Stewart Cheifet, PBS-Moderator der PC-Revolution, mit 87 Jahren gestorben

5. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Stewart Cheifet auf einem Werbefoto aus den 2000er-Jahren

Fast zwei Jahrzehnte lang erklärte Stewart Cheifet dem US-Publikum, warum dieser neue Kasten namens Personal Computer wichtig ist – und wie man ihn benutzt.

Der Fernsehproduzent und PBS-Moderator, bekannt durch Computer Chronicles und Net Cafe, ist am 28. Dezember 2025 in Philadelphia im Alter von 87 Jahren gestorben.

Der Chronist der PC-Ära

Cheifet entwickelte und moderierte Computer Chronicles, eine Reihe, die von 1983 bis 2002 im Netzwerk des US‑Bildungssenders PBS lief und „einem Millionenpublikum in den USA ein neues Tech-Medium entmystifizierte“.

Die Sendung begleitete praktisch die gesamte PC-Geschichte: von den ersten IBM‑PCs und den frühen Apple‑Macintosh‑Modellen über den Aufstieg des World Wide Web bis hin zum Dotcom‑Boom.

Ihren Ursprung hatte die Reihe bereits 1981 als lokale Wochensendung beim Sender KCSM‑TV, dem Public‑TV‑Kanal des College of San Mateo, wo Cheifet als Stationsleiter tätig war. 1983 wurde daraus eine nationale PBS‑Serie.

In 19 Staffeln entstanden 433 Episoden. Das Format blieb bemerkenswert konstant: Produktdemos, Studiogäste und zum Abschluss ein Nachrichtenblock namens „Random Access“, der die wichtigsten Branchenthemen der Woche bündelte.

Cheifet holte die zentralen Figuren der Branche vor die Kamera. Im Laufe der Jahre interviewte er unter anderem Bill Gates, Steve Jobs und Jeff Bezos und zeigte gemeinsam mit ihnen Software und Hardware, die Büroarbeit, Bildung und Freizeit nachhaltig veränderte.

Zwischen 1983 und 1990 moderierte er die Sendung zusammen mit Gary Kildall, dem Gründer von Digital Research und Entwickler des Betriebssystems CP/M, das MS‑DOS auf frühen Personal Computern zeitlich vorausging.

Net Cafe: als das Internet neu war

Mit dem Aufstieg des Internets verlagerte Cheifet seinen Fokus von PCs auf das Netz. 1996 startete er die ergänzende Reihe Net Cafe.

Die Sendung lief bis 2002 und dokumentierte den frühen Internet-Boom. Sie stellte einem breiten Publikum damals neue Web‑Angebote wie Yahoo, Google und eBay vor – zu einer Zeit, als „online gehen“ noch eher Experiment als Alltag war.

Ein Fernseharchiv im Internet Archive

Nach dem Ende von Computer Chronicles und Net Cafe und seinem Abschied aus der laufenden TV‑Produktion widmete sich Cheifet der Sicherung seines Lebenswerks.

Er arbeitete als Berater für das Internet Archive und half, die Episoden beider Reihen öffentlich zugänglich zu machen. Internet‑Archive‑Gründer Brewster Kahle erinnerte sich in einem Kommentar auf Slashdot an die erste Begegnung während eines Net Cafe-Interviews und daran, wie daraus ein Langzeitprojekt wurde:

„After it I asked what he was doing with his archive, we kept talking and he founded the ‘collections group’ at the Internet Archive and helped us get all of Computer Chronicles on this new site and so much more. Wonderful man, and oh that voice!“

Durch diese Zusammenarbeit sind die meisten Folgen von Computer Chronicles heute kostenlos über das Internet Archive abrufbar und dienen als detailliertes historisches Protokoll der PC‑Ära.

Aktuell läuft ein Projekt zur erneuten Digitalisierung, das auf Cheifets persönliche Bänder zurückgreift. Ziel ist es, Episoden zu retten, die beim ersten Archivierungsdurchlauf nicht erfasst wurden.

Vom Mathematik-Studenten zum Medienrechtler und Journalisten

Stewart Cheifet wurde am 24. September 1938 in Philadelphia geboren. 1960 erwarb er an der University of Southern California Abschlüsse in Mathematik und Psychologie und absolvierte später die Harvard Law School.

1967 arbeitete er für CBS News in Paris. Dort lernte er Peta Kennedy kennen, die er noch im selben Jahr heiratete.

Neben seiner Tätigkeit vor und hinter der Kamera lehrte Cheifet auch Fernsehjournalismus an der Donald W. Reynolds School of Journalism der University of Nevada, Reno, und vermittelte dort seine Praxis an Studierende.

In einem Interview mit der Hochschule aus dem Jahr 2014 erklärte er, warum er sowohl Jura als auch Journalismus gewählt hatte:

„They are the two legal revolutionaries. They are the two professions that allow you to change the world without having to blow someone up.“

Diese Mischung aus juristischem Hintergrund, journalistischer Präzision und ruhiger Bildschirmpräsenz machte Cheifet zu einer prägenden Figur der frühen Computerkultur. Er half einem Massenpublikum, eine der größten technologischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts zu verstehen – ohne Alarmismus, aber mit klaren Fakten.

Seine Sendungen haben die PC‑ und frühe Internet‑Revolution in Echtzeit eingefangen. Dank der Archive, an denen er selbst mitgearbeitet hat, können Sie diese Geschichte – und „oh that voice“ – weiterhin nacherleben.

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