Trotz fallender Agrarpreise: Indiens Arya.ag sichert sich 81 Mio. Dollar und bleibt profitabel

2. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Bauern verladen Getreide in ein Arya.ag-Lagerhaus in Indien

Während die Preise für Agrarrohstoffe weltweit unter Druck stehen, meldet das indische Agritech‑Startup Arya.ag wachsende Umsätze, Gewinne – und eine neue Finanzierungsrunde.

Das in Noida ansässige Unternehmen hat eine reine Eigenkapital‑Serie‑D über 81 Millionen US‑Dollar abgeschlossen. Laut Arya.ag stammen mehr als 70 % der Summe aus einer Primäremission, der Rest aus dem Verkauf bestehender Anteile. Führender Investor ist GEF Capital Partners.

Gewinn im schwierigen Marktumfeld

Globale Agrarrohstoffpreise fallen. Die Weltbank warnt, dass Risiken durch extremes Wetter, hohe Inputkosten, Handelsstörungen und Änderungen in der Biokraftstoffpolitik die Märkte belasten und Unternehmen anfällig für Preisschwankungen und Lagerverluste machen.

Arya.ag will diesen Risiken entgehen, indem das Unternehmen keine direkten Preiswetten eingeht, sondern ausschließlich besicherte Warenkredite vergibt.

„Sie sind nicht immun gegen Risiken“, sagte Mitgründer und CEO Prasanna Rao gegenüber TechCrunch. „Aber weil Ihre Kreditvergabe vollständig durch Waren besichert ist, wird es nie passieren, dass die Preise um 90 % fallen. Sie haben bereits eine Marge von 30 %, und mit Ihrem Mark‑to‑Market konnten Sie Ihre notleidenden Kredite und Ausfälle kontrollieren.“

Im Geschäftsjahr bis März 2025 erzielte Arya.ag einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Rupien (rund 50 Millionen US‑Dollar). In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres stieg der Umsatz im Jahresvergleich um etwa 30 % auf 3 Milliarden Rupien (33,3 Millionen US‑Dollar). Der Jahresüberschuss nach Steuern lag zuletzt bei 340 Millionen Rupien (etwa 3,78 Millionen US‑Dollar) und ist im laufenden Jahr bislang um weitere 39 % gewachsen, so Rao.

Trotz des jüngsten Preisrückgangs hält das Unternehmen seine Brutto‑NPL‑Quote (notleidende Kredite) nach eigenen Angaben unter 0,5 %.

Lagerhäuser plus Fintech

Arya.ag wurde 2013 von den ehemaligen ICICI‑Bank‑Managern Prasanna Rao, Anand Chandra und Chattanathan Devarajan gegründet. Die Kernidee: Bäuerinnen und Bauern sollen nicht gezwungen sein, direkt nach der Ernte zu Tiefstpreisen zu verkaufen.

Das Startup betreibt ein Netzwerk von rund 12.000 angemieteten Agrarlagerhäusern in der Nähe von Anbauflächen. Landwirte können dort Getreide einlagern, es als Sicherheit nutzen, um kurzfristige Kredite für ihre Liquidität zu erhalten, und ihren Bestand später über die Plattform an ein breiteres Spektrum von Käufern – von Agrarkonzernen bis zu Verarbeitern und Mühlen – verkaufen.

Nach eigenen Angaben aggregiert und lagert Arya.ag jedes Jahr Getreide im Wert von etwa 3 Milliarden US‑Dollar, was rund 3 % der nationalen Produktion Indiens entspricht. Zusätzlich vermittelt das Unternehmen jährlich Kredite in Höhe von rund 1,5 Milliarden US‑Dollar. Über die Plattform werden mehr als 110 Milliarden Rupien (rund 1,2 Milliarden US‑Dollar) pro Jahr an Landwirte ausgezahlt; davon stammen 25–30 Milliarden Rupien (etwa 278–333 Millionen US‑Dollar) aus der eigenen Nichtbank‑Finanzgesellschaft, der Rest wird für Partnerbanken originär vergeben.

Arya.ag belehnt nur einen Teil des Warenwertes und überwacht die Preise laufend. Bei stärkeren Marktbewegungen löst das Unternehmen Margin Calls aus. Kreditnehmende können dann entweder einen Teil des Kredits zurückzahlen oder zusätzliche Ware als Sicherheit hinterlegen.

Die Zinssätze liegen bei etwa 12,5 bis 12,8 %. Das ist deutlich weniger als die 24 bis 36 %, die lokale Kommissionäre üblicherweise verlangen, aber etwas höher als klassische Bankkredite mit etwa 11 bis 12 %. Banken sind laut Rao in den kleinteiligen, ländlichen Märkten, die Arya.ag bedient, oft gar nicht präsent. Das Startup wirbt damit, Kredite in unter fünf Minuten zu bewilligen und die Auszahlung fast vollständig digital abzuwickeln.

Technologie als Risikomotor

Technologie ist der Hebel, mit dem Arya.ag dieses Volumen steuert.

Das Unternehmen setzt KI ein, um die Getreidequalität für Kreditentscheidungen zu bewerten, nutzt Satellitendaten zur Beobachtung von Stress in den Beständen vor der Ernte und arbeitet mit luftdichten, sensorbestückten Lagerbeuteln, die lange Lagerzeiten auch in Dörfern ohne klassische Lagerhäuser ermöglichen.

Außerdem betreibt Arya.ag ein Blockchain‑basiertes System, das eingelagertes und als Sicherheit oder Handelsware genutztes Getreide digital nachverfolgt – über Kredit‑ und Handelsgeschäfte hinweg.

Mit dem neuen Kapital will das Unternehmen diese Technologien näher an die Betriebe bringen, seine „Smart Farm Centers“ ausbauen, die Blockchain‑Infrastruktur stärken und weiter in Lager‑ und Kreditinfrastruktur investieren.

IPO‑Pläne und Expansion

Arya.ag erreicht nach eigenen Angaben zwischen 850.000 und 900.000 Landwirtinnen und Landwirte in rund 60 % der indischen Distrikte und beschäftigt mehr als 1.200 Vollzeitkräfte.

Rao zufolge strebt das Unternehmen an, in den nächsten 18 bis 20 Monaten börsenreif zu sein.

Außerhalb Indiens verfolgt Arya.ag ein Software‑getriebenes Expansionsmodell. Teile der Technologie sind bereits in Regionen in Südostasien und Afrika im Einsatz – ein Modell, das auch für deutsche Agrar‑ und Fintech‑Akteure interessant sein dürfte, die nach skalierbaren Kredit‑ und Lagerlösungen für fragmentierte Agrarmärkte suchen.

Als Finanzberater der Serie D fungierte Avendus.

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