Warum anonyme Campus-Apps funktionieren: Fizz-CEO erklärt den Gen-Z-Gegenentwurf

1. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Fizz-CEO Teddy Solomon auf der Bühne der TechCrunch Disrupt 2025-Konferenz

Generation Z hat genug davon, ihr Leben für Instagram und TikTok zu inszenieren. Darauf setzt Fizz.

Aus einem Frust über chaotische Gruppen-Chats während der Pandemie hat sich Fizz laut TechCrunch zur dominierenden Social-Plattform auf College-Campussen in den USA entwickelt. Im Mittelpunkt steht das, was Mitgründer und CEO Teddy Solomon als die „99 % des Lebens, die es nie in ein Highlight-Reel schaffen“ beschreibt.

Der Ansatz: ein hybrides anonymes Netzwerk mit radikalem Fokus auf den einzelnen Campus.

Hybride Anonymität und Hyperlokalität

Fizz tritt nicht als weiterer globaler Feed gegen Instagram oder TikTok an. Stattdessen baut das Startup hyperlokale Communities rund um einzelne Hochschulen auf. Nutzerinnen und Nutzer sehen Beiträge von ihrem eigenen Campus – nicht aus der ganzen Welt.

Entscheidend ist dabei ein hybrides anonymes Modell. Fizz setzt weder auf völlige Konsequenzlosigkeit völliger Anonymität noch auf das klassische „Klarnamen + Follower + Likes“-System der etablierten Netzwerke.

Diese Zwischenposition trifft offenbar einen Nerv bei einer Generation, die mit öffentlichen, performativen Feeds aufgewachsen ist. TechCrunch berichtet, dass Fizz zur dominierenden Social-App auf US-Campussen geworden ist. Solomon geht noch weiter und bezeichnet Fizz als „die größte College-Social-App seit Facebook“.

Wenn Social Media nicht mehr sozial ist

Auf der TechCrunch Disrupt 2025 sprach Equity-Moderatorin Dominic Madori Davis mit Solomon über eine zentrale Frage: Warum sind soziale Medien nicht mehr sozial?

Im Gespräch, das als Video- und Audiofolge im TechCrunch-Flaggschiffpodcast Equity erschienen ist, geht es darum, wie sich die Nutzung von Social Media durch die Gen Z verändert hat:

  • Klassische Feeds belohnen hochpolierte, virale Inhalte.
  • Alltägliche Momente und Unsicherheiten tauchen kaum auf.
  • Dadurch entsteht Raum für Tools, die sich eher wie echtes Campusleben anfühlen als wie ein Hochglanz-Highlight-Video.

Fizz positioniert sich genau in diesem Raum – mit einer Plattform, die auf Folgendes zielt:

  • Spontane, weniger dauerhafte Beiträge statt konsequent aufgebauter Personal Brands,
  • Campus-exklusive Diskussionen, die Flure, Hörsäle und Wohnheime digital abbilden,
  • Anonymität als Schutzraum für Ausdruck, ohne zum rechtsfreien Raum zu werden.

Vom Nischenproblem zum Standard auf dem Campus

Der Ursprung von Fizz liegt im sehr konkreten Problem der Pandemiezeit: Studierende saßen vor Bildschirmen, und Gruppen-Chats mussten plötzlich das komplette Sozialleben tragen. Aus dieser Situation entwickelte sich eine Plattform, die heute einen festen Platz im Campus-Alltag vieler Hochschulen einnimmt.

Anstatt die gleichen Use Cases wie Instagram oder TikTok zu jagen, konzentriert sich Fizz auf alles, was dort zu kurz kommt – jene „unspektakulären“ 99 %, die reale Gemeinschaft ausmachen.

Ob sich dieses Modell über den Hochschulkontext hinaus skalieren lässt, ist offen. Derzeit fokussiert sich Fizz klar auf die Orte, an denen die Gen Z offline die meiste Zeit verbringt: Vorlesungssäle, Wohnheime und Campuswiesen.

So sehen Sie das komplette Gespräch

Das vollständige Interview mit Teddy Solomon ist Teil von Equity, dem Flaggschiffpodcast von TechCrunch, produziert von Theresa Loconsolo.

Sie können die Folge hier ansehen oder anhören:

  • YouTube
  • Apple Podcasts
  • Overcast
  • Spotify
  • sowie in gängigen Podcast-Apps unter dem Namen „Equity“

Aktuelle Updates zu Equity finden Sie außerdem auf X und Threads unter @EquityPod.

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