Wie Gov- und Legal-Tech im Startup Battlefield 200 von TechCrunch nach vorne preschen

31. Dezember 2025
5 Min. Lesezeit
Startup-Gründer pitchen ihre Ideen auf der Bühne des TechCrunch Disrupt Startup Battlefield.

TechCrunch Disrupt ist für seinen großen Showdown bekannt: 20 Finalisten, eine Trophäe, 100.000 US‑Dollar Preisgeld.

Doch der spannendste Teil spielt sich oft früher ab – im Startup Battlefield 200. Aus Tausenden Bewerbungen kuratiert die Redaktion 200 besonders vielversprechende Frühphasen-Startups. In diesem Jahr sticht darin ein Cluster hervor, das direkt an der Schnittstelle von Staat, öffentlicher Sicherheit und Rechtssystem arbeitet.

Diese Teams bauen keine weiteren Social-Apps, sondern greifen Themen wie Scheidungen, Waldbrände, Migration, Kriminalitätsbekämpfung und sogar Amoklagen auf.

Im Folgenden ein Überblick über die gov- und legal-orientierten Startups aus dem Battlefield 200, die TechCrunch hervorgehoben hat.

Aparti: KI für die Papierflut im Familienrecht

Was es macht: Aparti setzt KI ein, um Intake-Formulare und andere Dokumente für Kanzleien im Familienrecht zu automatisieren, zunächst mit Fokus auf Scheidungsverfahren.

Warum es relevant ist: Viele Legal-Tech-Lösungen konzentrieren sich auf Unternehmensrecht oder Vertragsanalyse. Aparti adressiert dagegen den besonders sensiblen, bislang wenig digitalisierten Bereich der Scheidungen. Gelingt hier eine verlässliche Automatisierung, könnte das Vorbild für weitere verbrauchernahe Rechtsgebiete werden.

Ascender: Kletternde Roboter für Katastrophenschutz

Was es macht: Ascender hat einen Roboter entwickelt, der Strommasten und Flaggenmasten erklimmen kann, um humanitäre Hilfe und Katastrophenreaktion zu unterstützen.

Warum es relevant ist: Extremwetterereignisse setzen Strom- und Kommunikationsnetze immer stärker unter Druck. Ein kletternder Inspektionsroboter kann Schäden schneller sichtbar machen und Technikerinnen und Techniker entlasten – ein direktes Plus für Katastrophenschutz und Infrastrukturbetreiber.

Bot Mediation: KI-gestützte Streitbeilegung

Was es macht: Bot Mediation nutzt KI, um bei der Beilegung rechtlicher Streitigkeiten zu unterstützen.

Warum es relevant ist: Klassische Legal-AI dreht sich um Recherche und Dokumentengenerierung. Bot Mediation greift tiefer in den Prozess ein und versucht, die eigentliche Mediationsphase effizienter zu gestalten. Gelingt es, Einigungen schneller und kostengünstiger zu erreichen, profitieren auch überlastete Gerichte und Schlichtungsstellen.

Depth AI: Räumliche KI für 3D‑Diagnostik

Was es macht: Depth AI entwickelt KI für Spatial Computing und Modellierung, etwa holografieähnliche Darstellungen, die im Gesundheitswesen genutzt werden können, um 3D‑Bilder des Körpers zur Diagnostik zu erzeugen.

Warum es relevant ist: Präzisere Bildgebung ist nicht nur ein Thema für Krankenhäuser, sondern auch für öffentliche Gesundheitssysteme und Sozialversicherungen. Bessere Diagnosen können invasive Eingriffe reduzieren und Wartezeiten verkürzen – ein Hebel für Effizienz im staatlich finanzierten Gesundheitssektor.

ILias AI: Wenn Geruch zur Datenquelle wird

Was es macht: ILias arbeitet im Bereich „Scent Tech“ und nutzt KI, um olfaktorische Technologien zu entwickeln, die zum Beispiel Spürhunden beim Erkennen von Drogengeruch helfen können.

Warum es relevant ist: Technologie setzt fast immer auf Bild und Ton, Geruch bleibt meist außen vor. ILias versucht, genau diese Lücke zu schließen. Digitale Geruchsmuster könnten Polizei, Zoll und Sicherheitsbehörden bei der Aufdeckung von Drogen und anderen Schmuggelgütern unterstützen.

JustiGuide: Digitale Wegbegleitung im Migrationsverfahren

Was es macht: JustiGuide verbindet Migrantinnen und Migranten mit Anwälten und Tools, die Migrationsverfahren effizienter machen sollen.

