Apple räumt im Smart Home auf – und zieht die Zügel enger an

12. Februar 2026
5 Min. Lesezeit
iPhone mit geöffneter Apple‑Home‑App zur Steuerung von Lichtern in einem Wohnzimmer

Apple räumt im Smart Home auf – und zieht die Zügel enger an

Apple hat einen Schritt vollzogen, der auf den ersten Blick wie reine Technikpflege wirkt, in Wahrheit aber über Wohl und Wehe ganzer Smart‑Home‑Installationen entscheidet. Die alte HomeKit‑Architektur ist abgeschaltet, die „neue Home‑Architektur“ ist ab sofort Pflicht. Offiziell geht es um Zuverlässigkeit, Performance und Unterstützung für Matter. De facto geht es auch darum, welche älteren iPhones, iPads und Macs im DACH‑Wohnzimmer noch etwas zu sagen haben – und wie stark Apple die Zentrale des vernetzten Zuhauses an eigene Hardware bindet.

Im Folgenden ordnen wir ein, was genau sich ändert, warum Apple jetzt den harten Schnitt wagt und welche Folgen das besonders für europäische Nutzerinnen und Nutzer hat.

Die Nachricht in Kürze

Laut einem Bericht von Ars Technica (Andrew Cunningham) ist Apples seit 2022 angekündigte „neue Home‑Architektur“ seit dem 11. Februar 2026 faktisch verpflichtend. Wer seine Home‑Installation noch nicht migriert hat, muss dies nun nachholen, um die Home‑App überhaupt weiter nutzen zu können. Die alte HomeKit‑Architektur wird nicht mehr unterstützt.

In Apples Support‑Dokumentation heißt es, dass sämtliche Apple‑Geräte, mit denen ein Haushalt gesteuert wird – iPhone, iPad, Mac, Apple TV, Apple Watch – mindestens auf iOS 16.2, iPadOS 16.2, macOS 13.1, tvOS 16.2 oder watchOS 9.2 laufen müssen. Geräte, die dort nicht hinkommen, verlieren die Fähigkeit, Smart‑Home‑Geräte über Home zu bedienen.

Die neue Architektur ist Voraussetzung für Funktionen wie Gästezugriff, Unterstützung von Saugrobotern und detaillierte Aktivitätsprotokolle. Für alles, was einen „Home Hub“ benötigt – Remote‑Zugriff, Benachrichtigungen, das Einbinden von Matter‑Geräten – sind nun ein HomePod (mini oder groß) oder ein aktuelles Apple‑TV‑Modell im Netzwerk erforderlich. iPads konnten im alten System als Zentrale dienen; in der neuen Architektur ist diese Option gestrichen.

Warum das wichtig ist

Hinter diesem Architekturschnitt steckt eine ganz praktische Frage: Bleibt das Zuhause, das Sie sich einmal mühsam eingerichtet haben, weiter zuverlässig steuerbar – oder zwingt Sie Apple zu neuen Käufen und Kompromissen?

Profiteure sind Nutzerinnen und Nutzer, die ihre Apple‑Hardware ohnehin relativ aktuell halten und bereits einen HomePod oder ein modernes Apple TV besitzen. Sie erhalten eine bereinigte, einheitliche Basis, auf der Apple neue Funktionen schneller und konsistenter ausrollen kann. Ein höherer Mindeststandard an Hardware reduziert in der Regel die berüchtigten „Geisterfehler“, die vor allem in Mischumgebungen alter und neuer Geräte auftreten.

Verlierer sind all jene, die ihr Smart Home bewusst kostengünstig aufgebaut haben – etwa mit einem alten iPad als Zentrale oder einem betagten, aber funktionierenden iPhone oder Mac als Steuergerät. Diese Produkte werden über Nacht zu Bürgern zweiter Klasse: Die Lichter gehen zwar noch an, aber zentrale Szenen, Automationen und Fernzugriff über die Home‑App fallen weg.

Ein weniger offensichtlicher Kollateralschaden ist das Ideal von Matter als Gegenmittel zu Plattform‑Lock‑in. Matter versprach herstellerübergreifende Freiheit – „kauf eine Lampe, nutze sie überall“. In der Realität koppelt Apple Matter nun an eine bestimmte Architektur und spezifische Hubs. Die Interoperabilität auf Geräteebene ist real, aber die Plattformebene bleibt durch die Strategien der großen Anbieter geprägt.

