Beim Startup Battlefield von TechCrunch kämpfen zwar nur 20 Finalisten auf der großen Bühne um den Pokal und 100.000 US‑Dollar Preisgeld – ausgewählt aus Tausenden Bewerbungen und der erweiterten Battlefield‑200‑Kohorte.
Spannend ist aber gerade diese Battlefield 200: Hier zeigt sich, wohin sich ganze Branchen bewegen. In den Kategorien Logistik, Fertigung und Materialien machen 16 Startups deutlich, wie schnell KI, Robotik und neue Werkstoffe in reale Fabriken, Lagerhallen und Lieferketten vordringen.
Im Überblick: alle 16 Startups und warum sie im Wettbewerb gelandet sind.
Logistik: Mehr Ertrag aus jeder Fahrt und jedem Yard
GigU: Rendite-Rechner für Ride‑Sharing und Lieferdienste
Was es macht: GigU ist eine App für Ride‑Sharing‑ und Lieferfahrer, die analysiert, welche Fahrten den höchsten Verdienst bringen.
Warum es relevant ist: Viele Fahrer klagen darüber, dass sich ein Teil der Fahrten unter dem Strich nicht lohnt, wenn man Zeitaufwand, Strecke und Kosten einrechnet. GigU will diesen Schmerzpunkt adressieren und Fahrern helfen, ihre Einnahmen zu steigern und ihre Einsätze gezielter zu steuern.
Glīd: Autonome Fahrzeuge in Rangierbahnhöfen
Was es macht: Glīd entwickelt selbstfahrende Fahrzeuge, die Fracht in Rangierbahnhöfen bewegen.
Warum es relevant ist: Die Autobranche fokussiert sich bei autonomen Systemen vor allem auf Pkw und Fernverkehr. Rangierbahnhöfe – langsame, aber hochkritische Umgebungen – blieben bislang weitgehend unbeachtet. Glīd adressiert genau dieses Problem und hat dafür bereits den TechCrunch Startup Battlefield 2025 gewonnen.
Kinisi: Anpassungsfähige Lagerroboter mit LLM-Unterstützung
Was es macht: Kinisi ist ein Robotik-Unternehmen mit Sensortechnik, die Daten mit hoher Geschwindigkeit verarbeitet.
Warum es relevant ist: Lagerhäuser sind chaotisch und verändern sich ständig. Kinisi setzt auf ein bewusst einfach gehaltenes Robotik‑Design, kombiniert mit großen Sprachmodellen (LLMs), damit Roboter sich intelligent und sicher an neue Situationen im Lager anpassen können.
Fertigung, Materialien und Industrie: KI in der Fabrik, neue Werkstoffe in der Kette
CloEE: KI für Maschinenleistung
Was es macht: CloEE bietet eine Plattform für Fertigungsstandorte, die mittels KI Millionen von Messpunkten zur Maschinenleistung auswertet.
Warum es relevant ist: Stillstände und schlecht ausgelastete Maschinen verursachen hohe Kosten. CloEE nutzt KI, um Fertigungsprozesse zu optimieren und zugleich die „Gesundheit“ der Maschinen besser zu managen.
CosmicBrain AI: No‑Code-Training für Roboter
Was es macht: CosmicBrain AI entwickelt eine No‑Code/Low‑Code‑Plattform zum Trainieren von Robotern.
Warum es relevant ist: Wenn Roboter zum Alltagswerkzeug werden sollen, darf ihre Programmierung kein Nischenthema bleiben. CosmicBrain AI will es Anwendern ohne tiefes Robotik‑Know‑how ermöglichen, Robotern neue Aufgaben beizubringen.
Delft Circuits: Verkabelung für das Quantenzeitalter
Was es macht: Delft Circuits entwickelt neue Netzwerkkabel-Technologie für Quantencomputer.
Warum es relevant ist: Quantencomputing erfordert nicht nur andere Prozessoren, sondern auch eine komplett neue Infrastruktur. Delft Circuits setzt auf spezialisierte Materialien und gezielt optimierte Mikrowellen- und thermische Eigenschaften, um die Verbindungstechnik an Quantensysteme anzupassen.
Evolinq: KI-Agenten für Beschaffung
Was es macht: Evolinq bietet KI‑Agenten, die unternehmensweite Beschaffungsprozesse übernehmen.
Warum es relevant ist: Einkauf ist geprägt von wiederkehrenden Abläufen und viel Lieferantenkommunikation. Evolinq verspricht Agenten, die bestehende Workflows von Einkäufern nachbilden und etwa die Kommunikation mit Lieferanten automatisieren – ohne komplexe Integrationsprojekte.
ExoMatter: Materialscreening mit KI
Was es macht: ExoMatter ist eine KI‑Plattform, die F&E‑Teams in der Materialwissenschaft bei der Bewertung neuer Werkstoffe unterstützt.
