Metas 2-Milliarden-Dollar-Kauf von Manus: Entspannung in Washington, Alarm in Peking

7. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Logos von Meta und Manus vor US-amerikanischer und chinesischer Flagge

Metas Übernahme der KI-Assistentenplattform Manus für 2 Milliarden US-Dollar entwickelt sich zu einem geopolitischen Stresstest.

Während US-Behörden den Deal inzwischen weitgehend akzeptieren, prüfen chinesische Stellen nun, ob er gegen Technologie-Exportkontrollen verstößt.

Vom Politikum in den USA zum Standortwechsel nach Singapur

Manus war ursprünglich kein „singapurisches“ Startup, sondern wurde in Peking aufgebaut.

Als Benchmark Anfang 2025 eine Finanzierungsrunde für Manus anführte, kam es in Washington zu einem sofortigen Aufschrei:

  • Der republikanische Senator John Cornyn kritisierte die Investition öffentlich auf X.
  • Das US-Finanzministerium leitete Prüfungen im Zusammenhang mit neuen Regeln ein, die amerikanische Investitionen in chinesische KI-Unternehmen einschränken sollen.

Die Bedenken gingen so weit, dass Manus seinen Sitz von Peking nach Singapur verlegte. Ein chinesischer Professor sprach auf WeChat von einer "step-by-step disentanglement from China".

Dieser Schritt hat US-Regulatoren offenbar beruhigt. Laut Financial Times sehen sie die Übernahme durch Meta inzwischen als legitim an – trotz der früheren Vorbehalte gegen Benchmarks Engagement in einem KI-Unternehmen mit chinesischen Wurzeln.

Pekings Blick auf "Singapore Washing"

In China fällt die Bewertung deutlich kritischer aus.

Chinesische Behörden prüfen laut Financial Times, ob der Meta-Deal gegen Exportkontrollvorschriften für Technologie verstößt. Im Fokus steht die Frage, ob Manus eine Exportlizenz hätte beantragen müssen, als das Unternehmen sein Kernteam und wesentliche Technologie von China nach Singapur verlegte.

Solche Verlagerungen sind unter chinesischen Startups inzwischen so verbreitet, dass sie einen eigenen Begriff haben: "Singapore washing" – das Auslagern von Teams und IP nach Singapur, um der heimischen Aufsicht zu entgehen und Transaktionen mit westlichen Käufern zu erleichtern.

Das Wall Street Journal hatte kürzlich spekuliert, China habe "wenige Instrumente, um den Deal zu beeinflussen, angesichts von Manus’ Präsenz in Singapur". Die aktuelle Überprüfung deutet darauf hin, dass diese Einschätzung verfrüht war.

In Peking wächst die Sorge, dass ein reibungsloser Abschluss des Meta-Deals ein Signal an junge chinesische KI-Startups senden könnte: Zieht nach Singapur, um Regulierungen zu umgehen. Winston Ma, Professor an der New York University School of Law und Partner bei Dragon Capital, sagte dem Journal, dass der Deal im Erfolgsfall "a new path for the young AI startups in China" eröffnen würde.

Strafrechtliche Risiken und das TikTok-Präzedenzfall

China hat Exportkontrollen bereits als machtpolitisches Instrument genutzt.

Als die US-Regierung unter Donald Trump in seiner ersten Amtszeit mit einem TikTok-Verbot drohte, reagierte Peking, indem es Empfehlungssysteme in seine Exportkontrollliste aufnahm. Dadurch wurde jede erzwungene Veräußerung der US-Aktivitäten von TikTok erheblich komplizierter.

Ein vergleichbarer Ansatz zeichnet sich nun ab. Der chinesische Professor, der auf WeChat die "Entflechtung" von Manus kommentierte, warnte zugleich, dass die Gründer strafrechtlich haftbar gemacht werden könnten, falls sie genehmigungspflichtige Technologie ohne Erlaubnis exportiert haben.

Sollten die Behörden zu dem Schluss kommen, dass Manus bereits vor dem Umzug nach Singapur eine Lizenz benötigt hätte, könnte Peking den Meta-Deal verzögern, mit Auflagen versehen – oder im Extremfall den Druck direkt auf das Management erhöhen.

Warum Washington den Deal als Erfolg liest

Parallel dazu werten einige US-Analysten die Übernahme als Beleg dafür, dass die amerikanischen Investitionsbeschränkungen gegenüber China wirken.

Ihre Argumentation: Wenn chinesische KI-Talente und -Firmen in Drittstaaten wie Singapur ausweichen und am Ende doch bei US-Käufern landen, bleibt das amerikanische Ökosystem das attraktivste Ziel für Spitzen-KI.

Ein Experte sagte der Financial Times, der Deal zeige, dass "the US AI ecosystem is currently more attractive".

Folgen für Meta und grenzüberschreitende KI-Deals

Für Meta stellt sich vor allem die Frage, ob und wie stark sich die Integration der Manus-KI-Agenten in seine Produkte verzögern wird. Offiziell ist es noch "zu früh", um konkrete Auswirkungen abzuschätzen.

Klar ist jedoch: Eine Übernahme, die zunächst wie ein klassischer Technologiedeal wirkte, ist zur Stellprobe für globale KI-Politik geworden.

Für deutsche und europäische Unternehmen sendet der Fall eine deutliche Botschaft: Wer KI mit Wurzeln oder Teams in China kauft oder finanziert, muss Export- und Investitionskontrollen beider Großmächte inzwischen als festen Bestandteil der Transaktionsplanung einkalkulieren.

Der Begriff "Singapore washing" dürfte damit auch in europäischen Boardrooms ankommen – nicht mehr als einfache Lösung, sondern als potenzieller Risikofaktor.

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