Google warnt vor „Häppchen“-Content für LLMs: Schlecht für langfristiges SEO

9. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Google-Suchergebnisseite auf einem Laptop-Bildschirm

Google versucht, einem neuen SEO-Glaubenssatz den Stecker zu ziehen: Artikel künstlich in Mini-Abschnitte zu zerlegen, nur damit große Sprachmodelle (LLMs) sie besser verdauen.

In einer neuen Folge des Podcasts Search Off the Record erklären Such-Liaison Danny Sullivan und Googles John Mueller, warum dieses „bite-sized“ Content-Design für LLMs wie Gemini ein Fehler ist – zumindest dann, wenn Ihnen Ihr Ranking in der Websuche wichtig ist.

Was hinter „Content Chunking“ steckt

Das Muster ist inzwischen weit verbreitet:

  • Ein- bis zwei-Satz-Absätze, die seitenlang nach unten laufen.
  • Überschriften, die wie Fragen an einen Chatbot klingen.
  • Inhalte, die so stark zerstückelt sind, dass kaum noch Substanz bleibt.

Die Idee hinter diesem Content Chunking: Wenn Informationen kleinteiliger sind, können LLMs sie leichter verarbeiten und zitieren. Das soll mehr Sichtbarkeit in generativen Antworten bringen – und im besten Fall auch Vorteile im klassischen Ranking.

Sullivan widerspricht dieser Annahme deutlich.

„One of the things I keep seeing over and over in some of the advice and guidance and people are trying to figure out what do we do with the LLMs or whatever, is that turn your content into bite-sized chunks, because LLMs like things that are really bite size, right?“ sagte Sullivan. „So… we don’t want you to do that.“

Laut Sullivan berücksichtigen Googles Ranking-Systeme dieses Muster nicht als positives Signal.

Zentraler Maßstab bleibt das Nutzerverhalten

Sullivan betont, er habe sich vor dieser klaren Aussage mit Ingenieuren im Unternehmen abgestimmt. Die Kernbotschaft ist die gleiche, die Google seit Jahren wiederholt: Schreiben Sie für Menschen, nicht für Maschinen.

Der Grund: Das Verhalten echter Nutzer ist ein wesentlicher Rankingfaktor. Welche Treffer Menschen anklicken, wie lange sie bleiben, wann sie zurück zur Suche springen – all das fließt in die Bewertung von Seiten ein.

Wer seine Inhalte in erster Linie für vermeintliche LLM-Präferenzen umbaut, läuft Gefahr, genau diese Nutzer zu verlieren – und damit auch die Signale, auf die Googles Systeme tatsächlich hören.

Warum Chunking kurzfristig „funktionieren“ kann

Weil Google nur relativ allgemeine SEO-Empfehlungen veröffentlicht, versuchen Agenturen und Berater seit jeher, den Algorithmus von außen zu deuten. In Phasen mit schwankendem Traffic und viel Unsicherheit – aktuell getrieben durch AI-Features und veränderte Referral-Ströme – verstärkt sich dieser Effekt.

In so einem Umfeld sind Publisher versucht, jede kleine Verbesserung im Analytics-Dashboard einem neuen Trick zuzuschreiben. Bleibt der Erfolg aus, war es eben „nur ein schlechter Tag“.

Sullivan warnt davor, aus solchen Momentaufnahmen allgemeine Regeln abzuleiten. Er räumt zwar ein, dass es „Edge Cases“ gibt, in denen chunked Content aktuell besser abschneidet:

„Great. That’s what’s happening now, but tomorrow the systems may change“, sagte er.

Doch genau das ist das Risiko: Wenn Sie Ihre gesamte Content-Strategie auf eine aktuelle Eigenheit eines Systems ausrichten, sind Sie beim nächsten Update verwundbar.

SEO-Trend hinterherlaufen – oder auf Substanz setzen

Sullivan kritisiert damit weniger eine einzelne Technik als eine grundsätzliche Haltung im SEO-Bereich.

Er beschreibt Publisher, die Dinge „speziell für ein Ranking-System, nicht für einen Menschen“ tun. Und er erwartet, dass sich Googles Systeme weiter in die Richtung entwickeln werden, „Content zu belohnen, der für Menschen geschrieben ist“. Alles, was primär dazu dient, ein aktuelles LLM-System zu „pleasen“, könne langfristig ins Leere laufen.

Das Muster ist bekannt:

  • Ein neues Verhalten in den Suchergebnissen fällt auf.
  • Es wird zur angeblichen „Best Practice“ und massenhaft kopiert.
  • Google passt seine Systeme an.
  • Überoptimierte Seiten verlieren den vermeintlichen Vorteil.

2026 heißt dieser Zyklus eben „Content Chunking“ – befeuert durch den Druck, sich im AI-Zeitalter neu zu positionieren.

Was Website-Betreiber jetzt mitnehmen sollten

Die Kernaussagen aus Googles eigenem Podcast lassen sich für Redaktionen, Unternehmen und SEOs so zusammenfassen:

  • Zerstückeln Sie Inhalte nicht künstlich in ultrakurze Absätze nur wegen LLMs.
  • Rechnen Sie nicht damit, dass Google-Suche solch ein Muster speziell belohnt.
  • Konzentrieren Sie sich auf klare, hilfreiche, gut lesbare Inhalte für Menschen.

Natürlich sind Absätze, Zwischenüberschriften und strukturierte Inhalte wichtig – aber als Mittel zur besseren Lesbarkeit, nicht als Ritual für den Algorithmus.

Wenn „Chunking“ Ihren Text für Nutzer verständlicher macht, spricht nichts dagegen. Sobald es Inhalte jedoch oberflächlich, abgehackt oder repetitiv wirken lässt, schadet es sowohl der User Experience als auch dem langfristigen Ranking.

Google signalisiert, dass seine Systeme weiter darauf getrimmt werden, genau diesen Unterschied zu erkennen. Wer seine Strategie an kurzlebigen AI- und SEO-Tricks wie extremem Content Chunking ausrichtet, setzt gegen diese Entwicklung – und geht damit ein hohes Risiko ein.

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