Warum es relevant ist: Migrationsverfahren gelten weltweit als langsam, komplex und formularlastig. JustiGuide – laut TechCrunch Gewinner der Policy-and-Protection-Pitchstage auf Disrupt – möchte aus dem Formulardschungel einen geführten Prozess machen. Der Zugang zu rechtlicher Unterstützung ist dabei ein zentrales integrationspolitisches Thema.

Orchestra: Moderne Sicherheitsnetze für Städte

Was es macht: Orchestra hat ein Kameranetzwerk aufgebaut, das der öffentlichen Sicherheit dienen und Kriminalität erkennen soll.

Warum es relevant ist: Überwachungskameras in Städten sind nichts Neues, doch die Software-Schicht darüber entwickelt sich rasant. Orchestra steht für eine neue Generation vernetzter Systeme, die Bilder vieler Kameras zusammenführen und potenzielle Vorfälle schneller anzeigen können – mit entsprechenden Chancen für Polizeiarbeit, aber auch bekannten Debatten um Datenschutz.

Ponderosa AI: Drohnen gegen Entstehungsbrände

Was es macht: Ponderosa AI setzt Drohnen ein, um kleine Brände frühzeitig zu erkennen und bei deren Eindämmung zu helfen.

Warum es relevant ist: Wald- und Flächenbrände eskalieren oft, bevor Einsatzkräfte vor Ort sind. Ein zusätzlicher, kontinuierlicher Überwachungs-Layer durch Drohnen kann zum Frühwarnsystem werden – gerade in Regionen, die unter immer längeren und heftigeren Brandsaisons leiden.

Pytho AI: Software für die Einsatzplanung von Soldaten

Was es macht: Pytho AI will die Planungsprozesse für Soldaten („Warfighters“) auf dem Gefechtsfeld effizienter machen.

Warum es relevant ist: Verteidigungstechnologie erlebt derzeit eine neue Generation softwarelastiger Startups. Pytho AI adressiert die Planungs- und Entscheidungsebene, die maßgeblich bestimmt, wie Einsätze verlaufen. Damit wird deutlich, dass GovTech nicht beim Rathaus endet, sondern bis in den militärischen Bereich reicht.

Shothawk AI: Erkennung und Neutralisierung von Amokschützen

Was es macht: Shothawk AI hat ein Gerät entwickelt, das aktive Schützen aufspürt, verfolgt und mithilfe eines Pfeffergels zu überwältigen versucht. Das Unternehmen wurde 2023 von Brandon Johnson, Ohm Vyas und Ved Vyas gegründet.

Warum es relevant ist: Vor dem Hintergrund zunehmender Schusswaffengewalt an öffentlichen Orten wie Schulen oder Supermärkten ist Shothawk AI ein technologischer Vorstoß in ein äußerst sensibles Feld. Die Kombination aus Sensorik und gezieltem Eingriff wirft ethische Fragen auf, adressiert aber ein reales Sicherheitsproblem.

Torch Systems: Monitoring für brandgefährdete Werte

Was es macht: Torch Systems überwacht hochwertige Anlagen und Standorte, analysiert Luftqualität, Brandrisiken und Sicherheitslage, um Waldbrände möglichst früh zu verhindern.

Warum es relevant ist: Mit dem Klimawandel nehmen Häufigkeit und Intensität von Waldbränden zu. Versorger, Versicherer und Behörden suchen daher nach besseren Frühsignalen. Torch Systems positioniert sich in dieser Risikoprävention: mehr Daten, mehr Vorlaufzeit – im Idealfall weniger Großbrände.

Fazit: Wenn KI auf Verwaltung und Sicherheit trifft

Die gov- und legal-nahen Startups im Battlefield 200 zeigen einen klaren Trend: KI und Robotik beschränken sich nicht mehr auf Komfortfunktionen für Konsumenten oder Effizienzgewinne in Unternehmen. Sie dringen in langsamere, stark regulierte Bereiche vor – von Gerichten und Migrationsbehörden bis hin zu Katastrophenschutz und innerer Sicherheit.

Sollte auch nur ein Teil dieser Teams den Sprung von der Disrupt-Bühne in breite Einsätze bei Städten, Behörden oder Kanzleien schaffen, könnte sich die Funktionsweise staatlicher Systeme bis zur nächsten Ausgabe von TechCrunch Disrupt spürbar verändern.

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