Warum es relevant ist: Neue Materialien entstehen oft durch langwierige Versuchs‑und‑Irrtum‑Zyklen. ExoMatter nutzt KI, um anorganische kristalline Materialien anhand von Kriterien wie Performance, Nachhaltigkeit und Kosten vorzuselektieren.
Kamet AI: Prädiktive Analyse für komplexe Industrieanlagen
Was es macht: Kamet AI bietet ein KI‑Analysesystem für Fertigung und Lagerlogistik.
Warum es relevant ist: In komplexen Industrieumgebungen verbergen sich zahlreiche Ineffizienzen. Kamet AI setzt prädiktive Modelle ein, um Prozess‑ und Anlagenprobleme frühzeitig zu erkennen und so Kosten zu senken oder den Output zu erhöhen.
Koidra: Steuerungs-KI für Indoor-Farming
Was es macht: Koidra entwickelt eine KI‑gestützte Automatisierungsplattform für Indoor‑Landwirtschaft.
Warum es relevant ist: Indoor‑Farmen und stark automatisierte Industrieanlagen erzeugen enorme Datenmengen. Koidra spricht von „physikbewusster“ KI, die die zugrunde liegenden physikalischen Systeme versteht und Klima, Energieeinsatz und Erträge feinjustiert.
Mbodi: Schnellere Schulung von Industrierobotern
Was es macht: Mbodi bietet eine Plattform, mit der sich Industrieroboter leichter neue Fertigkeiten aneignen.
Warum es relevant ist: Die Nachrüstung bestehender Roboter ist oft mühsam und teuer. Mbodi hat ein Cloud‑zu‑Edge‑System aufgebaut, das sich in vorhandene Robotik‑Stacks integriert und Lernprozesse beschleunigen soll.
MycoFutures: Lederersatz aus Pilzmyzel
Was es macht: MycoFutures produziert ein lederähnliches Material, das aus Pilzwurzeln (Myzel) gezüchtet wird.
Warum es relevant ist: Klassisches Leder ist ressourcenintensiv, viele Kunstleder basieren auf Plastik. Das Myzel‑Leder von MycoFutures ist biologisch abbaubar, kommt ohne schädliche Chemikalien aus und soll traditionellem Leder in Ästhetik und Vielseitigkeit entsprechen.
OKOsix: Widerstandsfähiger, biologisch abbaubarer Kunststoffersatz
Was es macht: OKOsix hat ein biologisch abbaubares Material entwickelt, das herkömmliche Kunststoffe ersetzen soll.
Warum es relevant ist: Viele „Öko‑Plastiken“ sind zu empfindlich für den Alltagseinsatz. OKOsix adressiert dieses Spannungsfeld und zielt auf Materialien, die sowohl langlebig als auch biologisch abbaubar sind.
Ravel: Recycling für Mischtextilien
Was es macht: Ravel hat ein Verfahren entwickelt, um Mischtextilien wieder in Monomaterialien zu zerlegen.
Warum es relevant ist: Mischgewebe gehören zu den größten Umweltproblemen in der Modeindustrie, weil sie schwer recycelbar sind. Ravel trennt diese Fasermischungen, sodass insbesondere die Kunstfaseranteile wieder zu Garn oder neuen Textilien verarbeitet werden können.
Strong by Form: Ingenieurholz als Ersatz für Beton und Stahl
Was es macht: Strong by Form hat ein Holzverbundmaterial entwickelt, das stabil genug ist, um Beton und Stahl in tragenden Geschossdecken zu ersetzen.
Warum es relevant ist: Beton ist ein massiver CO₂‑Treiber, Stahl steht dem kaum nach. Strong by Form bietet einen leichteren, umweltfreundlicheren Werkstoff, mit dem Architekten und Ingenieure Beton teilweise substituieren können.
Xronos: Deterministische, Open-Source-Robotik
Was es macht: Xronos stellt eine Plattform bereit, die Entwicklung und Rollout von Robotik‑ und Automatisierungslösungen beschleunigt.
Warum es relevant ist: Viele Robotikprojekte scheitern am Sprung von der Simulation in die Praxis. Xronos ist Open Source und setzt auf deterministische Entwicklung mit dem Anspruch, dass geplante und simulierte Roboteraktionen im realen Einsatz reproduzierbar und zuverlässig ablaufen.
Vom Rangierbahnhof über die Indoor‑Farm bis hin zur Textilrecyclinganlage: Die Logistik‑ und Industrie‑Startups im aktuellen Battlefield‑Jahrgang zeigen, dass sich der Innovationsfokus deutlich von reinen Consumer‑Apps hin zur physischen Infrastruktur der Wirtschaft verschiebt – dorthin, wo jedes Prozent Effizienz‑ oder Nachhaltigkeitsgewinn unmittelbar ins Gewicht fällt.



