KI frisst den Markt leer: RAM-Knappheit treibt Preise für GPUs, SSDs und Festplatten hoch

16. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Nvidia GeForce RTX 5070 Ti Grafikkarte in Nahaufnahme

Die Speicherknappheit, die durch KI-Rechenzentren ausgelöst wurde, entwickelt sich zur dominierenden IT-Geschichte des Jahres 2026. Was mit drastisch teurerem DDR5-RAM begann, greift jetzt auf Grafikkarten, SSDs und sogar klassische Festplatten über.

Andrew Cunningham von Ars Technica hat die Entwicklung detailliert nachgezeichnet: Direkt an Endkunden verkaufte DDR5-Kits sind bis Ende 2025 um etwa 300 bis 400 Prozent teurer geworden. SSDs legten im selben Zeitraum ungefähr auf den doppelten Preis gegenüber August 2025 zu.

Bisher haben Lagerbestände und langfristige Lieferverträge große OEMs sowie Komplettsysteme weitgehend abgeschirmt. Diese Puffer werden nun erkennbar dünner – und das spüren auch Endkunden.

GPUs: Wenn GDDR7 knapp ist, gewinnt das teurere Modell

Ein besonders prominentes Beispiel ist Nvidias GeForce RTX 5070 Ti.

Asus sorgte für Aufsehen, als das Unternehmen versehentlich das Auslaufen seiner RTX‑5070‑Ti-Modelle ankündigte und diese Aussage später relativierte. Unabhängig davon, ob die Karte tatsächlich eingestellt oder „nur“ herunterpriorisiert wird, ist die wirtschaftliche Logik in einem RAM‑engpass deutlich.

Die RTX 5070 Ti nutzt:

  • 16 GB GDDR7
  • einen teilweise deaktivierten Nvidia‑GB203‑Chip

Das ist derselbe Chip und dieselbe Speichermenge wie bei der höher positionierten RTX 5080.

Offizielle UVPs:

  • RTX 5070 Ti: 749 US‑Dollar
  • RTX 5080: 999 US‑Dollar

Wenn Boardpartner nur begrenzte Mengen an GB203‑Dies und 16‑GB‑GDDR7‑Bausteinen erhalten, ist es betriebswirtschaftlich sinnvoll, mehr 5080er statt 5070‑Ti‑Karten zu fertigen.

Die Straßenpreise verschärfen den Anreiz zusätzlich:

  • RTX 5070 Ti: ca. 1.050–1.100 US‑Dollar bei Newegg
  • RTX 5080: ca. 1.500–1.600 US‑Dollar

Beide Modelle liegen mindestens 40 bis 50 Prozent über der UVP, und die 5080 kann außerdem mit teureren Platinen und Kühllösungen verkauft werden. Wenn Speicher der begrenzende Faktor ist, wird jeder GDDR7‑Chip dorthin verschoben, wo die Marge am höchsten ist.

Für Käufer bedeutet das: Derzeit ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um eine neue 4K‑GPU zu kaufen, die ohne massives Upscaling auskommt.

Mittelklasse-Grafikkarten bleiben vorerst bezahlbar

Die gute Nachricht: Im Mainstream-Segment ist die Lage noch relativ entspannt.

Aktuelle ungefähre Straßenpreise vs. UVP:

  • GeForce RTX 5070: ~560–570 $ (UVP 549 $)
  • Radeon RX 9070: ~580 $ (UVP 549 $)
  • Radeon RX 9060 XT 16 GB: ~400 $ (UVP 349 $)
  • GeForce RTX 5060: liegt weiterhin bei der UVP von 300 $
  • Radeon RX 9070 XT: ~730–750 $ (UVP 599 $)

Die Phase Ende 2025, in der etliche Modelle unter Listenpreis zu haben waren, ist vorbei. Dennoch ist der Markt noch weit von der Pandemie‑Situation entfernt, in der Scalper jede brauchbare Karte 1,5‑fach über UVP weiterverkauft haben.

Wer ein bestehendes System aufrüsten möchte – etwa, um neuen RAM‑Käufen aus dem Weg zu gehen – kommt mit einer Mittelklasse‑GPU nach wie vor vergleichsweise kosteneffizient zu besserer 1080p‑ oder 1440p‑Leistung.

SSDs: Große Kapazitäten und große Marken werden teuer

Auch NAND‑Flash folgt dem Aufwärtstrend.

