Der CES 2026 ist offiziell eröffnet – und in den Hallen von Las Vegas zeigt sich sehr schnell: Die KI‑Welle ist endgültig in der physischen Welt angekommen.
Von Racks so schwer wie zwei Kleinwagen über niedliche R2D2‑ähnliche Bots bis hin zu einem Robotaxi auf Basis eines Luxus‑SUV: Dieser CES dreht sich darum, wie Chips, Software und Hardware zusammenwachsen.
TechCrunch‑Reporterinnen und ‑Reporter um Kirsten Korosec und Sarah Perez liefern laufend Live‑Updates. Die wichtigsten Punkte vom ersten offiziellen Messetag im Überblick.
„KI ist für alle“ – wenn genug Rechenleistung da ist
Den ersten offiziellen CES‑Keynote hielt AMD‑Chefin Dr. Lisa Su – und machte gleich klar, worum es geht.
„AI is the most important technology of the last 50 years, and I can say it’s absolutely our number one priority at AMD“, sagte sie. „It’s already touching every major industry … and we’re just scratching the surface, AI is going to be everywhere over the next few years. And most importantly, AI is for everyone.“
Su untermauerte das mit Nutzungszahlen. Seit dem Start von ChatGPT seien wir von rund einer Million Menschen, die KI nutzen, auf mehr als eine Milliarde aktive Nutzer gewachsen – ein Meilenstein, für den das Internet Jahrzehnte gebraucht habe. AMD erwartet, dass die Nutzung auf über 5 Milliarden aktive Anwender steigt.
Die zentrale Hürde: Rechenkapazität.
Su betonte, dass künftige Fortschritte – von der Medizin bis zur nationalen Sicherheit – durch den Zugang zu GPUs und Infrastruktur begrenzt werden.
OpenAI‑Präsident und Mitgründer Greg Brockman, der mit ihr auf der Bühne stand, bestätigte das eindrucksvoll.
„Every time we want to release a new feature, want to produce a new model, we want to bring this technology to the world, we have a big fight internally over compute … because we are compute constrained“, sagte er.
Er geht noch weiter und prognostiziert, dass künftiges BIP‑Wachstum eng mit der verfügbaren Rechenleistung einer Region verknüpft sein wird.
„I think that we’re starting to see the first inklings of this“, so Brockman. „And I think over the next couple of years we’ll see it start to hit in a real way.“
Sein Wunschbild:
„The world is going to require far more compute than we have right now. Like, I would love to have a GPU running in the background for every single person in the world … but that’s billions of GPUs. No one has a plan to build that kind of scale.“
AMDs Antwort: schwere Racks, schlauere PCs
Um diese Lücke zumindest teilweise zu schließen, hat AMD sowohl Rechenzentrums‑Hardware als auch neue PC‑Chips mit nach Las Vegas gebracht.
Im Datacenter‑Segment zeigte Su erneut Helios, ein offenes, modulares Rack‑Design, das 2025 erstmals vorgestellt wurde und auf dem OCP Open Rack Wide Standard basiert, entwickelt in Zusammenarbeit mit Meta.
„Helios is a monster of a rack“, so Su. „This is no regular rack, okay. This is a double wide design … and it weighs nearly 7,000 pounds.“
Oder, noch greifbarer:
„We wanted to show you what is really power in all this AI, it is actually more than two compact cars.“
Am Rand der Cloud setzt AMD auf AI‑PCs als nächste große Upgrade‑Welle. Su kündigte die Ryzen AI 400 Series an, die neueste Generation der KI‑fähigen PC‑Prozessoren des Unternehmens.
Laut AMD sind die neuen Chips beim Multitasking 1,3‑mal schneller und bei der Content‑Erstellung 1,7‑mal schneller als Konkurrenzprodukte. Der Pitch: KI‑Assistenten und Kreativ‑Tools laufen direkt auf dem Gerät, ohne jeden Schritt in die Cloud auszulagern.
Nvidia: voller KI‑Stack und zugängliche Roboter
Nvidia‑CEO Jensen Huang nutzte seinen Auftritt, um den Anspruch zu bekräftigen, den gesamten KI‑Stack abzudecken – von Chip‑Architekturen wie Rubin bis hin zu Software und Trainingsmodellen wie Alphamayo.
Die eigentlichen Stars waren aber zwei kleine Roboter.
Zwei R2D2‑ähnliche Bots rollten – schon zum zweiten Mal bei einem Nvidia‑Keynote – langsam über die Bühne, während Huang über die Zukunft der Robotik sprach. Er hatte zuvor bereits erklärt, dass humanoide Robotik zu einer Multi‑Billionen‑Dollar‑Industrie werden könnte. Die Demo war ein charmanter Vorgeschmack darauf.
Als die Roboter gemächlich über die Bühne watschelten, rief er ihnen ein „Hurry up“ zu.
