Auf der CES 2026 in Las Vegas zeigt sich ein klares Bild: Künstliche Intelligenz ist kein isolierter Trend mehr. Sie steckt in Chips, Autos, Baggern, Robotern, Fernsehern, Kalendern – und sogar in einem Smartphone mit physischer Tastatur.
Auf Basis der TechCrunch-Berichterstattung hier die wichtigsten Punkte im Überblick.
Nvidia: Rubin-Architektur und Alpamayo-Modelle für autonome Fahrzeuge
Nvidia-CEO Jensen Huang nutzte seinen gewohnt langen Auftritt für drei Botschaften: Erfolge in der KI, ein technischer Ausblick auf 2026 – und einen Auftritt mit Robotern auf der Bühne.
Im Mittelpunkt stand die neue Rubin-Computing-Architektur. Sie soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 schrittweise die aktuelle Blackwell-Generation ablösen. Rubin wurde entwickelt, um die steigenden Rechen- und Speicheranforderungen durch die Verbreitung von KI-Anwendungen abzudecken. Senior-AI-Editor Russell Brandom geht bei TechCrunch ins technische Detail, doch die Kernaussage ist klar: mehr Leistung und mehr Speicher für KI-Workloads.
Nvidia schiebt KI gleichzeitig tiefer in die physische Welt. Das Unternehmen präsentierte Alpamayo, eine Familie von Open-Source-KI-Modellen und -Tools, die bereits 2026 in autonomen Fahrzeugen eingesetzt werden sollen. Wie Reporterin Rebecca Bellan anmerkt, fügt sich das in Nvidias Bestreben ein, seine Infrastruktur zum Android-Äquivalent für General-Purpose-Roboter zu machen.
AMD: Ryzen AI 400 und die Verlagerung von KI auf den PC
AMD-Vorsitzende und CEO Lisa Su hielt das erste offizielle CES-Keynote. Auf der Bühne standen namhafte Partner: OpenAI-Präsident Greg Brockman, KI-Vordenkerin Fei-Fei Li, Luma-AI-CEO Amit Jain und weitere.
Jenseits der prominenten Gäste ging es um eine klare Strategie. Laut Senior-Reporterin Rebecca Szkutak will AMD mit den Ryzen-AI-400-Prozessoren die Verbreitung von KI über Rechenzentren hinaus auf Personal Computer ausweiten.
Die Botschaft: Die nächste Welle der KI läuft nicht nur in der Cloud. Sie rechnet zunehmend lokal auf Notebooks und Workstations, mit AMD-Chips als Inferenz-Motor.
Ford und Caterpillar: KI-Assistenten für Fahrer und Baustellen
Auch Automobil- und Industriesektor setzen auf Assistenten.
Ford startet mit einem KI-Assistenten zunächst in der hauseigenen App. Ein rollierender Einsatz im Fahrzeug ist für 2027 angepeilt. Gehostet wird der Dienst über Google Cloud, die Intelligenz stammt von Standard-LLMs (Large Language Models). Wie TechCrunch festhält, bleibt Ford Details zur konkreten Nutzererfahrung im Fahrzeug bisher schuldig.
Caterpillar wiederum kooperiert mit Nvidia in einem Pilotprojekt namens Cat AI Assistant, das auf der CES an einem Caterpillar-Bagger demonstriert wurde. Parallel dazu arbeitet Caterpillar mit Nvidias Omniverse-Simulationsumgebung, um Bauprojekte in der Planung und Ausführung zu unterstützen.
Fazit: KI-Copiloten ziehen sowohl in Privatfahrzeuge als auch in schwere Arbeitsmaschinen ein.
Boston Dynamics und Google: Atlas lernt mit Google-KI
Hyundai nutzte seine Pressekonferenz, um seine Robotik-Pläne mit Boston Dynamics zu skizzieren. Bemerkenswert: Boston Dynamics und Hyundai arbeiten mit dem KI-Forschungslabor von Google zusammen, nicht mit konkurrierenden Anbietern.
Gemeinsam sollen bestehende Atlas-Roboter und eine neue humanoide Atlas-Generation trainiert und betrieben werden, die auf der Bühne gezeigt wurde. Mobilitäts-Redakteurin Kirsten Korosec liefert bei TechCrunch die Details.
Das bestätigt einen übergreifenden Trend der CES 2026: Die modernsten humanoiden Roboter basieren zunehmend auf den Modellen großer Cloud-Anbieter.
Amazon: Alexa+, Fire TV und Ring wachsen zusammen
Amazon trat mit einer erwartbaren, aber weitreichenden Botschaft auf: Alexa wird KI-zentrierter – und präsenter.
Das Unternehmen treibt Alexa+, das KI-Update des Sprachassistenten, voran und eröffnet Alexa.com für Early-Access-Nutzer, die den Chatbot im Browser verwenden wollen. Parallel dazu gibt es eine überarbeitete, bot-fokussierte App.
Auf der Hardware-Seite verknüpft Amazon Fire TV und die neuen Artline-Fernseher enger mit Alexa+. Consumer-Editorin Sarah Perez beschreibt, wie sich TV-Interface und Assistent stärker verschmelzen.