Für 500‑GB‑, 1‑TB‑ und 2‑TB‑SSDs lagen die Preise zuletzt ungefähr beim Doppelten des Niveaus von August 2025. DDR5‑Kits verteuerten sich im Vergleich dazu auf das Drei‑ bis Vierfache.

Im 1‑TB‑Segment ist die Lage unangenehm, aber noch nicht dramatisch:

  • 1‑TB‑M.2‑SSDs etablierter Hersteller kosten meist zwischen 120 und 150 $
  • im Vergleich zu etwa 135 $ für eine 1‑TB‑WD‑Blue im Januar ist das ein Aufschlag, aber kein Totalausreißer

Bei 2 TB gibt es weiterhin halbwegs vernünftige Angebote von kleineren Marken:

  • ein 2‑TB‑SiliconPower‑Modell kostet etwa 230 $
  • das entspricht dem Dezember‑Preis von rund 230 $ für eine 2‑TB‑WD‑SN7100

Problematisch wird es bei 2‑TB‑ und 4‑TB‑SSDs der großen Marken Samsung und WD/SanDisk.

Konkrete Beispiele:

  • 2‑TB‑WD‑SN7100 bei Best Buy: 370 $ als „Angebot“ von einem angeblichen Normalpreis von 490 $
  • 2‑TB‑Samsung 990 Evo Plus: 440 $, nachdem dasselbe Laufwerk Mitte Dezember bei Amazon noch für 177 $ (neu) gelistet war

Im 4‑TB‑Bereich wiederholt sich das Muster:

  • SiliconPower UD90 4 TB: ca. 360 $
  • Crucial P310 4 TB: ca. 345 $
  • vergleichbare 4‑TB‑Modelle großer Marken: deutlich teurer oder derzeit nicht lieferbar

Wer bereit ist, auf weniger bekannte Marken zu setzen, kann bei 2 TB und 4 TB immer noch vertretbare Preise erzielen. Wer ausschließlich auf Samsung oder WD/SanDisk vertraut, muss mit deutlichen Aufschlägen oder Wartezeiten rechnen.

Festplatten: Leichter Anstieg statt Preisschock

Klassische HDDs enthalten wenig RAM oder Flash und gelten daher als weitgehend unabhängig von der KI‑getriebenen Knappheit. Trotzdem steigen auch hier die Preise – wenn auch moderater.

Beispiele auf Basis aktueller Listings und CamelCamelCamel‑Daten:

  • 6‑TB‑WD‑Red‑NAS: von 140 $ im August 2025 auf derzeit rund 160 $
  • 4‑TB‑WD‑Red und 4‑TB‑Seagate‑IronWolf‑NAS: um 100 $, was dem üblichen Niveau von 2025 entspricht; die mehrfach im Jahr auftauchenden Angebote zu 80–85 $ blieben seit September jedoch aus
  • 12‑TB‑Seagate IronWolf: von etwa 240 $ auf 270 $
  • 16‑TB‑IronWolf: von rund 330 $ auf 350 $

Cunningham erwartet nicht, dass HDD‑Preise ähnlich explodieren wie bei RAM und SSDs. Die Nachfrage ist geringer, der Flash‑Anteil ist minimal, und Hyperscaler setzen überwiegend auf 20‑ bis 30‑TB‑Modelle statt auf 4‑ bis 8‑TB‑Laufwerke im Consumer‑Bereich.

Dennoch sind die Steigerungen relevant: Wenn große SSDs knapp oder extrem teuer sind, weichen mehr Käufer auf HDDs aus – was die Preise auch ohne höhere Materialkosten stabil hoch halten kann.

Was PC‑Bauer jetzt tun sollten

Wenn Sie 2026 einen neuen Rechner planen oder ein bestehendes System aufrüsten möchten, helfen einige Grundregeln:

  • High‑End‑GPU‑Kauf nach Möglichkeit verschieben. RTX 5070 Ti und 5080 mit 40–60 % Aufpreis gegenüber UVP lohnen sich nur bei sehr konkretem Bedarf.
  • Die Mittelklasse anpeilen. RTX 5070, RTX 5060, RX 9060 XT (16 GB) und RX 9070 liegen preislich noch nahe an der UVP und liefern solide 1080p‑/1440p‑Leistung.
  • SSD‑Kapazität bewusst wählen. 1 TB bei bekannten Marken ist zwar teurer, aber noch vertretbar. Bei 2 TB und 4 TB sollten Sie entweder auf gut bewertete Zweitmarken ausweichen oder abwarten, bis sich Samsung‑ und WD/SanDisk‑Preise normalisieren.
  • