Beim Startup Battlefield von TechCrunch Disrupt bewerben sich jedes Jahr Tausende junger Firmen. Nur 200 schaffen es in die engere Auswahl des Startup Battlefield 200, und von diesen wiederum dürfen 20 Teams auf der Hauptbühne um den Pokal und 100.000 US‑Dollar pitchen.
Die übrigen 180 sind jedoch alles andere als Beiwerk. Sie zeigen sehr klar, wohin sich Innovation tatsächlich entwickelt.
Im Bereich Gesundheit und Wellness wurden dieses Jahr 33 Startups in das Battlefield 200 aufgenommen. Das Spektrum reicht von Robotern im OP und KI‑gestützter Bildgebung über nichtinvasive Diagnostik und Menopause‑Therapien bis hin zu smarter Sportbekleidung.
Im Folgenden finden Sie einen Überblick über diese 33 Startups, basierend auf der Berichterstattung von TechCrunch zu Disrupt 2025.
Intelligentere Kliniken und Dateninfrastruktur
Akara adressiert einen kritischen Flaschenhals im Klinikalltag: die Aufbereitung von Operationssälen. Das Unternehmen setzt auf KI‑Sensoren und autonome UV‑Desinfektionsroboter, damit OPs schneller wieder einsatzbereit sind. Ergebnis: mehr Eingriffe pro Tag und höhere Auslastung.
Eos.ai nimmt sich die Datenqualität in elektronischen Patientenakten vor. Die Plattform bereinigt, komprimiert und harmonisiert fragmentierte EMR‑Daten, damit KI‑Modelle im Gesundheitswesen zuverlässiger trainiert werden können.
Pharos automatisiert die Extraktion von Patientensicherheitsdaten aus Krankenakten und deren Meldung an Aufsichtsbehörden. Ziel ist es, klinisches Personal zu entlasten und potenziell gefährliche Ereignisse früher zu erkennen.
Care Hero baut ein technologiegestütztes Netzwerk für Pflegekräfte, die ältere und behinderte Menschen betreuen. Angesichts des Pflegemangels soll die Plattform ermöglichen, dass eine Betreuungsperson mehr Patient:innen versorgen kann, ohne dass die Qualität leidet.
Diagnostik ohne Blutabnahme
Ein deutliches Motiv der diesjährigen Kohorte ist die nichtinvasive Erfassung wichtiger Gesundheitsparameter.
Che Innovations Uganda entwickelt Medizingeräte für ressourcenarme Regionen, darunter NeoNest – einen erschwinglichen Transportwärmer für Frühgeborene, speziell für ländliche Gebiete ohne Inkubatoren.
MariTest arbeitet an einem blutlosen, schnellen Diagnosetool für die Früherkennung von Malaria in Subsahara-Afrika. Da kein Blut und keine spezialisierten Laborkräfte benötigt werden, lässt sich die Diagnose auch in abgelegenen Regionen beschleunigen.
Monere nutzt die Smartphone-Kamera, um das Augenlid einer Person zu analysieren und Anämie- sowie Eisenmangelrisiken zu erkennen – schnell und ohne Einstich.
Near Wave entwickelt ein nichtinvasives, tragbares Gerät, das Sauerstoffsättigung und Hämoglobinkonzentration misst. Es soll die Erhebung wichtiger Biomarker vereinfachen und beschleunigen.
Vital Audio setzt auf Sprachsignale. Mit bioakustischer Technologie werden aus kurzen Sprachproben Vitalparameter wie Herzfrequenz, Blutdruck und Atemwerte abgeleitet. So können Gesundheitssysteme große Patientengruppen, auch in abgelegenen Regionen, überwachen.
SpotitEarly kombiniert KI mit speziell trainierten Hunden. Patient:innen senden eine Atemprobe ein, Hunde schnüffeln nach krebstypischen Molekülen, und KI verarbeitet die Ergebnisse. Ziel ist die Früherkennung mehrerer Krebsarten im Frühstadium auf Basis von Forschung, die die hohe Riechleistung von Hunden belegt.
Gehirn, Nerven und neue Sinne
Axoft entwickelt ein winziges Hirnimplantat aus weichem Material, das langfristig sicher mit dem Nervensystem kommunizieren soll. Damit sollen schwere neurologische Erkrankungen behandelt werden, ohne die Komplikationen starrer Implantate zu riskieren.
Neural Drive verfolgt einen nichtinvasiven Ansatz. Das Unternehmen baut eine Brain-Computer-Interface-Lösung für gelähmte Menschen, die per „Blink-to-speak“-Funktion sofort individuelle Botschaften übermitteln können – ganz ohne Operation.
ArtSkin konzentriert sich auf den Tastsinn. Die elektronische Kunsthaut mit integrierten Sensoren soll Menschen mit Prothesen ein Gefühl für Berührung zurückgeben und lässt sich an bestehende Prothesen anbringen.
AWEAR bietet ein im Ohr getragenes EEG-Gerät, das Hirnaktivität im Zusammenhang mit chronischem Stress misst und Feedback liefert – im Prinzip ein „Fitness-Tracker“ für das Gehirn.
GLITCHERS Lab nutzt Videospiele, um kognitive Daten für die Gesundheitsforschung zu sammeln, insbesondere für Alzheimer. Durch spielerische Tests sollen große Datensätze aufgebaut werden.
