Peak XV im KI-Stress: Was der Partnerabgang über die Zukunft der VC-Branche verrät

3. Februar 2026
5 Min. Lesezeit
VC-Partner in einem Konferenzraum diskutieren eine KI-Investitionsstrategie

Peak XV im KI-Stress: Was der Partnerabgang über die Zukunft der VC-Branche verrät

Peak XV, einer der einflussreichsten Wagniskapitalgeber in Indien und Südostasien, verliert drei langjährige Partner – ausgerechnet in dem Moment, in dem der Fonds seine KI-Strategie verschärft und in die USA expandiert. Operativ läuft es glänzend: mehrere Börsengänge, Milliardengewinne, Dutzende KI-Investments. Hinter den Kulissen zeigt sich jedoch, wie schmerzhaft der Strategiewechsel Richtung KI sein kann. Die Turbulenzen liefern einen Vorgeschmack darauf, was vielen großen VC-Plattformen – auch in Europa und im DACH-Raum – noch bevorsteht.


Die Fakten in Kürze

Laut TechCrunch hat sich Peak XV von dem langjährigen Partner Ashish Agrawal getrennt, nachdem es zu einem internen Zerwürfnis gekommen war. Die Partner Ishaan Mittal und Tejeshwi Sharma entschieden sich, gemeinsam mit ihm zu gehen. Alle drei waren zwischen sieben und dreizehn Jahre im Haus und spielten Schlüsselrollen bei Investments in Fintech-, Consumer- und Softwarefirmen, unter anderem bei Groww.

Peak XV betont, dass alle Aufsichtsratsmandate der ausscheidenden Partner zeitnah neu besetzt werden und viele Portfoliounternehmen ohnehin von mehreren Vertretern betreut werden. Gleichzeitig wurde Abhishek Mohan zum General Partner befördert, Saipriya Sarangan übernimmt als COO die Gesamtverantwortung für operative Themen.

Die Abgänge folgen auf ein außergewöhnlich starkes Exit-Jahr: Nach Angaben von TechCrunch gingen im November und Dezember 2025 fünf Portfoliounternehmen an die Börse und generierten rund 300 Milliarden Rupien (etwa 3,3 Milliarden US‑Dollar) an nicht realisierten sowie rund 28 Milliarden Rupien (circa 310 Millionen US‑Dollar) an realisierten Gewinnen. Peak XV, 2023 aus Sequoia herausgelöst, verwaltet mehr als 10 Milliarden US‑Dollar in 16 Fonds, hat etwa 80 KI‑bezogene Investments getätigt und will innerhalb von 90 Tagen ein Büro in den USA eröffnen.


Warum das wichtig ist

Der Konflikt bei Peak XV zeigt im Zeitraffer, was die KI-Wende in großen VC-Häusern auslöst: Machtverschiebungen, Strategiebrüche und eine Neuordnung dessen, wer als »richtiger« Investor gilt.

Wer profitiert, wer verliert?

Kurzfristig verlieren Gründerinnen und Gründer, deren wichtigste Fürsprecher nun das Haus verlassen. Auch wenn die formale Betreuung neu verteilt wird, ist der entscheidende interne Champion weg – genau der Partner, der früher interne Investment-Komitees überzeugt hat.

Peak XV hingegen gewinnt strategische Eindeutigkeit. Das Management rahmt den Bruch als »internen Dissens« und koppelt ihn eng an den Plan, mehr KI‑native Talente – also Forscher und Ingenieure – in die Investment-Teams zu holen. Die Botschaft an LPs ist klar: Wir haben uns entschieden, eine aggressive KI-Wette einzugehen. In einem Markt, in dem KI praktisch jede andere Erzählung überstrahlt, ist Unentschlossenheit riskanter als Personalfluktuation.

Auf der Verliererseite könnten mittelfristig klassische Wachstumsunternehmen in Indien und Südostasien stehen, vor allem in Fintech und Consumer. Sie haben Peak XV bisher als starken Generalisten mit lokaler Erfahrung geschätzt. Wenn Kapital, Zeit und Aufmerksamkeit in Richtung KI‑Infrastruktur und US‑Indien‑Brücken umgelenkt werden, könnte für »bodenständigere« Modelle vor Ort weniger übrig bleiben.

Welches Problem wird gelöst, welches neu geschaffen?

Der Fokus auf KI adressiert ein echtes Strukturproblem: KI-Investing lässt sich nicht mit demselben Werkzeugkasten bewerten wie SaaS oder Marktplätze. Wer nicht versteht, wie Modelle trainiert werden, wie sich GPU-Kosten auf die Marge auswirken und wo echte technologische Moats liegen, läuft Gefahr, Hype zu finanzieren statt Substanz.

Peak XV fordert damit implizit das klassische Bild des General-Partners heraus: Künftig zählen technisches Verständnis und wissenschaftliche Glaubwürdigkeit mindestens so viel wie Dealflow und Netzwerk. Das schafft jedoch ein neues Risiko: Überdreht der Markt – sei es durch eine KI-Korrektur oder eine härtere Regulierung –, könnten Fonds, die ihre nicht‑KI-Kompetenz ausgedünnt haben, plötzlich schlecht positioniert sein.


Der größere Kontext

Die Entwicklung bei Peak XV fügt sich in mehrere langfristige Trends der VC-Branche ein.

1. Das Ende der allumfassenden Global-Marke
Mit der Aufspaltung von Sequoia in getrennte Einheiten für USA/Europa, China (HongShan) und Indien/Südostasien (Peak XV) wurde deutlich: Die Ära der durchgängig globalen VC-Marken neigt sich dem Ende zu. Lokale Regulierung, geopolitische Spannungen und unterschiedliche Technologiewellen machen zentralistische Steuerung schwer.

Die jetzigen Abgänge innerhalb von Peak XV verdeutlichen, dass sich ähnliche Bruchlinien auch innerhalb einer Region aufspannen: zwischen jenen, die auf eine maximale KI-Exposition drängen, und jenen, die an sektoralen oder geografischen Spezialisierungen festhalten wollen.

2. KI wird für VCs, was Biotech schon lange ist
In der Biotech-Welt ist es seit Jahrzehnten selbstverständlich, dass Investment-Teams aus Ärztinnen, Biologen und Spezialjuristen bestehen. KI bewegt sich in dieselbe Richtung. Peak XV sagt explizit, man wolle Forscher und ML‑Engineers dauerhaft im Investment-Team verankern. Das wird Investmentprozesse verändern – von der technischen Due Diligence bis zum Aufbau von Portfolio-Plattformen.

Gleichzeitig ist es eine Antwort auf die Konkurrenz: US‑Player wie Andreessen Horowitz, aber auch europäische Fonds in London, Paris und Berlin bauen spezialisierte KI-Teams auf. Wer diese Kompetenz nicht intern hat, muss sie teuer einkaufen – oder verliert Zugang zu den besten Gründern.

3. Der KI-Korridor Indien–USA professionalisiert sich
Das neue US‑Büro ist mehr als Symbolik. Viele KI‑Startups in Indien und Südostasien strukturieren sich ohnehin als »Indien baut, USA verkauft«. Umgekehrt sourcen US‑Firmen ihre KI‑Engineering-Teams verstärkt in Bangalore oder Hyderabad. Peak XV will nicht nur lokaler Champion sein, sondern aktiver Knotenpunkt dieses Korridors.

Damit rückt der Fonds in direkte Konkurrenz zu globalen Plattformen, die bereits in Bangalore, Singapur oder Jakarta aktiv sind – inklusive europäischer Fonds mit Asien‑Strategie. Es ist nicht abwegig, dass sich das interne Zerwürfnis auch darum drehte, wie weit man sich auf diese Rolle als Cross‑Border‑Player einlassen will.


Die europäische / DACH-Perspektive

Für den DACH-Raum ist das Thema aus mehreren Gründen relevant.

Erstens sitzen etliche europäische LPs – Pensionskassen, Versicherer, Family Offices – bereits indirekt in Indien und Südostasien, sei es direkt oder über Fund‑of‑Funds. Wenn ein Flaggschiff wie Peak XV sein Profil stark in Richtung KI verschiebt, verändert das die Risikostruktur ihrer Portfolios. Unter dem Druck von SFDR, EU‑AI‑Act und strengem Datenschutz müssen diese LPs genauer hinterfragen, wie ihre asiatischen Manager KI‑Risiken steuern.

