Vermeiden Nutzer iOS 26 wegen Liquid Glass? Die Daten erzählen eine andere Geschichte

15. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Mehrere iPhones mit dem Home-Bildschirm von iOS 26

Berichte der vergangenen Woche klangen alarmierend: iOS 26 soll deutlich schlechter installiert werden als frühere Versionen – angeblich, weil viele Nutzer das neue Interface Liquid Glass ablehnen.

Die These: Die Abneigung gegen das Design ist so groß, dass Nutzer aktiv beim Update aussteigen. Spannend – aber in dieser Form nicht haltbar.

Die Statcounter-Zahlen wirken brutal

Auslöser ist eine Auswertung von Statcounter. Für Januar meldet der Dienst:

  • alle Varianten von iOS 26 zusammen auf nur etwa 16,6 % der Geräte,
  • verschiedene Versionen von iOS 18 auf rund 70 %,
  • allein iOS 18.7 (zeitgleich mit iOS 26.0 im September erschienen) auf fast einem Drittel aller iOS-Geräte.

Das lässt sich leicht als Abstimmung mit den Füßen lesen: lieber 18.7 plus Sicherheitspatches als iOS 26 mit Liquid Glass.

Doch diese Interpretation ignoriert einen entscheidenden technischen Eingriff von Apple.

Safari auf iOS 26 tarnt die Systemversion

Analytics-Dienste wie Statcounter verlassen sich auf den User-Agent-String des Browsers – eine Textzeile, die Angaben zu Browser, Betriebssystem und Gerät enthält.

Früher waren diese Angaben recht detailliert. Praktisch für Entwickler, aber auch ideal für Fingerprinting: Nutzer lassen sich über die Kombination aus Versionen und Hardware eindeutig wiedererkennen.

Browser-Hersteller schrauben daher seit Jahren Informationen zurück – und fälschen sie teilweise bewusst.

Beispiele aus der Apple-Welt:

  • Safari auf iPadOS meldet sich als macOS-Browser, damit Webseiten auf dem iPad wie Desktop-Seiten behandelt werden.
  • Auf dem Mac ist die macOS-Version in Safaris User Agent seit Jahren auf 10.15.7 eingefroren – teils aus Datenschutzgründen, teils, weil einige Seiten mit »macOS 11« nicht zurechtkamen.

Mit iOS 26 überträgt Apple diesen Ansatz auf das iPhone:

  • Safari auf iOS 26 gibt im User Agent weiterhin iOS 18.6 oder 18.7 an.
  • Nur die Safari-Version verrät das neue System: Safari 26.x läuft ausschließlich unter iOS 26.

Darauf hat der Entwickler Niels Leenheer hingewiesen, der die Änderung analysiert und von Apple-Ingenieur Karl Dubost bestätigen lassen hat.

Für Statcounter & Co. hat das massive Folgen:

  • Der Großteil der iPhone-Nutzer surft mit Safari.
  • Safari auf iOS 26 behauptet, es laufe unter iOS 18.x.
  • Nur Drittbrowser wie Chrome, Edge oder Firefox melden „iOS 26“ im User Agent.

Wer also die iOS-Version ausschließlich aus dem User Agent von Safari liest, misst de facto nur: den Anteil der Chrome-&-Co.-Nutzer, die bereits auf iOS 26 sind.

Das erklärt, warum Statcounter auf scheinbar mickrige 16,6 % kommt.

Was Condé-Nast-Daten tatsächlich über iOS-26-Adoption sagen

Ars Technica hat daher in die eigenen Logfiles geschaut: iPhone-Traffic auf allen Condé-Nast-Websites (darunter Ars Technica) für

  • Oktober, November, Dezember 2024 (Einführung von iOS 18) versus
  • Oktober, November, Dezember 2025 (Einführung von iOS 26).

Statt den gemeldeten iOS-Builds zu vertrauen, wurde der Blick auf die Safari-Version gelenkt:

  • Safari 18 auf iOS 18 im Jahr 2024,
  • Safari 26 auf iOS 26 im Jahr 2025.

Ergebnis bei iPhone-Seitenaufrufen in Safari:

  • Oktober (erster voller Monat nach Release)
    • iOS 18 in 2024: etwa 25 % aller Pageviews,
    • iOS 26 in 2025: rund 22 %;
  • Dezember
    • iOS 18 in 2024: knapp 76 %,
    • iOS 26 in 2025: etwa 45 %.

Daraus lassen sich zwei klare Aussagen ableiten:

  1. Frühe Updater sind nicht abgesprungen. Im Oktober sehen iOS 18 und iOS 26 fast gleich stark aus. Ein Massenboykott durch Early Adopter ist nicht zu erkennen.
  2. Die breite Masse zögert. Drei Monate nach Start hatte iOS 18 bereits drei Viertel der Safari-Nutzung auf iPhones, iOS 26 nicht einmal die Hälfte.