Aus Apples Sicht ist der Zeitpunkt nachvollziehbar. Die erste Version der neuen Architektur (iOS 16.2 im Jahr 2022) war so fehleranfällig, dass Apple sie zurückziehen und später mit iOS 16.4 neu ausrollen musste. Vier Jahre später kann das Unternehmen argumentieren, dass die Basis nun stabil ist und das Parallel‑Betreiben zweier Architekturen nur Kosten, Komplexität und Fehlerrisiken erhöht. Technisch ist der Schnitt defensibel – die Frage ist, ob er sozialverträglich gestaltet ist.

Der größere Kontext

Apple reiht sich hier in eine bekannte Industrie‑Tradition ein: Große Plattformbetreiber nutzen tiefgreifende Architekturwechsel, um Altlasten loszuwerden, die Hardware‑Basis anzuheben und den eigenen Einfluss im Ökosystem zu stärken.

Google hat Smart‑Home‑Nutzer im deutschsprachigen Raum bereits mehrfach durch harte Übergänge geschickt – vom „Works with Nest“-Programm zur Google‑Home‑Plattform, vom einen auf den anderen Assistant‑Stack. Viele Integrationen sind dabei schlicht weggefallen, alte Geräte wurden kaltgestellt. Amazon hat still und leise ältere Echo‑Generationen aus dem Support geschoben oder Funktionen gestrichen, die auf alten Backends basierten.

Apple war im Smart‑Home‑Bereich bislang vergleichsweise konservativ und hat HomeKit als relativ stabilen, stark lokal ausgerichteten Unterbau gepflegt. Umso bemerkenswerter ist, dass man nun nicht nur eine neue Architektur einführt, sondern aktiv Funktionen entfernt – allen voran die iPad‑Zentrale – und dedizierte Hubs faktisch zur Pflicht macht.

Das Ganze spielt sich vor dem Hintergrund eines noch immer holprigen Matter‑Rollouts ab. Matter sollte alles vereinfachen, sorgt aber in der Praxis oft für Verwirrung: Funktionsumfang und Zuverlässigkeit hängen stark davon ab, über welche App und welchen Hub ein Gerät eingebunden ist. Indem Apple Matter strikt an die neue Architektur und bestimmte Hubs bindet, signalisiert das Unternehmen: Wir wollen bei Matter vorne mitspielen, aber nach unseren Spielregeln.

Historisch haben solche Schnitte ambivalente Effekte. Sonos hat mit der Einführung der S2‑Plattform ältere Lautsprecher in einen Legacy‑Status versetzt; der Protest war groß, zugleich wurden damit Features wie Hi‑Res‑Audio und komplexere Setups möglich. Apple setzt nun eine ähnliche Marke im Smart‑Home‑Segment: kurzfristige Schmerzen gegen langfristige Entwicklungsspielräume.

Entscheidend wird sein, ob die Nutzerinnen und Nutzer den Mehrwert der neuen Architektur auch tatsächlich spüren – oder ob bei vielen lediglich das Gefühl hängen bleibt, dass funktionierende Hardware künstlich entwertet wurde.

Die europäische Perspektive

Für die EU – und speziell die DACH‑Region – berührt dieser Schritt gleich mehrere regulatorische Baustellen.

Nach dem Digital Markets Act (DMA) ist Apple bereits als „Gatekeeper“ eingestuft. Bislang konzentriert sich die Debatte auf App‑Store‑Regeln, Browser‑Engines und alternative App‑Vertriebskanäle. Doch je stärker das Smart Home zur Schaltzentrale für Energie, Sicherheit und Gesundheit wird, desto naheliegender wird die Frage, ob auch Plattformen wie Apple Home unter strengere Auflagen fallen müssen.

Dass Apple die Rolle des Hubs nun exklusiv HomePods und Apple‑TV‑Boxen überlässt, während iPads bewusst ausgeschlossen werden, könnte mittelfristig als unzulässige Kopplung von Dienst und Hardware interpretiert werden. Sollten Gebäude‑ oder Energiemanagement‑Lösungen im größeren Stil auf Home aufsetzen, wäre das ein Einfallstor für Regulierer, solche Bindungen zu hinterfragen.

