Künstliche Intelligenz ist auf der CES 2026 kein Marketing-Slogan mehr. Sie steuert Bagger, hängt als Pin an der Jacke, plant Familienkalender und kocht Ein-Topf-Gerichte.
Ein Überblick über die spannendsten Entwicklungen des zweiten Messetags in Las Vegas – von Caterpillars Kooperation mit Nvidia bis hin zu Robotaxis, Wearables und E‑Ink-Rahmen.
Caterpillar testet „robotische Begleiter“ mit Nvidia
Caterpillar pilotiert ein Assistenzsystem mit KI in seinem mittelgroßen Minibagger Cat 306 CR. Das System nennt sich „Cat AI“.
Die Lösung basiert auf Nvidias neuer Physical-AI-Plattform Jetson Thor und wird auf der CES live vorgeführt.
Deepu Talla, Vice President Robotics and Edge AI bei Nvidia, ordnete das ein:
- Nvidia hat drei Rechner und offene Software-Stacks für Entwickler physischer KI aufgebaut.
- Caterpillar, seit Jahrzehnten Hersteller ikonischer Maschinen, baue nun „robotische Begleiter“, sagte Talla auf der Bühne.
Caterpillar-CEO Joe Creed erklärte, KI werde ein fester Bestandteil der Prozesse sein. Das Unternehmen wolle „digitale Zwillinge nutzen, bevor wir überhaupt Stahl schneiden“.
Caterpillar experimentiert bereits seit mehr als zehn Jahren mit autonomer Fahrzeugtechnik. Ob der Pilot Cat AI jedoch über die Demo-Phase hinauskommt und ob er wirklich hilft, Kunden zu gewinnen und zu halten, ist offen.
Motorola steigt mit „Project Maxwell“ in den AI-Pin-Wettlauf ein
Der Humane AI Pin ist Geschichte, doch das Konzept lebt weiter.
Lenovo steigt mit einem experimentellen Motorola-Wearable in den Markt ein. Der Codename: Project Maxwell. Die Idee ähnelt Startups wie Looki und Memories.ai, die eine Kombination aus Kamera und Sprachsteuerung in einem tragbaren KI-Gadget verfolgen.
Das Konzept sieht vor:
- Einen KI-Assistenten, der die Umgebung kontinuierlich hört und erfasst.
- Empfehlungen und Einblicke auf Basis dieser Daten.
Lenovo nannte keinerlei Details zum Datenschutz – ein kritischer Punkt bei einem ständig aufzeichnenden Gerät. Noch handelt es sich um ein Konzept ohne garantiertes Produkt, zeigt aber, dass große Hersteller den AI-Pin noch nicht abgeschrieben haben.
Bee AI: Mehr Produktivität nach Amazon-Übernahme
Bee AI, ein Wearable-Anbieter, den Amazon 2025 übernommen hat, erweitert seine Plattform um neue Funktionen.
Laut Unternehmen kann das Gerät jetzt:
- E-Mail- und Kalenderkonten verbinden.
- Auf Sprachbefehl automatisch E-Mail-Entwürfe erstellen oder Kalendereinträge anlegen.
- Per Knopfdruck Sprachnotizen aufnehmen, die in der App erscheinen.
- Bei kontinuierlichem Tragen tägliche Einblicke und Muster zum eigenen Wohlbefinden anzeigen.
Trotz der Übernahme wird das Wearable weiterhin als eigenständiges Produkt verkauft.
Waymo-Stand mit Robotaxis und „Door Prizes“
Waymo ist erneut auf der CES vertreten und zeigt seinen Jaguar I‑Pace sowie den Robotaxi-Van von Zeekr.
Offiziell ist der Stand genauso groß wie im Vorjahr, wirkt durch ein riesiges, rotierendes „W“ jedoch deutlich imposanter.
Waymo setzt zusätzlich auf eine einfache Gewinnaktion:
- Messegäste scannen ihr Badge und drücken einen großen Knopf.
- Eine Waymo-Anstecknadel fällt als Preis heraus.
- Wer eine spezielle Nadel erwischt, erhält ein zusätzliches Stück Waymo-Merchandise.
Drei weitere Pins tragen Sprüche wie „chill commute“, „backseat driver“ und „passenger princess“ – ein augenzwinkernder Kommentar zur Robotaxi-Zukunft.
Skylight Calendar 2: Digitaler Familienplaner für die Küchenwand
Skylight begann als digitaler Bilderrahmen. Inzwischen konzentriert sich das Unternehmen stärker auf Familienorganisation.
Auf der CES stellt Skylight den Calendar 2 vor:
- Ein neues Format zwischen dem ursprünglichen 15‑Zoll-Kalender und dem großen, wandmontierten 27‑Zoll-Calendar Max.
- Schlankeres Design mit Funktionen wie gemeinsamen Kalendern, Listen, Rezept- und Mahlzeitenplanung.
