Intel-Spin-off Articul8 sammelt mehr als die Hälfte einer 70-Millionen-Dollar-Runde bei 500-Millionen-Bewertung ein

7. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Articul8-CEO Arun K. Subramaniyan spricht auf einer Technologiebühne

Articul8, das Enterprise-AI-Unternehmen, das Anfang 2024 aus Intel ausgegliedert wurde, hat sich mehr als die Hälfte einer geplanten Finanzierungsrunde über 70 Millionen US‑Dollar zu einer Bewertung von 500 Millionen US‑Dollar (pre-money) gesichert.

Die Series-B-Runde ist in zwei Tranchen strukturiert. Die erste wird von Adara Ventures aus Spanien angeführt, wie Gründer und CEO Arun K. Subramaniyan erklärte. Die genaue Höhe dieser ersten Tranche nannte er nicht, rechnet aber damit, die Runde im ersten Quartal 2026 zu schließen.

Damit steigt die Bewertung von Articul8 innerhalb eines Jahres um den Faktor fünf: Im Januar 2024 lag die Post-Money-Bewertung nach der Series A noch bei 100 Millionen US‑Dollar.

Seitdem, so das in Santa Clara ansässige Unternehmen, habe man mehr als 90 Millionen US‑Dollar an "total contract value" – also der kumulierten Summe aller unterzeichneten Kundenverträge – erreicht. Aktuell betreut Articul8 29 zahlende Kunden, darunter Hitachi Energy, Amazon Web Services (AWS), Franklin Templeton und Intel.

Subramaniyan betonte gegenüber TechCrunch, dass das Unternehmen nicht unter Finanzdruck stand. Nach mehreren großen Enterprise-Deals sei Articul8 bereits umsatzpositiv. „Wir sind nicht knapp bei Kasse“, sagte er und positioniert die Runde eher als Wachstumsbeschleuniger denn als Rettungsanker.

Für das laufende Jahr erwartet Articul8 einen Annual Recurring Revenue (ARR) von etwas mehr als 57 Millionen US‑Dollar. Rund 45 bis 50 % davon sind bereits realisiert.

Spezialisierte KI statt generischer Cloud-Modelle

Während viele Anbieter auf generische, in der Public Cloud gehostete Sprachmodelle setzen, verfolgt Articul8 einen anderen Ansatz: Das Unternehmen entwickelt spezialisierte KI-Systeme, die innerhalb der eigenen IT-Umgebung der Kunden laufen.

Anstatt einzelne Modelle zu verkaufen, liefert Articul8 Software-Anwendungen und KI-Agenten, die auf konkrete Geschäftsprozesse zugeschnitten sind. Im Fokus stehen stark regulierte Branchen – Energie, Fertigung, Luft- und Raumfahrt, Finanzdienstleistungen sowie Halbleiter –, in denen Genauigkeit, Nachvollziehbarkeit und Datenhoheit entscheidend sind.

„Unsere Konkurrenz ist im Grunde jeder“, so Subramaniyan. Als wichtigste Wettbewerber sieht er aktuell die großen Cloud-Anbieter. Deren allgemeine KI-Angebote seien zu Commodities geworden. Articul8 setzt dagegen auf spezialisierte Systeme mit klaren Audit-Trails und vorhersagbaren Ergebnissen – ein Angebot, das insbesondere für regulierte Industrien attraktiv ist, die ungern sensible Daten in generische Cloud-Modelle schieben.

Gerade im europäischen Umfeld mit DSGVO und branchenspezifischer Regulierung könnte dieser Ansatz Anklang finden: KI-Systeme bleiben technisch und rechtlich besser kontrollierbar, während Unternehmen dennoch generative KI produktiv nutzen können.

Intel-Herkunft, globaler Roll-out

Articul8 ging Anfang 2024 aus Intel hervor und bringt entsprechend tiefe Infrastruktur- und Hardware-Expertise mit. Das Unternehmen arbeitet mit großen Technologiekonzernen wie Nvidia und Google Cloud zusammen. AWS tritt sowohl als Kunde als auch als Partner bei bestimmten Deployments auf.

Derzeit beschäftigt Articul8 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rund 80 % davon im Bereich Forschung und Entwicklung. Teams sitzen in den USA, Brasilien und Indien.

Die Mittel aus der Series B sollen vor allem in Forschung, Produktentwicklung und den internationalen Ausbau fließen. Europa und Teile Asiens stehen ganz oben auf der Roadmap.

Die Beteiligung von Adara Ventures spielt für die Europa-Expansion eine zentrale Rolle. Der Energie-Fonds des Madrider VC wird vom Europäischen Investitionsfonds unterstützt – ein Signal, das insbesondere für Energie- und Industrieunternehmen in der EU relevant sein dürfte.

Parallel baut Articul8 seine Präsenz in Asien aus. Das Unternehmen arbeitet bereits mit großen Enterprise-Kunden in Japan und Südkorea zusammen. Aus Indien ist Aditya Birla Ventures an der laufenden Runde beteiligt, was die Ambitionen auf dem indischen Markt unterstreicht.

Für deutsche Industrie-, Energie- und Finanzunternehmen, die mit generativer KI experimentieren, ist die Botschaft klar: Neben den Hyperscalern entstehen spezialisierte Player, die KI gezielt für regulierte Umgebungen bauen. Articul8 positioniert sich hier aggressiv – und die neue 500-Millionen-Bewertung zeigt, dass Investoren genau auf dieses Segment setzen.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Ähnliche Beiträge

Bleib informiert

Erhalte die neuesten KI- und Tech-Nachrichten direkt in dein Postfach.