Auf der anderen Seite passt Apples Fokus auf lokale Verarbeitung und Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung gut zur datenschutzsensiblen Kultur in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine modernisierte, einheitliche Architektur erleichtert es, die Anforderungen der DSGVO – Datenminimierung, Zweckbindung, Transparenz – konsistent umzusetzen. Wenn Kameras, Türschlösser, Heizungssteuerungen und Gesundheitsgeräte im Spiel sind, ist das mehr als nur ein technisches Detail.

Für europäische Hersteller wie Bosch, Eve, Homematic IP, tado° oder Shelly ist eine stabile, gut dokumentierte Apple‑Home‑Architektur Chance und Risiko zugleich. Chance, weil Matter‑basierte Produkte einfacher mehrere Plattformen bedienen können. Risiko, weil Apple versucht sein könnte, bestimmte Komfortfunktionen exklusiv an eigene Hubs oder Dienste zu koppeln und damit faktisch eine Zwei‑Klassen‑Welt innerhalb des angeblich offenen Matter‑Standards zu schaffen.

Blick nach vorn

Kurzfristig ist mit einer Welle an Support‑Fällen und Frust zu rechnen: Nutzer, deren alte iPads plötzlich nicht mehr als Zentrale fungieren; Haushalte, in denen ein einzelner, nicht updatefähiger Mac die Migration blockiert; Installer und Systemhäuser, die bestehende Projekte nachziehen müssen.

Mittelfristig – auf Sicht von ein bis zwei Jahren – verschafft sich Apple mit der neuen Architektur jedoch einen klareren Startpunkt. Wahrscheinliche Entwicklungen:

  • Breiterer Matter‑Support für weitere Gerätekategorien, etwa Großgeräte und Energiemanagement.
  • Komplexere Automationen und Auswertungen, eventuell mit On‑Device‑KI, die Routinen vorschlägt oder Unregelmäßigkeiten erkennt.
  • Stärkere Verknüpfung mit anderen Apple‑Diensten, von HomeKey in Wallet über Fitness/Health bis hin zu Sicherheitsfunktionen.

Aus regulatorischer Sicht lohnt es sich zu beobachten, ob die EU‑Kommission oder nationale Behörden (z.B. das Bundeskartellamt) Smart‑Home‑Ökosysteme stärker ins Visier nehmen. Spätestens wenn Apple Home zur Schaltzentrale für Förderprogramme im Energiebereich oder für betreutes Wohnen wird, dürfte der Ruf nach Interoperabilität und Wahlfreiheit lauter werden.

Für Anwender im DACH‑Raum ergibt sich ein konkreter Fahrplan:

  1. Bestandsaufnahme: Welche Apple‑Geräte nutzen Sie zur Steuerung, und erfüllen sie die Mindestanforderungen?
  2. Strategieentscheid: Akzeptieren Sie einen HomePod oder ein Apple TV als dauerhafte „Hausleitzentrale“ – auch mit Blick auf Ausfallsicherheit und Kosten?
  3. Plan B: Macht ein paralleles, herstellerneutraleres System (z.B. Home Assistant, openHAB) Sinn, um sich nicht vollständig von einem Anbieter abhängig zu machen?

Das Risiko ist klar: Wer sich von Apple überfahren fühlt, könnte das Smart Home insgesamt als Spielerei abhaken. Die Chance: Eine aufgeräumte Architektur könnte das vernetzte Zuhause endlich aus der Bastel‑Ecke holen – vorausgesetzt, Apple liefert spürbare Verbesserungen bei Zuverlässigkeit und Funktionsumfang.

Fazit

Apples Zwangsumstieg auf die neue Home‑Architektur ist technisch nachvollziehbar, strategisch aber ein klares Machtstatement. Das Unternehmen beseitigt Altsysteme, schafft eine robustere Basis für Matter und ausgefeilte Automationen – und stärkt gleichzeitig den Zwang zu aktueller Hardware und eigenen Hubs. Ob dieser Deal aufgeht, hängt davon ab, wie reibungslos die Migration verläuft und welchen Mehrwert Nutzer real sehen. Die entscheidende Frage: Wollen Sie die Steuerung Ihres Zuhauses langfristig an eine proprietäre Blackbox aus Cupertino binden – oder setzen Sie bewusst auf mehr Unabhängigkeit?

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