Anthropic hat einen weiteren namhaften Enterprise-Kunden an Land gezogen: Allianz.
Das KI-Forschungsunternehmen kooperiert künftig mit dem in München ansässigen Versicherungskonzern, um seine großen Sprachmodelle in die Allianz‑Systeme zu bringen – mit einem klaren Fokus auf „verantwortungsvolle KI“. Finanzielle Details haben die Unternehmen nicht veröffentlicht.
Drei Bausteine der Allianz‑Partnerschaft
Die Zusammenarbeit besteht aus drei konkreten Initiativen:
Claude Code für alle Mitarbeitenden
Anthropic stellt Claude Code, das KI‑gestützte Coding‑Tool, allen Allianz‑Beschäftigten zur Verfügung. Für einen traditionellen Versicherer ist das ein deutliches Signal: KI‑unterstützte Softwareentwicklung wird zum Standardwerkzeug – nicht nur in Tech‑Konzernen.Individuelle KI‑Agenten mit menschlicher Kontrolle
Anthropic und Allianz entwickeln maßgeschneiderte KI‑Agenten für Mitarbeitende, die mehrstufige Workflows ausführen können – stets mit einem Menschen „im Loop“. Es geht also weniger um einfache Chatbots und mehr um interne Assistenten, die ganze Aufgabenketten orchestrieren.Lückenloses Protokoll aller KI‑Interaktionen
Zusätzlich entsteht ein System, das sämtliche Interaktionen mit der KI protokolliert. Ziel ist Transparenz und die Möglichkeit, Informationen bei aufsichtsrechtlichen oder anderen Prüfungen schnell bereitzustellen.
„Mit diesem Partnerschaftsabkommen geht Allianz einen entscheidenden Schritt zur Bewältigung kritischer KI‑Herausforderungen in der Versicherungsbranche“, erklärte Oliver Bäte, CEO der Allianz SE, in der Pressemitteilung des Unternehmens. „Anthropics Fokus auf Sicherheit und Transparenz ergänzt unser starkes Engagement für Kundenexzellenz und das Vertrauen unserer Stakeholder. Gemeinsam entwickeln wir Lösungen, die das, was unseren Kunden am wichtigsten ist, in den Mittelpunkt stellen und gleichzeitig neue Maßstäbe für Innovation und Resilienz setzen.“
Teil einer ganzen Serie von Enterprise‑Deals
Der Allianz‑Deal reiht sich in mehrere größere Unternehmensvereinbarungen ein, die Anthropic in den vergangenen Monaten abgeschlossen hat.
- Dezember: Ein 200‑Millionen‑Dollar‑Deal mit dem Data‑Cloud‑Anbieter Snowflake, um Anthropics Modelle in Snowflake und für dessen Kunden verfügbar zu machen.
- Kurz darauf kündigte Anthropic eine mehrjährige Partnerschaft mit Accenture an, um seine KI‑Modelle tiefer in das Beratungsgeschäft zu bringen.
- Oktober: Ein Vertrag mit Deloitte, der den Claude‑Chatbot zu rund 500.000 Mitarbeitenden des Beratungsriesen bringt.
- Im selben Monat folgte eine Vereinbarung mit IBM, die Anthropics Modelle in IBMs Produktportfolio integriert.
Genau in diesem Segment – langfristige Verträge, bei denen KI‑Modelle in zentrale Geschäftsprozesse eingebettet werden – erwarten viele Beobachter die größten Umsätze im KI‑Zeitalter.
Marktanteile: Anthropic setzt sich vorerst ab
Zahlen aus einer im Dezember veröffentlichten Umfrage von Menlo Ventures – einem Investor von Anthropic – deuten darauf hin, dass sich diese Strategie auszahlt.
Demnach hält Anthropic 40 % Marktanteil im Enterprise‑KI‑Segment. Beim Thema KI‑Coding kommt das Unternehmen auf 54 % Marktanteil.
Im Juli‑Bericht derselben Umfrage lag Anthropics Anteil an der Nutzung großer Sprachmodelle in Unternehmen noch bei 32 %. Der Dezember‑Wert zeigt also, dass Anthropic an Boden gewinnt, während Unternehmen von Pilotprojekten zu breiteren Rollouts übergehen.
Die Marktfrage ist damit nicht entschieden, aber Anthropic wirkt derzeit wie der frühe Favorit im Enterprise‑KI‑Rennen.
Google und OpenAI erhöhen den Druck
Parallel dazu fahren die großen Wettbewerber ihre Enterprise‑Offensiven hoch.
- Google brachte im Oktober Gemini Enterprise als dediziertes KI‑Angebot für Unternehmen auf den Markt. Zum Start nannte Google unter anderem Klarna, Figma und die Kreuzfahrtmarke Virgin Voyages als Kunden.
- OpenAI führte ChatGPT Enterprise bereits 2023 ein. Kürzlich zeigte sich das Unternehmen laut Medienberichten in einem internen Memo zutiefst besorgt, dass der Erfolg von Google Gemini sein Geschäft zunehmend angreift. Kurz darauf veröffentlichte OpenAI einen Bericht, dem zufolge die Nutzung von ChatGPT in Unternehmen im vergangenen Jahr um das Achtfache gestiegen ist.
Alle großen Anbieter kämpfen darum, zur Standard‑KI‑Schicht für Konzerne zu werden.
2026 als Bewährungsprobe für Enterprise‑KI
Eine aktuelle Investorenumfrage von TechCrunch zeigt: Auf Enterprise spezialisierte Venture‑Capital‑Geber gehen mehrheitlich davon aus, dass 2026 das Jahr wird, in dem Unternehmen erstmals spürbare Renditen auf ihre bisherigen KI‑Investitionen sehen.
Vor diesem Hintergrund ist die Allianz‑Partnerschaft mehr als nur ein weiterer Referenzkunde. Sie zeigt, dass selbst stark regulierte, risikoaverse Branchen wie die Versicherungswirtschaft KI nun in der Breite einführen – nicht nur in isolierten Pilotprojekten.
Gelingt es Anthropic, Deals mit Allianz, Snowflake, Deloitte, IBM und Accenture in dauerhafte, nutzungsbasierte Umsätze zu übersetzen, ist das Unternehmen gut positioniert, wenn Konzerne KI künftig primär nach messbarem ROI bewerten. Das kommende Jahr dürfte entscheiden, ob Anthropic seine Führungsposition im Enterprise‑KI‑Markt halten kann – oder ob Google, OpenAI und andere aufschließen.



