Ozlo will nicht nur Lärm übertönen. Das Unternehmen will zur Datendrehscheibe Ihres Schlafs werden.
Der Hersteller der komfortablen Sleepbuds baut sich Schritt für Schritt von einem Hardware-Startup zu einer Plattform für Schlafdaten um – mit eigenem SDK, einem Calm-Deal, KI-Funktionen, Tinnitus-Abos und EEG-Technologie.
Auf der CES 2026 in Las Vegas erklärte Mitgründer und CEO N.B. Patil, wie dieser Plan aussehen soll.
Von Ohrstöpseln zur Plattform
Ozlo wurde von ehemaligen Bose-Mitarbeitern gegründet. Von Anfang an war klar: Es geht nicht nur um ein Gadget, sondern um ein Ökosystem.
Der Schlüssel: Ein eigenes SDK für iOS und Android. Die hauseigene App basiert auf genau diesem SDK.
„The way we did that from the beginning is we built the iOS and Android SDK — so our first-party app actually runs on that SDK. That means whatever you see in our app can be made available to anybody“, sagte Patil gegenüber TechCrunch.
Damit werden die Sleepbuds zur Plattform, auf die andere Apps aufsetzen können.
Calm als erstes großes Beispiel
Erstes prominentes Beispiel ist die Kooperation mit der Meditations-App Calm.
Calm kann in der eigenen App nicht erkennen, wann Nutzer wirklich einschlafen. Start- und Stoppzeit sind sichtbar, der Rest ist unscharf.
Hier übernimmt Ozlo.
Die Sleepbuds erfassen Körperbewegungen und Atemfrequenz. Diese Daten landen im Ladecase von Ozlo, wo ein Machine-Learning-Algorithmus entscheidet, ob jemand wach, entspannt oder schlafend ist.
Das „Smart Case“ bringt zusätzliche Sensoren für Temperatur und Licht mit und liefert damit weiteren Kontext. Diese Informationen können – kontrolliert – mit Partnern wie Calm geteilt werden.
Ein praktisches Szenario: Jemand startet eine Atemübung in Calm. Ozlo misst, ob sich die Atemfrequenz senkt, und übermittelt diese Rückmeldung. Bleibt der Effekt aus, weiß Calm, dass die Übung oder der Rhythmus angepasst werden muss.
Patil beschreibt zwei Ebenen:
- Echtzeit-Aktionen, etwa die Sleepbuds-Funktion, die Geräusche automatisch abschaltet, sobald der Nutzer eingeschlafen ist.
- Strategische Insights, mit denen Content-Anbieter erkennen, ob sie „in die richtigen Inhalte investieren“, statt nur Masse zu produzieren.
Für Ozlo eröffnet sich damit ein Erlösmodell jenseits des Geräteverkaufs. Wird ein Nutzer aus dem Sleepbuds-Erlebnis heraus zu einem Upgrade bei einem Partnerabo bewegt, könnte Ozlo an dieser Transaktion mitverdienen.
Laut Patil spricht das Unternehmen bereits mit weiteren Apps für Schlaf, Meditation und angrenzende Bereiche – bis hin zu Therapie-Inhalten oder Hörbüchern.
Tinnitus-Therapien als Abo
Rund 15 % der Ozlo-Kundschaft leiden unter Tinnitus – anhaltendem Ohrensausen, das Schlaf massiv beeinträchtigen kann.
Im vergangenen Jahr startete Ozlo gemeinsam mit dem Walter Reed Hospital eine klinische Studie. Ergebnis: Wird über viele Wochen jede Nacht die passende Maskierungsfrequenz abgespielt, lässt sich das Gehirn „täuschen“, sodass es die nervigen Signale hinter dem Klingeln reduziert.
Auf dieser Basis arbeitet Ozlo an Tinnitus-Therapiewerkzeugen, die als Abo angeboten werden sollen. Der Start ist für das zweite Quartal 2026 geplant.
Eine KI, die als „Sleep Buddy“ fungiert
Parallel baut Ozlo die eigenen Analysefunktionen aus – mit wachsender Rolle für KI.
Im November wurde in der App das Feature „Sleep Patterns“ eingeführt. Es zeigt, wie lange und wie gut Nutzer schlafen, welche Muster sich über Wochen abzeichnen und welche Faktoren den Schlaf stören könnten.
