Western Digital räumt seine SSD-Marken auf – und SanDisk rückt in den Vordergrund.
Die eigenständige Flash- und SSD-Sparte SanDisk verabschiedet die Marken WD Blue und WD Black bei gängigen Consumer-SSDs. An ihre Stelle tritt eine neue Produktfamilie namens SanDisk Optimus – die Modellnummern bleiben jedoch unverändert.
Unternehmenssplit: Western Digital und SanDisk gehen offiziell getrennte Wege
Ende 2023 kündigte Western Digital an, sich in zwei Unternehmen aufzuspalten:
- Western Digital: klassische Festplatten (HDDs) für NAS-Systeme und Rechenzentren.
- SanDisk: Solid-State-Speicher, inklusive Consumer-SSDs.
Faktisch macht WD damit die Übernahme von SanDisk vor rund einem Jahrzehnt teilweise rückgängig – damals zahlte Western Digital 19 Milliarden US-Dollar für den Flash-Spezialisten. Die jetzt angekündigte Umbenennung ist die erste größere sichtbare Folge für Endkundinnen und Endkunden.
WD Blue und Black werden zu SanDisk Optimus
SanDisk verfolgt einen klaren Ansatz: gleiches Laufwerk, neuer Name, gleiche Modellnummer.
WD Blue SSDs → SanDisk Optimus
- WD Blue SN5100 wird zu SanDisk Optimus 5100.
Mittleres WD-Black-Segment → SanDisk Optimus GX
- WD Black SN7100 wird zu SanDisk Optimus GX 7100.
High-End WD Black → SanDisk Optimus GX Pro
- WD Black SN850X wird zu SanDisk Optimus GX Pro 850X.
- WD Black 8100 wird zu SanDisk Optimus GX Pro 8100.
In der Übergangsphase dürften im Handel sowohl WD- als auch Optimus-Versionen derselben SSDs auftauchen. Weil die Modellnummern identisch bleiben, lassen sich Tests und technische Daten weiterhin problemlos zuordnen.
Die neue Namenslogik ist zudem transparenter: Je länger der Name, desto höher positioniert ist die SSD.
Technik: Rebranding statt neuer Generation
Unter der Haube ändert sich an den Laufwerken selbst nichts Wesentliches – es handelt sich um ein Rebranding, nicht um neue Hardware.
Die technischen Unterschiede zwischen den Stufen bleiben wie bisher:
Optimus 5100 (ehemals WD Blue SN5100)
- Setzt auf QLC-NAND (quad-level cell).
- QLC ist im Vergleich zu TLC langsamer und weniger langlebig, aber günstiger pro Gigabyte.
Optimus GX 7100 (ehemals WD Black SN7100)
- Nutzt TLC-NAND (triple-level cell), den gängigen Kompromiss aus Performance und Haltbarkeit.
Optimus GX Pro 8100
- Verwendet eine PCIe-5.0-Schnittstelle für maximale Transferraten.
- Besitzt einen dedizierten DRAM-Cache.
Optimus GX Pro 850X
- Ebenfalls mit dediziertem DRAM, aber auf PCIe 4.0 limitiert.
Die günstigeren Modelle 5100 und 7100 verzichten auf eigenen DRAM und reservieren stattdessen einen kleinen Teil des Arbeitsspeichers des Systems als Host Memory Buffer (HMB) – gängige Praxis bei preiswerten und Mittelklasse-NVMe-SSDs.
Für viele Anwenderinnen und Anwender gilt dennoch: Alle diese Laufwerke sind „schnelle NVMe-SSDs“. Im Alltag werden nur wenige den Unterschied zwischen einem Optimus 5100 und einem Optimus GX Pro 8100 klar spüren, auch wenn die technischen Daten klar auseinanderliegen.
Software: WD Dashboard ist eingestellt, SanDisk Dashboard übernimmt
Auf der Softwareseite ist der Wechsel bereits vollzogen. Das Tool WD Dashboard wurde vor rund einem Jahr offiziell eingestellt.
Künftig sollen Besitzerinnen und Besitzer sowohl von WD- als auch SanDisk-SSDs auf SanDisk Dashboard setzen, um:
- Firmware-Updates einzuspielen,
- den Gesundheitszustand der SSD zu prüfen,
- Wartungsaufgaben durchzuführen.
Unklare Zukunft von WD Green und WD Red SSDs
Auffällig ist, was SanDisk in seiner Mitteilung nicht erwähnt: die SSD-Serien WD Green (Einstiegsklasse) und WD Red (für NAS-Systeme).
Diese Produktlinien fehlen komplett in der Ankündigung. Auf Nachfrage von Ars Technica erklärte SanDisk-Sprecherin Robyn Pagulayan, das Unternehmen habe derzeit nichts anzukündigen zur Zukunft dieser SSDs.
Der Markenwechsel betrifft somit vorerst nur WD Blue und WD Black.
Ein Rebranding in einem angespannten Speicher-Markt
Das Ganze spielt sich vor dem Hintergrund eines äußerst volatilen Speicher-Marktes ab:
- SSD-Preise steigen deutlich, unter anderem durch hohe Nachfrage aus KI-Rechenzentren.
- Unternehmen und Verbraucher kaufen teilweise auf Vorrat, aus Sorge vor weiteren Preissprüngen.
- Engpässe bei RAM und NAND-Flash werden die Preise wohl kurzfristig bis mittelfristig hoch halten.
Auch Wettbewerber reagieren. Micron kündigte im vergangenen Monat an, seine Crucial-Marke für Consumer-SSDs und RAM-Module komplett einzustellen.
Für Ihre nächste Kaufentscheidung bedeutet das: Auf vielen SSD-Schachteln wird das WD-Logo verschwinden und durch SanDisk Optimus ersetzt. Wenn Sie sicher gehen möchten, welches Produkt Sie tatsächlich erwerben, sollten Sie sich an der exakten Modellnummer orientieren, nicht an der Marke auf dem Aufkleber.



