Der CES 2026 in Las Vegas geht zu Ende – und eines ist deutlich: KI ist aus der reinen Software-Ecke herausgewachsen. Das Schlagwort des Jahres lautet „physische KI“: Intelligenz, die Roboter, Fahrzeuge und Geräte im Alltag steuert.
Hier ein strukturierter Überblick über die wichtigsten Ankündigungen und auffälligsten Experimente – von Nvidia und AMD über Ford und Caterpillar bis hin zu Razer und Lego.
Physische KI dominiert die Messe
Schon die letzten beiden Jahre stand der CES im Zeichen der KI. 2025 drehte sich vieles um „agentische KI“. 2026 lag der Fokus klar auf KI, die im physischen Raum handelt:
- Roboter auf der gesamten Messefläche
- KI-Assistenten in Fahrzeugen
- autonome Systeme im Bau- und Industriebereich
Nvidia: Rubin-Architektur und Alpamayo-Modelle für autonome Fahrzeuge
Nvidia-CEO Jensen Huang nutzte seine gewohnt lange Keynote für einen Triumphzug – und um die nächste Ausbaustufe der Nvidia-Plattform vorzustellen.
Rubin als Nachfolger von Blackwell
- Rubin ist Nvidias neue Computing-Architektur, entwickelt, um den stark wachsenden Rechenbedarf durch KI-Anwendungen zu bedienen.
- Rubin soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 schrittweise die Blackwell-Architektur ablösen.
- Laut TechCrunch bringt Rubin Geschwindigkeits- und Speicher-Upgrades gegenüber Blackwell; die technischen Details wurden gesondert analysiert.
Alpamayo: Open-Source-KI für autonome Fahrzeuge
Zusätzlich präsentierte Nvidia die Alpamayo-Familie aus Open-Source-KI-Modellen und -Tools:
- Ziel: autonome Fahrzeuge, die noch 2026 in den Einsatz gehen sollen.
- Die Strategie passt zu Nvidias breiterem Anspruch, die eigene Infrastruktur zum „Android für generalistische Roboter“ zu machen.
Für tiefergehende Analysen und Live-Eindrücke verwies TechCrunch auf seinen Live-Blog, unter anderem verlinkt über diesen Tweet: https://twitter.com/TechCrunch/status/2008308031788859720
AMD: Ryzen AI 400 und ein KI-lastiges Eröffnungs-Statement
Die erste große Keynote des CES hielt Lisa Su, Chair und CEO von AMD. Sie stellte sich mit prominenter Unterstützung auf die Bühne:
- Greg Brockman, Präsident von OpenAI
- Fei-Fei Li, eine Schlüsselfigur der modernen KI-Forschung
- Amit Jain, CEO von Luma AI
Zentraler Punkt: KI soll direkt auf dem PC laufen, nicht nur in der Cloud.
- AMD positioniert die Ryzen AI 400 Series Prozessoren als Plattform, um KI-Funktionen auf Personal Computers zu verbreiten.
- Für OEMs und Entwickler lautet die Botschaft: Das Zeitalter des KI-PC hat begonnen, und AMD will mit seiner Hardware im Zentrum stehen.
Ford und Caterpillar: KI-Assistenten für Straße und Baustelle
Die Idee „physische KI“ wurde besonders deutlich im Mobilitäts- und Industriebereich.
Ford: KI-Assistent vor dem Rollout in Fahrzeugen
Ford bringt einen eigenen KI-Assistenten an den Start:
- Zunächst wird er in der Ford-App eingeführt.
- Ein gezielter Rollout in Fahrzeugen ist für 2027 geplant.
Technische Eckpunkte:
- Hosting erfolgt über Google Cloud.
- Der Assistent basiert auf Standard-LLMs („off-the-shelf“ Large Language Models).
- Ford nannte nur wenige Details dazu, wie sich der Assistent konkret für Fahrer anfühlen wird – viele Fragen zu Funktionsumfang, Sicherheit und UX sind noch offen.
Caterpillar + Nvidia: „Cat AI Assistant“
Der Baumaschinenkonzern Caterpillar präsentierte gemeinsam mit Nvidia den Piloten „Cat AI Assistant“, demonstriert an einem Caterpillar-Bagger:
- Ziel ist, den Bediener im Einsatz mit KI zu unterstützen.
- Parallel arbeitet Caterpillar mit Nvidia Omniverse an Simulationen für die Planung und Durchführung von Bauprojekten.
