Erstmals seit Jahren ist Nvidia ohne neue GeForce‑Grafikkarten zur CES gereist. Für PC‑Spieler ist das ein deutliches Signal: Die Priorität des Konzerns liegt klar beim KI‑Geschäft.
CEO Jensen Huangs rund 90‑minütige Keynote drehte sich fast ausschließlich um Rechenzentren und KI. Die Gaming‑Neuigkeiten wurden in ein separates Video ausgelagert – und bestehen im Kern aus Software‑Updates rund um DLSS und Frame‑Generation.
Statt einer erwarteten „Super“-Auffrischung der RTX‑50‑Serie gibt es DLSS 4.5 und eine erweiterte Multi‑Frame Generation.
DLSS 4.5: neue Transformermodelle für bessere Hochskalierung
DLSS 4.5 führt ein neues „Transformermodell der zweiten Generation“ ein. Laut Nvidia wurde es auf einem erweiterten Datensatz trainiert und soll bei der Vorhersage der fehlenden Pixel präziser arbeiten.
Bryan Catanzaro von Nvidia betont, dass die Verbesserungen vor allem in den Modi Performance und Ultra Performance sichtbar sind. Hier muss DLSS aus einem relativ niedrig aufgelösten Eingangssignal ein 1440p‑ oder 4K‑Bild erzeugen – Fehler fallen entsprechend schnell auf.
Wesentliche Eckdaten:
- Das neue Transformermodell läuft auf GeForce RTX 20‑, 30‑, 40‑ und 50‑Serie.
- Es ist nach einem Treiber‑Update sofort verfügbar.
- Die Auswahl erfolgt über die Nvidia App in Spielen, die DLSS‑Hochskalierung bereits unterstützen (ob es zusätzlich im In‑Game‑Menü auftaucht, entscheidet der Entwickler).
Für ältere GPUs gibt es allerdings einen klaren Haken.
Leistungseinbußen auf RTX 20 und 30
Nvidia weist selbst darauf hin, dass DLSS 4.5 auf RTX‑20‑ und 30‑Karten mehr Rechenzeit kostet. Besitzer dieser Generation müssen mit spürbareren Leistungseinbußen rechnen als Nutzer einer RTX 40 oder 50.
Erste unabhängige Tests bestätigen das. Mostly Positive Reviews verglich das neue DLSS‑4.5‑ mit dem bisherigen DLSS‑4.0‑Modell auf einer RTX 3080 Ti und stellte je nach Spiel und Einstellungen einen Performance‑Rückgang von rund 14 bis 24 Prozent fest.
Wichtig: Gegenüber nativer Auflösung auf derselben Karte dürfte DLSS 4.5 weiterhin im Vorteil sein. Aber die Trade‑offs sind klarer sichtbar: bessere Bildqualität durch ein komplexeres Modell, erkauft mit einem spürbaren Teil der FPS auf älteren GPUs.
Multi‑Frame Generation: 6×‑Modus und dynamische Steuerung
Parallel dazu erweitert Nvidia DLSS Multi‑Frame Generation (MFG), also die KI‑gestützte Zwischensbildberechnung.
Bisher konnte MFG bis zu drei KI‑Frames pro gerendertem Frame erzeugen. Mit dem Update steigt das Maximum auf fünf zusätzliche Frames – Nvidia spricht von einem 6×‑Modus.
Neu ist außerdem „Dynamic Multi‑Frame Generation“:
- In besonders anspruchsvollen Szenen erhöht DLSS die Anzahl der generierten Frames, um die Bildwiederholrate konstant hoch zu halten.
- In einfachen Szenen reduziert es die Anzahl wieder, „damit nur das Nötige berechnet wird“ – das spart Rechenzeit und kann die Latenz verringern.
Die altbekannten Einschränkungen bleiben jedoch bestehen:
- Multi‑Frame Generation funktioniert weiterhin nur auf der RTX‑50‑Serie.
- RTX‑40‑Karten können lediglich im Verhältnis 1:1 einen zusätzlichen KI‑Frame pro gerendertem Frame erzeugen.
- Ältere RTX‑Generationen unterstützen Frame‑Generation gar nicht.
- Voraussetzung ist ein bereits ordentlicher Basis‑FPS‑Wert, sonst drohen sichtbare Artefakte und zusätzlicher Input‑Lag.
MFG ist damit eher ein Beschleuniger für ohnehin schnelle Spiele als eine Rettung für Titel, die schon ohne DLSS kaum spielbare Bildraten erreichen.
Die neuen MFG‑Funktionen sollen im Frühjahr 2026 verfügbar sein und stehen im Gegensatz zum DLSS‑4.5‑Modell noch nicht bereit.