Ja, iOS 26 kommt langsamer voran – aber der Unterschied ist weit entfernt vom dramatischen Bild der Statcounter-Grafiken.

Dazu kommt ein wichtiger struktureller Faktor:

  • iOS 26 unterstützt die iPhone-XS-, XS-Max- und XR-Modelle von 2018 nicht mehr.
  • iOS 18 lief hingegen auf allen Geräten, die auch iOS 17 unterstützen konnten.

Ein Teil des geringeren Anteils ist also schlicht: weniger updatefähige Geräte.

Die langfristige Kurve von iOS 18 laut Ars-Daten:

  • rund 80 % Adoptionsrate im Januar 2025,
  • langsamer Anstieg bis etwa 91 % im August 2025.

Diese Werte liegen in derselben Größenordnung wie Statcounter-Zahlen und die letzten offiziellen Apple-Angaben (Apple meldete iOS 18 auf 82 % aller iPhones im Juni 2025).

Spannend wird sein, wo iOS 26 am Ende landet.

  • 80–90 % wären historisch normal.
  • Deutlich darunter wäre ein Warnsignal für Apple, dass Liquid Glass und andere Änderungen dauerhaft auf Widerstand stoßen.

Warum Sie iOS 26 trotzdem bald installieren sollten

Unabhängig von der Optik gibt es einen harten Grund für das Update: Sicherheitspatches.

Seit 2021 liefert Apple für die Vorgängerversion von iOS noch einige Monate lang Sicherheitsupdates, nachdem eine neue Hauptversion erschienen ist. So erschien parallel zu iOS 26.0 im September 2025 auch iOS 18.7 – für alle, die Sicherheitsfixes wollten, aber noch nicht auf 26 springen wollten.

Doch dieser Parallelbetrieb endet jedes Mal.

Apples eigene Security-Notes machen den Schnitt sichtbar:

  • iOS 18.7, 18.7.1 und 18.7.2 gelten für „iPhone XS und neuer“.
  • iOS 18.7.3, veröffentlicht am 12. Dezember 2025, gilt nur noch für iPhone XS, XS Max und XR.

Übersetzt heißt das:

  • Geräte, die kein iOS 26 mehr bekommen (XS, XS Max, XR), bleiben im 18.x-Zweig und werden weiter gefixt.
  • Geräte, die iOS 26 unterstützen, müssen auf 26 wechseln, um vollständig abgesichert zu bleiben.

Bei iOS und iPadOS ist dieses Vorgehen üblich. Es unterscheidet sich von macOS, wo auch Macs mit Upgrade-Option auf macOS 26 Tahoe weiterhin Sicherheitsupdates für macOS 14 Sonoma und macOS 15 Sequoia erhalten können.

Auf dem iPhone ist »Ich bleibe einfach auf 18« damit langfristig keine sinnvolle Sicherheitsstrategie.

Liquid Glass entschärfen: diese Schalter sollten Sie kennen

Viele Vorbehalte gegen iOS 26 drehen sich um Liquid Glass: zu transparent, zu unruhig, schlechtere Lesbarkeit. Apple hat darauf inzwischen reagiert und bietet seit den ersten Punkt-Updates mehr Kontrolle:

  • iOS 26.1 bringt eine „Tinted“-Option für Liquid Glass. Sie erhöht Kontrast und Deckkraft und verbessert so die Lesbarkeit.
  • iOS 26.2 ergänzt Regler für die Deckkraft der Uhr auf dem Sperrbildschirm, sodass der Text weniger im Hintergrundbild untergeht.
  • In den Safari-Einstellungen können Sie die Tabansicht von „Compact“ auf „Bottom“ umschalten – der Browser verhält sich dann näher an der iOS‑18-Variante.
  • Unter Bedienungshilfen (Accessibility) lassen sich Bewegung und Transparenz systemweit reduzieren, was den gläsernen Look deutlich zähmt.

Für eingefleischte Liquid-Glass-Gegner sind das nur Kompromisse; Apple hat das neue Design nicht zurückgezogen. Aber es gibt genügend Stellschrauben, um den Look näher an den bisherigen Stil heranzuführen.

Wer ein aktuelles iPhone oder iPad nutzt und Wert auf Sicherheit wie auch App-Kompatibilität legt, wird um iOS 26 mittelfristig kaum herumkommen.

Die eigentliche Story hinter iOS 26 ist daher weniger ein globaler Boykott als ein Messproblem: Ausgerechnet eine Datenschutzmaßnahme in Safari lässt verbreitete Statistiken dramatischer aussehen, als es die Realität hergibt. Liquid Glass polarisiert – aber die Daten sprechen eher für Zurückhaltung als für eine Massenflucht.

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