- Wechselrahmen in verschiedenen Farben, damit sich das Gerät besser in die Wohnungseinrichtung einfügt.
Die Idee: Ein zentraler digitaler Kalender, der allen Familienmitgliedern denselben aktuellen Stand liefert.
Bloomin8 verkleinert sein E‑Ink-Canvas mit Langzeitakku
Bloomin8 setzt auf E‑Ink-Rahmen mit extrem langer Laufzeit.
Das Bloomin8 E‑ink Canvas, das im März via Kickstarter über 2.000 Unterstützer einsammelte und noch vor Weihnachten 2025 ausgeliefert wurde, erhält zur CES 2026 ein neues, kleineres Modell.
Besondere Merkmale:
- E‑Ink-Display ohne Hintergrundbeleuchtung oder Leuchteffekt.
- Kabelloser Betrieb mit ein bis drei Jahren Batterielaufzeit statt nur einigen Wochen.
- Anzeige eigener Fotos, inklusive Google Photos, oder beliebiger Kunstwerke.
- Eine App, mit der sich per KI Bilder generieren, Wechselintervalle planen und weitere Einstellungen vornehmen lassen.
Aktuell gibt es Größen mit 13,3 und 28,5 Zoll. Eine kompaktere 10‑Zoll-Variante mit einem Preis unter 200 US‑Dollar soll bald folgen.
Nosh: KI-Kochroboter für die Arbeitsplatte
Im Küchenbereich will Nosh mit einem KI-gestützten Kochgerät punkten, das aus vorbereiteten Zutaten Ein-Topf-Gerichte zubereitet.
Der Ablauf laut Anbieter:
- Nutzer bereiten Zutaten vor und lagern sie in einer speziellen Schublade im Kühlschrank.
- Zum Kochen wird diese Schublade in das Gerät eingesetzt.
- Gewürzbehälter sowie Wasser- und Ölbehälter werden oben eingesteckt.
- Die App zeigt, welche Zutat in welches Fach gehört, und greift auf über 500 Rezepte zu.
- Das System passt Gerichte an Ernährungswünsche an, z. B. weniger Salz oder geringere Schärfe.
Rund 45 Minuten später soll ein Ein-Topf-Gericht fertig sein.
Einschränkungen gibt es ebenfalls:
- Nicht jedes Gericht lässt sich so automatisieren.
- Das Gerät ist groß – etwa 16 Zoll hoch und 22 Zoll breit – und beansprucht entsprechend viel Platz auf der Arbeitsfläche.
Nosh startet am 1. Februar eine Kickstarter-Kampagne mit einem Einstieg von 25 US‑Dollar. Frühbucher sollen das Gerät für 1.200 US‑Dollar erhalten, die UVP liegt bei 2.000 US‑Dollar. Der Versand ist etwa 60 Tage nach Kampagnenstart geplant.
Filmproduktion: KI ersetzt VFX – nicht Schauspieler
Auf den Entertainment-Panels der CES dominiert ebenfalls KI. Doch noch ist sie weit davon entfernt, Schauspieler vollständig zu ersetzen.
Jonathan Yunger, Mitgründer und CEO von Arcana, einer „AI production company in a box“, schilderte auf dem Variety Entertainment Summit den Stimmungswandel in der Branche:
- Vor einem Jahr seien KI-Produktionskonzepte oft abgelehnt worden.
- Inzwischen werde er von Studios eingeladen, um zu beraten, wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann.
Yunger betonte, dass echte Darsteller weiterhin entscheidend seien, weil sie Emotionen „verkaufen“. Er rechnet mit hybriden Produktionen aus KI-Elementen, realen Schauspielern, Volume-Screens, klassischen Blue Screens und KI, die „fast in gewissem Umfang visuelle Effekte ersetzt“.
Der Rest des CES‑Hintergrundrauschens
Abseits dieser Schlaglichter ist der zweite Messetag traditionell von Meetings, Geschäftsanbahnungen und dem Entdecken neuer Produkte geprägt. Viele große Ankündigungen kamen bereits gestern, darunter:
- Keynotes von Siemens, Lenovo und All‑In‑Podcaster Jason Calacanis, der McKinseys Global Managing Partner Bob Sternfels und General-Catalyst-CEO Hemant Taneja interviewte.
- Die Nachricht einer 900‑Millionen‑US‑Dollar‑Übernahme von Mobileye.
- Eine Reihe neuer Produkte von Ring.
- Ein Meilenstein von Commonwealth Fusion Systems, das den ersten Magneten in seinem Fusionsreaktor Sparc installiert hat.
Die CES 2026 läuft noch bis Freitag – genug Zeit, damit weitere skurrile, ambitionierte und gelegentlich durchaus nützliche KI-Hardware aus den Messehallen von Las Vegas auftaucht.


