KI treibt RAM-Preise hoch: Rekordgewinne für Samsung, SK Hynix und Micron

8. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Nahaufnahme von DDR5‑RAM‑Modulen auf einem Mainboard

Wer aktuell einen PC aufrüsten will, spürt die Kehrseite des KI‑Hypes: RAM ist so teuer wie seit Jahren nicht mehr – und die Speicherhersteller verdienen so gut wie nie.

Samsung, SK Hynix und Micron melden Rekordquartale, während Rechenzentren für generative KI DRAM und High Bandwidth Memory (HBM) in Milliardenhöhe aufkaufen.

Samsung: Vom Speicher-Überangebot zum Gewinnsprung

Samsung Electronics rechnet laut aktueller Prognose für das 4. Quartal 2025 mit einem operativen Gewinn zwischen 19,9 und 20,1 Billionen Won – rund 13,8 Milliarden US‑Dollar.

Im 4. Quartal 2024 waren es noch 6,49 Billionen Won. Der operative Gewinn würde sich damit mehr als verdreifachen.

Samsung ist weit mehr als ein Speicherproduzent, doch die Gewinne schwanken traditionell mit dem DRAM‑ und NAND‑Zyklus. 2023 litt der Konzern unter einem massiven Überangebot an Speicherchips, die Speicher‑Sparte schrieb Verluste in Milliardenhöhe. Zwei Jahre später sorgt Knappheit gepaart mit KI‑Nachfrage für das entgegengesetzte Bild.

SK Hynix und Micron profitieren noch stärker

Weniger diversifizierte Unternehmen, die vor allem Speicher herstellen, sind noch unmittelbarer betroffen – im positiven Sinne.

  • SK Hynix meldete im 3. Quartal 2025 seine „höchste Quartalsleistung aller Zeiten“ mit einem operativen Gewinn von 11,38 Billionen Won (etwa 7,8 Milliarden US‑Dollar), nach 7,03 Billionen Won im 3. Quartal 2024.
  • Die operative Marge stieg im Jahresvergleich von 40 % auf 47 %.
  • Das Unternehmen führt die Entwicklung auf „ausgeweitete Investitionen in KI‑Infrastruktur“ und eine „sprunghaft gestiegene Nachfrage nach KI‑Servern“ zurück.

Auch Micron profitiert deutlich, obwohl der Konzern sich aus dem Endkundengeschäft mit RAM und SSDs zurückgezogen hat und primär an andere Unternehmen verkauft.

  • Der Nettogewinn kletterte von 1,87 Milliarden US‑Dollar im 1. Quartal 2025 auf 5,24 Milliarden US‑Dollar im 1. Quartal 2026.
  • CEO Sanjay Mehrotra schreibt, „der Gesamtumsatz des Unternehmens, der DRAM‑ und NAND‑Umsatz sowie der HBM‑ und Rechenzentrumsumsatz und der Umsatz in jedem unserer Geschäftsbereiche [haben] im [fiskalischen] 1. Quartal neue Rekorde erreicht“. Micron erzielte zudem den „höchsten freien Cashflow aller Zeiten“.

Wenn alle drei großen DRAM‑Hersteller gleichzeitig Rekorde vermelden, ist klar: Es handelt sich nicht nur um eine normale Zyklusphase, sondern um eine strukturelle Verschiebung.

Warum Ihr RAM‑Kit plötzlich viermal so viel kostet

Auf der Käuferseite sieht das weniger rosig aus.

Ein 32‑GB‑DDR5‑6000‑Kit, das im August 2025 noch rund 80 US‑Dollar kostete, liegt Anfang 2026 bei etwa 340 US‑Dollar – mehr als das Vierfache in unter sechs Monaten.

Bei fertigen Notebooks, Smartphones oder Grafikkarten sind ähnlich drastische Preissprünge bislang noch nicht flächendeckend angekommen. Viele Hersteller gehen jedoch davon aus, dass sich das ändert, falls die Knappheit anhält.

Neben klassischen Scalpern, die beliebte Kits aufkaufen und teurer weiterverkaufen, treiben vor allem zwei KI‑getriebene Effekte die Preise – und sie verstärken sich gegenseitig.

1. Standard‑DRAM: Konkurrenz mit OpenAI & Co.

Zum einen konkurrieren Sie mit Hyperscalern und KI‑Anbietern um denselben Standard‑DRAM, der auch in Consumer‑PCs und traditionellen Servern steckt.

Schätzungen zufolge könnte allein das geplante „Stargate“‑Rechenzentrum von OpenAI bis zu 40 % der weltweiten DRAM‑Produktion verbrauchen – auf Basis der Produktionszahlen von 2024 und 2025, ohne künftige Kapazitätserweiterungen einzurechnen.

Selbst wenn neue Fabriken diesen Anteil relativ senken, ist das Signal eindeutig: KI‑Player verdrängen mit ihrer Nachfrage zunehmend andere Kundensegmente.

2. HBM frisst Wafer‑Fläche und drängt DDR5 zurück

Der zweite Effekt wirkt über das Angebot.

HBM (High Bandwidth Memory), wie er etwa mit Nvidias KI‑GPUs im Rechenzentrum kombiniert wird, benötigt deutlich mehr Fläche auf dem Wafer als herkömmlicher DRAM.

Für eine bestimmte Speichermenge beansprucht HBM etwa dreimal so viel Wafer‑Fläche wie derselbe Umfang an DDR5.

Wenn Hersteller Produktionslinien zugunsten von HBM umstellen, sinkt die potenzielle DDR5‑Menge also überproportional. Um KI‑GPUs zu versorgen, wird der Mainstream‑Speicher regelrecht abgewürgt.

Jeder dieser Faktoren allein hätte die RAM‑Preise steigen lassen. In Kombination aus stark wachsender KI‑Nachfrage und reduzierter DRAM‑Verfügbarkeit treiben sie die Preise jedoch auf Rekordniveau.

Ausblick: Teurer Speicher auf Jahre?

Kurzfristig ist keine deutliche Entspannung in Sicht.

  • Laut Bank‑of‑America‑Analysten, auf die sich SK Hynix beruft, könnten die durchschnittlichen Verkaufspreise für DRAM im Jahr 2026 um bis zu 33 % steigen.
  • Außerdem könnte der HBM‑Markt im Jahr 2028 größer sein als der gesamte RAM‑Markt im Jahr 2024.
  • Micron‑Chef Mehrotra erwartet, dass sowohl die starke Nachfrage als auch die begrenzte Angebotslage „über das Kalenderjahr 2026 hinaus anhalten“ werden.

Mit anderen Worten: Die Branche plant mit Jahren anhaltend hoher Speicherpreise, getrieben vor allem durch Investitionen in KI‑Infrastruktur.

Was den Trend kippen könnte

All diese Prognosen basieren auf einer Annahme: dass der Ausbau von KI‑Rechenzentren weiter im aktuellen Tempo voranschreitet.

Sollte sich die aktuelle Euphorie als KI‑Blase entpuppen, die platzt oder langsam entweicht, könnten die Hersteller rasch wieder dort landen, wo Samsung 2023 war – auf Bergen unverkaufter Chips, die nur noch mit Preisnachlässen abgebaut werden können.

Derzeit jedoch ist die Realität klar: KI‑Schwergewichte sichern sich DRAM und HBM praktisch um jeden Preis. Und der Rest des Marktes – vom PC‑Enthusiasten bis zum OEM – bezahlt dafür an der Kasse.

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