Das fehlende Puzzlestück: Reflex 2
Auffällig ist, was Nvidia dieses Jahr nicht erwähnt: Reflex 2.
Reflex ist Nvidias Technologie zur Reduzierung der Eingabeverzögerung. Auf der CES 2025 hatte das Unternehmen Reflex 2 angekündigt und „bis zu 75 Prozent“ weniger Latenz auf einer RTX‑50‑Karte in Aussicht gestellt – ein wichtiger Ausgleich für mögliche Mehrlatenzen durch Upscaling und Frame‑Generation.
2026 blieb es dazu komplett still: kein Release‑Fenster, keine neue Demo, keine Beta.
Gerade für wettbewerbsorientierte Spieler, für die Klick‑zu‑Pixel‑Zeit wichtiger ist als ein möglichst hoher FPS‑Zähler, ist dieses Schweigen deutlich spürbar.
Warum keine neuen GeForce‑GPUs?
Historisch wäre die CES 2026 ein idealer Zeitpunkt für eine RTX‑50‑Super‑Generation gewesen – ähnlich wie Nvidia auf der CES 2024 die RTX‑40‑Super‑Modelle eingeführt hat, um das Preis‑Leistungs‑Verhältnis der ursprünglichen 40‑Serie zu verbessern.
Die Gerüchteküche signalisierte genau das: eine 50‑Super‑Auffrischung zum Weihnachtsgeschäft 2025, deren Hauptmerkmal eine um 50 Prozent erhöhte Speicherausstattung dank des Wechsels von 2‑GB‑ auf 3‑GB‑RAM‑Chips sein sollte.
Konkret kursierten folgende Konfigurationen:
- GeForce RTX 5070 Super: 18 GB RAM
- GeForce RTX 5070 Ti Super: 24 GB RAM
- GeForce RTX 5080 Super: 24 GB RAM
Setzt man voraus, dass diese Leaks im Kern stimmten, wurde der Plan durch die abrupte DRAM‑Knappheit und die massiven Preissprünge Ende 2025 ausgebremst. Ein wesentlicher Treiber: die extrem hohe Nachfrage von KI‑Rechenzentren.
Damit wird das größere Bild klar: Das heutige Nvidia ist in erster Linie ein KI‑Konzern, der nebenbei noch Consumer‑GPUs verkauft – nicht umgekehrt. Bei begrenzten Speicherressourcen fließt der modernste RAM dort hin, wo er die höchsten Margen bringt: in KI‑Beschleuniger, nicht in ein Mid‑Cycle‑Update für GeForce.
Und Nvidia ist damit nicht allein.
Ein ungewöhnlich ruhiges CES für dedizierte GPUs
Keiner der drei großen dedizierten GPU‑Hersteller hat die CES 2026 für neue Gaming‑Karten genutzt:
- Nvidia beschränkte sich auf DLSS‑ und Software‑Themen.
- AMD präsentierte Prozessoren und Plattformen mit stärkeren integrierten GPUs, die System‑RAM nutzen – neue Radeon‑Modelle für Desktop‑Grafikkarten blieben aus.
- Intel sprach ebenfalls über verbesserte iGPUs; eine neue dedizierte Arc‑Grafikkarte gab es seit fast einem Jahr nicht, obwohl Hinweise auf eine Mittelklasse‑Arc B770 weiter kursieren.
Der gemeinsame Nenner: Die Industrie investiert gern in bessere integrierte Grafik in CPUs und Notebooks, während der Markt für dedizierte GPUs eine Pause einlegt.
Fazit: Software soll die GeForce‑Flaute überbrücken
Die CES 2026 markiert für Nvidia einen Wendepunkt im Gaming‑Geschäft: Statt neuer Hardware sollen intelligente Software‑Schichten den Mehrwert liefern.
DLSS 4.5 bringt sichtbar bessere Hochskalierung, vor allem in aggressiven Modi, geht auf älteren RTX‑Karten aber zulasten der Performance. Multi‑Frame Generation wird mit 6×‑Modus und dynamischer Steuerung deutlich offensiver, bleibt jedoch der aktuellen RTX‑50‑Generation vorbehalten. Reflex 2, der logische Baustein für Spieler mit Fokus auf Latenz, bleibt bislang aus.
Vor dem Hintergrund von Speicherknappheit und KI‑Boom ist nachvollziehbar, warum eine RTX‑50‑Super‑Serie noch auf sich warten lässt. Für 2026 bleibt die Frage, ob bessere Upscaling‑ und Frame‑Generation‑Technologien ausreichen, um PC‑Spieler bei der Stange zu halten, bis die nächste echte Hardware‑Welle anrollt.