Damit wird KI in der Industrie nicht mehr nur im Backoffice eingesetzt, sondern direkt am Einsatzort von schweren Maschinen.
Robotik: LGs CLOiD und Atlas mit Google
LGs Haushaltsroboter CLOiD überzeugt noch nicht
LG widmete der Robotik einen großen Teil seiner Präsentation, allen voran dem Haushaltsroboter CLOiD. Auf der Bühne wirkte er wie ein vielseitiger Helfer – in der Live-Demo eher wie ein vorsichtiger Prototyp.
TechCrunch-Autor Lucas Ropek beschreibt seine Eindrücke so:
„Bei der Präsentation, die ich gesehen habe, hat CLOiD nicht besonders viel gemacht. Ich sah, wie der Bot sehr behutsam ein Hemd aus einem Korb nahm und in einen Trockner legte. Außerdem sah ich, wie er ein Croissant aufhob und (ebenfalls sehr behutsam) in einen Ofen legte.“
Zwischen den vorsichtigen Bewegungen und stark produzierten Werbevideos blieb der Eindruck: CLOiD ist eher Vision als fertiges Produkt.
Boston Dynamics & Google: KI für Atlas
Auf der Hyundai-Pressekonferenz stand die Tochterfirma Boston Dynamics im Rampenlicht.
Wichtigstes Detail:
- Boston Dynamics arbeitet mit Googles KI-Forschungslabor zusammen – nicht mit dessen großen Wettbewerbern.
- Gemeinsam werden bestehende Atlas-Roboter trainiert und betrieben, zudem entsteht eine neue Version des humanoiden Atlas, die auf der Bühne gezeigt wurde.
Fortgeschrittene Robotik wird damit klar als KI- und Datenproblem verstanden – Hardware allein genügt nicht mehr.
Razers KI-Konzepte, Clicks Communicator und eufyMakes UV-Drucker
Kein CES ohne ein paar skurrile, aber faszinierende Produkte.
Razer: Project Motoko und Project AVA
Razer, bekannt für übertriebene CES-Prototypen (dreifach-Displays, haptische Gaming-Kissen, eine Maske, die eine Strafe nach sich zog), fokussierte sich dieses Jahr auf KI-Begleiter:
- Project Motoko: soll wie Smart Glasses ohne Brille funktionieren – ein immer verfügbarer, KI-getriebener Assistent, ohne dass Sie ein Display im Gesicht tragen.
- Project AVA: ein KI-Avatar auf dem Schreibtisch, eine Art visuelle AI-Begleitung.
Beides sind Konzeptstudien, mit denen Razer auslotet, wie offen Nutzer für personalisierte, ständig präsente KI-Figuren sind.
Clicks Communicator: das Tasten-Handy kehrt zurück
Hohe Aufmerksamkeit bekam das neue Smartphone Clicks Communicator von Clicks Technology:
- Preis: 499 US-Dollar.
- Mit vollwertiger physischer Tastatur im Stil klassischer BlackBerry-Geräte.
- Zusätzlich gibt es eine separate ausziehbare Tastatur für 79 US-Dollar für andere Geräte.
Laut Hands-on von TechCrunch-Redakteurin Sarah Perez lag das Gerät gut in der Hand; das Display ist leicht erhöht, die Unterkante („Kinn“) ist gebogen, um die Tasten zu schützen, wenn das Gerät mit dem Display nach unten liegt.
Für Vieltipper und Nostalgiker ist das einer der interessantesten Ansätze des Jahres.
eufyMake E1: UV-Drucker für Maker
UV-Drucker, die direkt auf Objekte drucken, waren bisher überwiegend in der Industrie im Einsatz. eufyMake E1 soll diese Technik für kleinere Akteure öffnen:
- Geplanter Marktstart: später im Jahr 2026.
- Preis: 2.299 US-Dollar.
- Druck direkt auf Tassen, Trinkflaschen, Handyhüllen und ähnliche Produkte.
Für Etsy-Seller, Maker und kleine Shops ist das noch immer ein hoher, aber deutlich zugänglicherer Einstiegspreis als klassische Industriemaschinen.
Smarte Haushalte: Skylight Calendar 2 und Amazons Alexa+
Skylight Calendar 2
Der Skylight Calendar 2 fiel als sehr praxisnahes Familiengerät auf:
- Zentraler Familienkalender und Planungs-Screen.