Für dieses Jahr plant Ozlo einen KI-Agenten, mit dem Kundinnen und Kunden wie mit einem „Schlaf-Buddy“ per Textnachricht interagieren können.
Der Name ist als Easter Egg in der App versteckt: Öffnet und schließt man das Case fünfmal hintereinander, läuft ein animierter Charakter namens „buddy“ über den oberen Bildschirmrand.
Über Integrationen mit anderen Wearables und Apple HealthKit möchte Ozlo die individuellen Muster besser verstehen – Aktivität, Routinen, Herzfrequenz – und später IoT-Geräte wie smarte Thermostate ansprechen. Zielbild: Sobald Sie abends das Case öffnen, stellt sich die Raumtemperatur automatisch auf Ihr optimales Schlafniveau ein.
Die KI-Funktionen sind ebenfalls für das zweite Quartal angekündigt.
Neue Hardware: smarteres Case, mehr Reichweite, Nachttisch-Lautsprecher
Auch die Hardware wird überarbeitet.
Ein häufiges Ärgernis: Die Buds sitzen nicht korrekt im Ladecase und laden nicht. Die nächste Gehäusegeneration erhält veränderte Konturen, damit die Sleepbuds zuverlässig einrasten, sowie eine eigene Bluetooth-Taste zum Pairing.
Zudem wird die Antenne samt Verlängerung neu entwickelt, um die Reichweite zu erhöhen. Ein zusätzlicher Verstärker soll dafür sorgen, dass die Buds laut genug sind, um etwa Flug- oder Zuglärm zu überdecken. Die neue Hardware soll im zweiten Quartal auf den Markt kommen.
Ebenfalls für Q2 geplant ist ein Nachttisch-Lautsprecher.
Der etwa 4×6 Zoll große Speaker bekommt eigene Sensoren, mit denen er unter anderem:
- zählen kann, wie oft jemand nachts zur Toilette geht,
- Stürze erkennen und andere Personen alarmieren kann.
Da das Gerät nicht ins Ohr gesteckt wird, eignet es sich für Familien mit Kindern unter 13 Jahren (für die nächtliche Earbuds nicht empfohlen sind) sowie für ältere Menschen, die ein einfaches Gerät am Bett bevorzugen.
In einem späteren Schritt will Ozlo ähnlich wie beim beliebten Hatch-Wecker eine Lichtfunktion zum sanften Aufwachen integrieren. Ein genauer Zeitplan steht dafür noch nicht fest.
EEG-Übernahme als Sprungbrett in die Medizin
Der vielleicht größte Hebel liegt in der Neurotechnologie.
Das rund 60-köpfige, in Boston ansässige Unternehmen hat kürzlich Segotia übernommen, ein irisches Neurotech-Startup mit Fokus auf EEG-basierte „Hearables“.
Ozlo will jetzt einen individuell angepassten Ear-Tip entwickeln, der elektrische Signale im Ohr misst. Daraus lassen sich nach Patils Darstellung Delta-Signale aus dem Gehirn ableiten und damit Aussagen über den Zustand des Gehirns in Bezug auf Schlaf und Wachheit treffen.
Damit ergeben sich zwei klare Perspektiven:
- „Brain-Level“-Insights für die Consumer-Sleepbuds,
- langfristig medizinische Produkte mit Echtzeitintervention während des Schlafs.
Ein Produkt, das die EEG-Technologie von Segotia integriert, ist für 2027 geplant.
Ambitionierter Fahrplan, offene Series B
SDK-Partnerschaften, Tinnitus-Abos, KI-Agent, neue Hardware, Nachttisch-Lautsprecher, EEG-Produkt in der Entwicklung – Ozlo hat für die kommenden Quartale einen vollen Fahrplan.
Um dieses Tempo zu halten, muss das Unternehmen seine Roadmap zügig und qualitativ umsetzen – und zusätzlich Kapital einwerben.
Patil zufolge befindet sich Ozlo gerade in der finalen Phase einer Series-B-Finanzierungsrunde. Details sollen im Laufe des nächsten Monats folgen.
Gelingt der Plan, könnten die Sleepbuds von Ozlo weniger als reines Anti-Lärm-Gadget wahrgenommen werden – und mehr als eine der spannendsten Datenplattformen rund um unseren Schlaf.