Prothesen, Haltung und Performance
Das armenische Startup Arm Bionics entwickelt 3D-gedruckte Prothesenarme. Durch den Fokus auf niedrige Kosten sollen hochwertige bionische Prothesen in Regionen erschwinglich werden, die bislang kaum Zugang hatten.
ELLUSTRÖS adressiert Ergonomie im Büro. Mithilfe von KI und Bildanalyse passt das System Sitzpositionen automatisch an Stühlen an, statt Nutzer:innen mühsam manuell einstellen zu lassen. Ziel ist es, Verletzungen zu reduzieren und Produktivität zu steigern.
Zemi Labs entwickelt „smarte Kleidung“ für Sportler:innen. Die Textilien erfassen Herz-, Muskel-, Haut- und Bewegungsdaten und decken damit ein breiteres Spektrum an Biosignalen ab als typische Wearables am Handgelenk.
Ernährung, Stoffwechsel und Mikrobiom
Mehrere Startups setzen auf Ernährung als zentrales Therapiewerkzeug.
Endless Health bietet Gesundheitschecks zu Hause an, die Risiken für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen vorhersagen sollen – mit der Idee, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, ohne dass ein Arztbesuch nötig ist.
PillarBiome analysiert den Darmmikrobiom einer Person mit Hilfe von KI und leitet daraus personalisierte, wissenschaftlich fundierte Gesundheitsempfehlungen ab.
Food for Health richtet sich direkt an Verbraucher:innen mit einer App, die beim Lebensmitteleinkauf zu Produkten führt, die besser zu den individuellen Gesundheitsanforderungen passen – basierend auf wissenschaftlichen Daten.
NUSEUM bietet eine B2B-Plattform für Präzisionsernährung. Komplexe Gesundheitsdaten werden in evidenzbasierte Nahrungsmittel-, Einkaufs- und Rezeptempfehlungen übersetzt. Zielgruppen sind u. a. Lieferdienste, E‑Commerce-Anbieter, Diagnostik-, Gesundheits- und Versicherungsunternehmen.
Frauen- und Müttergesundheit
Im Bereich Frauengesundheit entstehen zunehmend spezialisierte Lösungen.
Ovulio Corp. entwickelt einen speichelbasierten Hormonmonitor, der bei Kinderwunsch, Menopause und Erkrankungen wie PCOS unterstützen soll. Das Gerät ist nichtinvasiv und wiederverwendbar.
Sybil Health kombiniert wissenschaftlich belegte Therapien mit Lebensstilmaßnahmen, um Frauen bei der Bewältigung hormoneller Veränderungen in der Menopause zu helfen – inklusive Hormontherapie sowie komplementären und naturheilkundlichen Ansätzen.
Yuzi Care bringt Familien mit Geburts- und Wochenbett-Doulas sowie weiteren Versorgungspersonen zusammen. Das Startup gehört zu einer neuen Welle digitaler Angebote für maternale und postpartale Gesundheit.
Mentale Gesundheit, Schlaf und Long Covid
Some Other Place, inzwischen in Hug umbenannt, vernetzt Nutzer:innen mit geschulten, empathischen Zuhörer:innen für Peer-Support in Echtzeit. Viele Menschen fühlen sich nach einem wertungsfreien Gespräch nachweislich besser – genau daran knüpft das Angebot an.
Serene Sleep will Schnarchen und Schlafapnoe an der Ursache packen. Das Unternehmen bietet ein einfaches, minimalinvasives Verfahren an, das diese Probleme dauerhaft beheben soll, sodass klobige CPAP-Masken für manche Betroffene überflüssig werden könnten.
Meo Health adressiert Long Covid mit einem technologiegestützten Rehabilitationsprogramm ohne Medikamente, dessen Wirksamkeit in Studien belegt worden sei.
AWEAR ist zugleich Teil einer breiteren Bewegung, Stress kontinuierlich zu messen und früh gegenzusteuern.
Kinder, Sprache und Kognition
VIZQ Technologies setzt KI und Virtual Reality ein, um Sprach- und Sprechtherapie für Kinder zugänglicher zu machen. Die Lösung soll helfen, die durch den Mangel an Logopäd:innen entstandene Versorgungslücke zu schließen.
Arbeitsrisiken und Reputation
Vocadian nutzt Voice-AI, um Ermüdung bei Beschäftigten an vorderster Front zu erkennen. Anhand von Stimmmerkmalen soll frühzeitig sichtbar werden, wann das Unfallrisiko steigt und Maßnahmen nötig sind.
Innov8 AI analysiert soziale Medien, um früh sich entwickelnde, störende Narrative zu identifizieren. So können Unternehmen negative Stimmung und Reputationsrisiken – auch im Gesundheitskontext – schneller erkennen.
Bildgebung und KI-Abkürzungen
RADiCAIT, ein Spin-out der Universität Oxford, verwendet KI, um Routine-CT-Aufnahmen in PET-ähnliche Bilder zu überführen. Da PET-Scanner teuer und selten sind, könnten PET-nahe Einblicke aus Standard-CTs den Zugang zu hochauflösender Bildgebung beschleunigen und verbilligen.
In Summe zeigen die 33 Health- und Wellness-Startups des diesjährigen Startup Battlefield 200 drei klare Linien: Möglichst alles nichtinvasiv erfassen, KI als Infrastruktur im Hintergrund etablieren und Versorgungsmodelle bauen, die weit über Klinikmauern hinausreichen. Wer Gesundheitstechnologie ernsthaft beobachtet, kommt an dieser Kohorte kaum vorbei.