- KI gleicht Kalender aus verschiedenen Quellen miteinander ab.
- Sie kann To-dos aus Nachrichten oder Fotos generieren sowie Termin-Erinnerungen und Aufgaben anlegen.
Der Ansatz: weniger „Showcase-KI“, mehr still nützliche Alltagsunterstützung.
Amazon: Alexa+, Fire TV und Ring
Amazon nutzte den CES, um eine stärker KI-zentrierte Zukunft für sein Ökosystem zu skizzieren.
- Alexa+: ein KI-zentriertes Update für Alexa im Stil eines Chatbots.
- Early-Access-Nutzer können Alexa+ über Alexa.com im Browser ausprobieren.
- Eine neu gestaltete Alexa-App, die sich stärker um Bot-Funktionen dreht, ist ebenfalls geplant.
- Fire TV & Artline TVs: neue Hardware und Oberflächen, in die Alexa+ tief integriert ist.
Beim Sicherheits- und Kameraprodukt Ring wurden u. a. angekündigt:
- Feuerwarnungen sowie
- ein App-Store für Integrationen von Kameras Dritter.
Gemeinsamer Nenner: Alexa entwickelt sich vom simplen Sprach-Interface zu einer konversationalen KI-Schicht für das gesamte Amazon-Smart-Home.
MyCommuters: Bürostandorte als Datenproblem
Abseits des Gadget-Rummels adressiert MyCommuters ein sehr reales Thema für Firmen und Beschäftigte: Wo soll das Büro stehen?
- Die Plattform nutzt Daten zu Pendelzeiten, Kosten und anderen Faktoren,
- um optimal gelegene Bürostandorte zu identifizieren – nicht nur die billigsten oder offensichtlichsten Flächen am Markt.
Gerade für Unternehmen mit hybriden Modellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das ein Beispiel dafür, wie KI bei strategischen Standortentscheidungen unterstützen kann.
Lego auf dem CES: Smart Play System mit Star Wars
Zum ersten Mal war Lego offiziell auf dem CES vertreten und zeigte hinter verschlossenen Türen das Smart Play System:
- Steine, Tiles und Minifiguren, die miteinander interagieren und Sounds abspielen können.
- Die ersten Sets sind im Star-Wars-Universum angesiedelt.
Lego versucht damit, digitale Interaktivität hinzuzufügen, ohne Kinder auf ein Display zu fixieren.
Panels, Side-Events und ein 25.000-Dollar-Kopfgeld auf Theranos-Hardware
Auch abseits der großen Bühnen gab es einige bemerkenswerte Momente:
- Palmer Luckey plädierte für Retro-Ästhetik im Geräte-Design.
- In Panels wurde diskutiert, ob die Ära „einmal lernen, für immer arbeiten“ im KI-Zeitalter endgültig vorbei ist.
- Es gab einen Vorgeschmack auf die neue Silicon-Valley-Serie „The Audacity“.
- Roku kündigte die Expansion seines 3-Dollar-Streamingdienstes an.
- Jason Calacanis, Co-Host von All-In, setzte ein Kopfgeld von 25.000 US-Dollar auf ein authentisches Theranos-Gerät aus – ein typischer CES-Mix aus Spektakel und Tech-Geschichte.
Mehr Tiefe per Podcast und Video
Wer lieber hört oder sieht, als zu lesen, kann auf TechCrunchs Podcast Equity zurückgreifen. Dort werden die Höhen und Tiefen des CES 2026 ausführlich diskutiert. Außerdem gibt es mehrere Video-Recaps, z. B. hier:
- https://www.youtube.com/embed/gNx6cHWQny4
- https://www.youtube.com/embed/0NBILspM4c4
- https://www.youtube.com/embed/UbfAhFxDomE
- https://www.youtube.com/embed/ixgKgENE9iI
- https://www.youtube.com/embed/YAmqzgYjeSM
- https://www.youtube.com/embed/afNHg4UY7aA
- https://www.youtube.com/embed/_QDthx_WjwE
- https://www.youtube.com/embed/2NzwQUe6Ngk
Unterm Strich zeigt der CES 2026: KI wird zur grundlegenden Steuerlogik für Hardware, Fahrzeuge und Infrastruktur – auch wenn einige Roboter aktuell noch „sehr behutsam“ nur Hemden und Croissants bewegen.



