „mit Leichtigkeit bewegen, verbinden und an jeden Arbeitsplatz anpassen“ soll.

Gleichzeitig dämpft das Unternehmen die Erwartungen: Die Rechenleistung werde im Vergleich zu anderen Business‑PCs mit Windows 11 begrenzt sein – kein Wunder bei dem engen Formfaktor und der kleinen Batterie.

Zielgruppe: Hot Desking und hybride Büros

Im Fokus stehen Büros ohne feste Schreibtische, in denen Mitarbeitende täglich ihren Platz wechseln (Hot Desking). Die IT kann EliteBoards an geteilten Arbeitsplätzen verteilen, während Sie nur noch Monitor und Headset anstöpseln.

Ein Tastatur‑PC bedient zudem den Wunsch nach minimalistischen Set‑ups: eine Tastatur auf dem Tisch, ein Kabel zum Display – fertig. Kein Tower unterm Schreibtisch, keine Dockingstation, weniger Netzteile und Kabelsalat.

Gegenüber Raspberry‑Pi‑Lösungen bietet der EliteBoard G1a:

  • eine vertraute Windows‑11‑Pro‑for‑Business‑Umgebung,
  • x86‑Architektur, die in der Regel besser mit bestehender Windows‑Software harmoniert,
  • Einbettung in Microsofts Copilot+‑Strategie für KI‑beschleunigte Funktionen.

Für IT‑Abteilungen, die ohnehin in der Microsoft‑Welt zuhause sind, könnte das spannend werden – vorausgesetzt, HP positioniert das Gerät preislich in der Nähe von Thin Clients und kompakten Business‑Desktops.

Was noch offen ist

Vor dem Start bleiben entscheidende Fragen ungeklärt: exakte CPU‑ und GPU‑Modelle, RAM‑ und SSD‑Konfigurationen, I/O‑Ausstattung – und vor allem der Preis.

HP stellt selbst heraus, dass die Leistung hinter klassischen Business‑Laptops und ‑Desktops zurückbleiben wird. Damit eignet sich der EliteBoard eher für typische Büroarbeit und KI‑gestützte Produktivitätsfunktionen als für rechenintensive Aufgaben.

Interessant wird auch, wie HP Themen wie Wartbarkeit und Geräuschentwicklung löst: Was passiert, wenn eine Taste ausfällt oder der Akku an Kapazität verliert? Und wie laut muss ein so flaches Gehäuse gekühlt werden?

Noch fehlen viele Details. Aber mit dem EliteBoard G1a bringt HP eines der zugänglichsten Tastatur‑PC‑Konzepte seit dem Raspberry Pi 400 – diesmal allerdings mit einem vollwertigen Windows‑11‑Pro‑Erlebnis, das nahtlos in bestehende Unternehmensumgebungen passt.

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