Zweitens ist die Engineering‑Achse Europa–Indien längst Realität. Deutsche, österreichische und Schweizer Scale‑ups betreiben große Entwicklungszentren auf dem Subkontinent, insbesondere im KI‑ und Datenbereich. Ein stärker KI‑getriebenes Peak XV könnte dort zu einem wichtigen Co‑Investor oder späteren Wachstumsfinanzierer auch für »deutschstämmige« Unternehmen werden.

Drittens: Europas starke Regulierung ist hier ausnahmsweise ein Wettbewerbsvorteil. Wer Lösungen baut, die den Anforderungen von GDPR, Digital Services Act und dem kommenden EU‑AI‑Act genügen, ist global meist »über‑kompatibel«. Europäische Investoren können dieses Know‑how in Partnerschaften mit Fonds wie Peak XV einbringen – und so nicht nur Kapital, sondern Governance exportieren.

Für Gründerinnen und Gründer im DACH‑Raum heißt das: Indische und südostasiatische Fonds rücken als Kapitalquelle näher. Gleichzeitig steigt aber die Messlatte: Wer KI‑Stories verkauft, muss technische Tiefe und regulatorische Belastbarkeit beweisen – sonst greifen globale Player lieber zu lokal regulierten Alternativen.


Ausblick

In den nächsten ein bis zwei Jahren sind mehrere Entwicklungen wahrscheinlich.

1. Ein neuer, klassischer Multi‑Stage‑Fonds der abgewanderten Partner
Agrawal, Mittal und Sharma haben bereits angekündigt, gemeinsam eine neue VC‑Plattform aufzubauen. Angesichts ihrer Erfolgsbilanz dürfte das Fundraising zügig verlaufen. Erwartbar ist eine eher breit angelegte Indien/JV‑Asien‑Strategie mit einem stärkeren Fokus auf Fintech, Consumer und Software – und einem weniger dogmatischen Verhältnis zu KI.

2. Peak XV braucht sichtbare KI-Leuchtturmdeals
Um zu beweisen, dass sich der innere Bruch gelohnt hat, muss Peak XV einige klare KI‑Erfolge vorweisen: etwa Infrastruktur‑Player aus Indien oder Südostasien oder Startups mit geteilter Indien‑/US‑DNA. Beobachten sollte man:

  • ob ein eigener KI‑ oder Deep‑Tech‑Fonds aufgelegt wird,
  • welche Research‑Profile in das Investment‑Team geholt werden,
  • wie sich bestehende Portfoliounternehmen kommunikativ in Richtung »AI‑first« bewegen.

3. Mehr Spannungen in anderen großen Plattformen – auch in Europa
Peak XV ist wahrscheinlich nur der Anfang. Je stärker KI Investmententscheidungen dominiert, desto häufiger werden sich Partner über Strategie, Sektor‑Gewichte und Personalstruktur zerstreiten. In Europa sehen wir bereits erste Spinoffs aus etablierten Häusern, oft mit klar fokussierten Thesen (Climate, Deep Tech, spezialisierte KI).

LPs im DACH‑Raum sollten deshalb bei jeder »einvernehmlichen Trennung« genau hinschauen: Ging es wirklich um Kultur oder Work‑Life‑Balance – oder darum, wie radikal man auf KI setzen wollte? Diese Fragen entscheiden darüber, auf welcher Seite der großen KI‑Wette sich ihr Kapital wiederfindet.


Fazit

Der Partnerabgang bei Peak XV ist kein Betriebsunfall, sondern die direkte Folge einer strategischen Großwette auf KI und den Indien–USA‑Korridor. Geht diese Wette auf, steht der Fonds als früher Gewinner der KI‑Ära da; scheitert sie, hat er wertvolles Sektorwissen für eine Modetrend‑Story eingetauscht. Für Gründer und Anleger im DACH‑Raum bleibt die Kernfrage: Welcher Vision von Wagniskapital glauben Sie – der radikal KI‑getriebenen oder der bewusst diversifizierten?

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