Snowflake schaltet beim Thema Observability einen Gang höher.
Der Cloud‑Datenspezialist hat am 8. Januar einen verbindlichen Vertrag zur Übernahme von Observe bekannt gegeben. Observe betreibt eine Observability‑Plattform, die von Anfang an vollständig auf den Datenbanken von Snowflake aufgesetzt wurde. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung.
Offizielle Finanzdetails gibt es nicht. Laut Berichten liegt der Kaufpreis jedoch bei rund 1 Milliarde US‑Dollar. Damit wäre es die bislang größte Akquisition in der Geschichte von Snowflake – noch vor dem etwa 800 Millionen US‑Dollar schweren Kauf von Streamlit im März 2022.
Strategischer Hintergrund: Observability trifft Data Cloud
Observe ermöglicht Unternehmen, Telemetriedaten – also Logs, Metriken und Traces – zentral in einer Snowflake‑Datenbank zu sammeln und auszuwerten, um Performance‑Probleme und Bugs in Anwendungen und Datenpipelines zu identifizieren.
Snowflake will das Produkt von Observe direkt in seine Plattform integrieren und seinen Kunden damit einen zentralen Ort bieten, an dem sie Telemetriedaten erfassen, speichern und analysieren können. Laut einem von Snowflake zitierten Blogbeitrag sollen Teams damit ihre Daten‑Stacks überwachen und Probleme „10‑mal schneller als bisher“ finden und beheben können.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Mit der Ausbreitung von KI‑Agenten und datenintensiven Anwendungen explodiert das Volumen an Maschinen‑ und Telemetriedaten. Klassische Monitoring‑Tools stoßen bei dieser Skalierung und der Verteilung der Daten auf verschiedene Systeme zunehmend an Grenzen. Snowflake setzt darauf, dass Observability direkt in der Data Cloud – dort, wo die Daten ohnehin liegen – die bessere, skalierbare Antwort ist.
Die vereinte Telemetrie‑Lösung soll auf offenen Architekturen wie Apache Iceberg und OpenTelemetry basieren. Für viele Unternehmenskunden in der DACH‑Region ist das ein wichtiges Signal, weil sie sich nicht in proprietären Formaten und geschlossenen Ökosystemen gefangen sehen wollen.
Enge Verflechtung mit Sutter Hill Ventures
Die Verbindung zwischen Snowflake und Observe ist ungewöhnlich eng.
Observe wurde 2017 von Jacob Leverich, Jonathan Trevor und Ang Li gegründet und brachte 2018 sein erstes Observability‑Produkt auf den Markt – von Beginn an auf einer zentralisierten Snowflake‑Datenbank.
Beide Unternehmen wurden bei Sutter Hill Ventures inkubiert. Mike Speiser, Managing Director bei Sutter Hill, war von 2012 bis 2014 Gründungs‑CEO von Snowflake und prägte damit den Start des Unternehmens.
Observe hat seitdem nahezu 500 Millionen US‑Dollar Wagniskapital eingesammelt, unter anderem von Snowflake Ventures, Sutter Hill Ventures und Madrona. Nach PitchBook‑Daten lag die letzte Bewertung von Observe im Juli 2025 bei 848 Millionen US‑Dollar.
Hinzu kommen personelle Überschneidungen: Jeremy Burton, heutiger CEO von Observe, sitzt bereits seit 2015 im Board of Directors von Snowflake. Solche Überschneidungen erhöhen typischerweise die strategische Abstimmung und erleichtern die Integration nach einem Merger.
Konsolidierung im Daten‑ und KI‑Stack
Die geplante Übernahme fügt sich in eine breitere Konsolidierungswelle der Datenbranche ein. Viele Anbieter bauen ihr Portfolio aus, um als umfassender „One‑Stop‑Shop“ im KI‑Zeitalter aufzutreten.
Snowflake war 2025 besonders aktiv und hat mehrere KI‑ und datenbezogene Übernahmen abgeschlossen bzw. angekündigt, darunter:
- Crunchy Data
- Datavolo
- Select Star, eine Plattform für Data Governance und Metadaten‑Management, mit der Unternehmen ihre Datenbestände besser verstehen und nachverfolgen können.
Vor diesem Hintergrund ist der Griff nach Observe mehr als nur ein Feature‑Kauf. Snowflake positioniert sich damit als Plattform, auf der Data Warehouse, KI‑Workloads und Observability‑Stack zusammenlaufen.
Sollten die Aufsichtsbehörden grünes Licht geben, werden Kunden in der Lage sein, ihre Telemetriedaten dort zu analysieren, wo sie bereits ihre geschäftskritischen Daten und KI‑Modelle verwalten. Für eigenständige Observability‑Anbieter ohne eigene Datenplattform ist das ein deutliches Signal, dass sich das Wettbewerbsumfeld weiter zuspitzt.