Ring, ebenfalls Teil des Amazon-Konzerns, nutzte die CES, um seine Präsenz im Bereich Heimsicherheit auszubauen. Reporter Ivan Mehta berichtet über neue Feuerwarnungen, einen App-Store für Drittanbieter-Kameraintegration und weitere Funktionen.
Clicks Communicator: das BlackBerry-Feeling kehrt zurück
Eines der meistdiskutierten Geräte auf dem Messeboden ist kein Headset, sondern ein Smartphone mit physischer Tastatur.
Clicks Technology stellte den Communicator vor, ein Gerät für 499 US-Dollar, das sich klar an der BlackBerry-Ästhetik orientiert. Zusätzlich gibt es eine separate Slide-Out-Tastatur für 79 US-Dollar, die mit anderen Geräten genutzt werden kann.
Consumer-Editorin Sarah Perez testete das Gerät vor Ort und lobt das Handling:
‚In unserem Hands-on-Test lag das Telefon gut in der Hand — weder zu schwer noch zu leicht und einfach zu greifen. Gadway sagte mir, dass sich das Unternehmen nach Dutzenden 3D-gedruckten Formen für das endgültige Design entschieden habe. Die Rückseite ist konturiert, sodass sich das Telefon leicht aufheben und halten lässt. Das Display ist leicht vom Gehäuse abgehoben, und das Kinn ist nach oben gebogen, um eine Aussparung zu schaffen, die die Tasten schützt, wenn man das Gerät mit dem Display nach unten ablegt.‘
In einer Messe, die von unsichtbaren KI-Assistenten dominiert wird, ist ein haptisches, tastaturzentriertes Gerät ein deutliches Gegenstück.
Razer: Project AVA und Motoko – wenn KI verspielt wird
Razer ist auf der CES für spektakuläre Prototypen bekannt: Drei-Display-Laptops, haptische Gaming-Kissen, eine Maske, die dem Unternehmen eine Strafe einbrachte.
2026 stehen zwei KI-Konzepte im Fokus. Project Motoko soll Funktionen von Smart Glasses liefern – nur ohne Brille. Project AVA platziert einen KI-Begleiter als Avatar auf dem Schreibtisch. Noch sind es Konzeptstudien, aber sie zeigen, dass Razer KI vor allem als Spielfeld für neue Interaktionen versteht.
KI im Wohnzimmer: Skylight Calendar 2 und Roku für 3 Dollar
Handfester ist der Einsatz von KI im Alltag mit Skylight Calendar 2. Das Familienplanungs-Tool fiel auf dem Messeboden auf, weil es Kalender aus verschiedenen Quellen zusammenführt, To-dos aus Nachrichten oder Fotos generiert und an Termine erinnert.
In den CES-Breakout-Sessions sprach Roku zudem über die Ausweitung seines 3-US-Dollar-Streamingdienstes – ein deutliches Signal für einen härteren Wettbewerb im Ultra-Low-Cost-Segment.
Lego auf der CES: Smart Bricks und Star-Wars-Sets
Lego trat 2026 erstmals auf der CES auf und präsentierte hinter verschlossenen Türen sein Smart Play System.
Laut Senior-Autorin Amanda Silberling umfasst es Steine, Fliesen und Minifiguren, die miteinander interagieren und Sounds abspielen können. Die ersten Sets sind im Star-Wars-Universum angesiedelt. Charakteristisch für Lego: physisches Bauen, mehr digitale Intelligenz – aber ohne klassische Bildschirme.
Side-Sessions und Kuriositäten: Retro-Ästhetik und Theranos-Kopfgeld
Abseits der großen Bühnen bot die CES 2026 weitere Schlagzeilen:
- Oculus-Gründer Palmer Luckey plädierte für Retro-Ästhetik im Kontrast zu Hochglanz-Tech.
- Sprecher warnten, dass die Ära des ‚einmal lernen, für immer arbeiten‘ vorbei sein könnte, da KI Berufsbilder und Skills verschiebt.
- Es gab eine Vorschau auf The Audacity, eine neue Serie mit Silicon-Valley-Setting.
- Roku erläuterte Pläne rund um den 3-Dollar-Streamingdienst.
- All-In-Host Jason Calacanis setzte ein Kopfgeld von 25.000 US-Dollar auf ein authentisches Theranos-Gerät aus.
TechCrunch begleitet dies mit einem Live-Blog und einer Sammlung der bizarrsten Geräte der Messe.
Fazit: KI als Grundschicht der CES 2026
Jenseits der Show-Effekte wirkt die CES 2026 wie ein Wendepunkt.
Nvidia und AMD liefern die Chips. Ford, Caterpillar, Hyundai und Boston Dynamics bringen KI in Autos, Baustellenfahrzeuge und humanoide Roboter. Amazon zieht Alexa+ durch Fernseher und Smart Homes. Und Startups experimentieren mit neuen Formfaktoren – vom Clicks Communicator bis zu Razers Schreibtisch-Avataren.
Künstliche Intelligenz ist nicht mehr nur ein Produkt. Sie wird zur stillen Infrastrukturschicht unter fast allem, was auf dem Messeboden zu sehen ist.


