Wer auf fallende SSD-Preise im Jahr 2026 hofft, dürfte enttäuscht werden.
Der japanische Speicherhersteller Kioxia meldet, dass seine Produktionskapazitäten für Flash-Speicher bis Ende 2026 im Prinzip ausverkauft sind. Das setzt den Markt für Enterprise- und Consumer-SSDs in eine „hochwertige und teure Phase“, wie das Unternehmen es nennt.
Shunsuke Nakato, Managing Director der Speichersparte von Kioxia, sagte laut dem koreanischsprachigen Magazin Digital Daily (via PC Gamer), dass die aktuelle Knappheit von der massiven Nachfrage aus dem KI-Bereich getrieben wird. Generative-AI-Rechenzentren kaufen DRAM und NAND in großen Mengen – und drängen damit klassische PC- und Serverkäufer an den Rand.
Nakato formulierte es deutlich: „Es gibt ein Gefühl der Krise, dass Unternehmen in dem Moment eliminiert werden, in dem sie aufhören, in KI zu investieren, sodass sie keine andere Wahl haben, als weiter zu investieren.“ Solange dieser Investitionsdruck anhält, bleibt der Spielraum für Preissenkungen gering.
KI-Boom, Rekordgewinne, leere Lager
Hersteller von RAM und Flash-Speicher verzeichnen derzeit Rekordgewinne. Grund ist nicht der PC-Markt, sondern die KI-Welle: Trainingscluster und Inferenz-Server brauchen enorme Mengen schnellen Speichers.
Das schlägt bereits auf den Einzelhandel durch. Ars Technica hat jüngst beobachtet, dass vor allem große SSDs deutlich teurer geworden sind. Sowohl absolute Preise als auch der Preis pro Gigabyte sind bei 2TB- und 4TB-SSDs stärker gestiegen als bei 1TB-Modellen.
Mit anderen Worten: Wer mehr Kapazität will, zahlt überproportional drauf.
Neue Werke in Yokkaichi und Kitakami – aber zu spät für 2026
Kioxia versucht, seine Kapazitäten hochzufahren. Nakato nannte zwei Maßnahmen:
- Verbesserte Ausbeute im Werk Yokkaichi,
- ein weiteres Werk in Kitakami, das noch in diesem Jahr in die „Massenproduktion im großen Maßstab“ gehen soll.
Trotzdem wird das die Lage 2026 kaum entspannen. In der Halbleiterindustrie vergehen zwischen Bau eines Werks, Prozessreife und nennbar hohen Stückzahlen schnell mehrere Jahre.
Hinzu kommt: Hersteller sind vorsichtig beim Kapazitätsausbau. Wer zu aggressiv investiert und dann auf einem Nachfrageknick sitzt, bleibt auf teurem, unverkauftem Speicher sitzen – und muss diesen mit hohen Abschlägen verramschen.
Aktuell gilt daher: Rechenzentrumsbetreiber fürchten, im KI-Rennen abgehängt zu werden, ordern weiter massiv Hardware, halten die Fabs voll ausgelastet – und Endkunden sehen steigende Preise.
Was heißt das für Ihren nächsten SSD-Kauf?
Wenn Sie 2026 eine SSD aufrüsten wollen, sollten Sie nicht davon ausgehen, dass die Preise bald deutlich fallen.
Praktische Strategien:
- Mehrere kleinere SSDs statt einer großen prüfen. Da 2TB- und 4TB-Modelle stärkere Aufschläge zeigen, kann es günstiger sein, zwei 1TB-SSDs zu kaufen – abhängig von Ihrem System.
- Zusätzliche M.2-Slots im Desktop nutzen. Viele Mainboards bieten zwei oder mehr M.2-Steckplätze. Eine zweite NVMe-SSD einzubauen ist oft einfacher und preiswerter, als das Systemlaufwerk zu ersetzen.
- Laptop-Innenleben genau ansehen. Einige größere Gaming-Notebooks haben einen zweiten M.2-Slot, andere nicht. Teils unterstützt dieser Slot nur kürzere M.2-2240-Module statt der üblichen 2280-Variante.
Zweite M.2-Slots sind zudem manchmal langsamer angebunden – etwa über PCIe-Lanes des Chipsatzes, während der primäre Slot direkt an die CPU angebunden ist. Für die Praxis spielt das jedoch selten eine große Rolle: Jede halbwegs aktuelle PCIe-3.0- oder 4.0-SSD ist für Alltag, Gaming und Content Creation schnell genug.
Entscheidend ist: Eine interne NVMe-SSD – selbst im langsameren Slot – ist nahezu immer besser als externe USB-Lösungen oder langsame SD- bzw. microSD-Karten, insbesondere bei modernen Spielen mit 100+ GB Installationsgröße.
Teure Speicherphase ohne absehbares Ende
Ein abrupter Ausweg aus der aktuellen Speicherknappheit ist für 2026 nicht in Sicht. Solange generative KI weiter skaliert und Anbieter wie Kioxia ihre Kapazitäten bis auf Weiteres ausgebucht haben, müssen Käufer mit anhaltend hohen Preisen rechnen – besonders im High-End-Segment.
Die Werke in Yokkaichi und Kitakami markieren den Beginn des nächsten Ausbauzyklus. Entlastung wird kommen, aber nach der Zeitlogik der Halbleiterindustrie – nicht nach der Wunschliste der SSD-Käufer.