Nvidia spielt zudem im Hintergrund einer ganzen Reihe robotischer Anwendungen auf dem CES eine Rolle – von der Fabrikautomation bis zu autonomen Fahrzeugen.
Weltaufbau mit KI: Fei‑Fei Lis Marble
Dr. Fei‑Fei Li, Mitgründerin und CEO von World Labs, zeigte, dass generative KI weit über Text und Bilder hinausgeht.
Das erste Produkt des Startups, Marble, erzeugt 3D‑Welten, die sich an die Gesetze der Physik halten.
Marble kann komplett imaginäre Umgebungen erstellen oder reale Orte – etwa Teile von Las Vegas – anhand von Fotos in digitale 3D‑Modelle verwandeln, die sich in Echtzeit erkunden lassen.
„What you don’t see here behind the scene is how much computation and why inference speed really matters“, sagte Li. „The faster we can run these models, the more responsive the world becomes. Instant camera moves, instant edits and a scene that stays coherent as you actually navigate and explore and that’s what’s really important.“
Ein Beispiel für das große CES‑Thema: KI, die nicht nur Inhalte generiert, sondern begehbare Räume.
Robotaxi von Lucid, Nuro und Uber
Im Mobilitätsbereich haben Uber, Lucid und Nuro die produktionsreife Version ihres gemeinsamen Robotaxis vorgestellt.
Die Plattform bildet der Lucid Gravity‑SUV, dessen Innenraum ausgesprochen geräumig wirkt – ein logischer Schritt für einen Premium‑Robotaxi‑Service. Die Benutzeroberfläche für Fahrgäste erinnert an Waymos In‑Car‑UI, doch Uber betont, dass man die Software selbst entwickelt.
Die drei Unternehmen planen, noch in diesem Jahr in der Bay Area erste Fahrten anzubieten – als geräumigere Alternative zu Waymos Jaguar I‑Pace‑Flotte.
Roboter fürs Büro, Duftwolken fürs Wohnzimmer
Abseits der großen Keynotes liefert der Showfloor bereits die typische CES‑Mischung aus praktischen und skurrilen Gadgets.
Vibes Meeting‑Bot
Das von HSG (vormals Sequoia China) unterstützte Unternehmen Vibe, bekannt für kollaborative Digital‑Whiteboards, hat einen physischen Meeting‑Assistenten vorgestellt.
Der Bot bietet:
- eine 4K‑Kamera, die Teilnehmer verfolgt und als Webcam dienen kann
- Beamforming‑Mikrofone für automatische Notizen
- einen sprachbasierten Assistenten und einen Touchscreen für Infos im Raum
- Integrationen mit Kalender‑ und Projektmanagement‑Tools, um Erinnerungen zu setzen, Aufgaben zu delegieren und vergangene Meetings nachzuvollziehen
Der Einführungspreis liegt bei 1.799 US‑Dollar.
Ein weiteres Beispiel dafür, wie KI‑Agenten aus der Software‑Welt in dedizierte Hardware einziehen.
Saugroboter mit Raumduft
Im Smart‑Home‑Segment versucht Ankers Marke Eufy, sich mit dem Clean Robot Vacuum Omni S2 von der Masse der Saugroboter abzuheben. Preis: 1.600 US‑Dollar.
Der S2 saugt und wischt – auch auf längeren Teppichen – und reinigt seinen Wischmopp mit desinfiziertem Wasser (im Tank wird das Wasser elektrolysiert und in Hypochlorsäure umgewandelt).
Alleinstellungsmerkmal: Der Roboter verbreitet beim Reinigen Raumduft.
Unter der Klappe befindet sich ein Fach für Duft‑Pods – Gelkapseln, die während der Fahrt ihren Geruch abgeben. Im Lieferumfang sind drei verschiedene Düfte, Nachfüll‑Pods sollen separat erhältlich sein.
Und das war nur der Anfang
Das alles kommt zu einem bereits vollgepackten Vorprogramm hinzu, darunter:
- umfangreiche KI‑Ankündigungen von Nvidia
- neue AMD‑Prozessoren
- eine strategische Partnerschaft zwischen Google DeepMind und Boston Dynamics
- eine prominent besetzte AMD‑Keynote mit Greg Brockman (OpenAI), Fei‑Fei Li (World Labs), Sean McClain (Absci), Daniele Pucci (Generative Bionics), John Couluris (Blue Origin) und weiteren Gästen
Das Las Vegas Convention Center hat seine Türen für den CES 2026 zwar erst heute offiziell geöffnet, doch die Leitlinie ist klar: Nicht an Ideen, sondern an Rechenleistung wird die nächste KI‑Welle gemessen.
Die nächsten Messetage werden genau diese Grenze ausreizen – mit neuen Robotern, Racks und Robotaxis.


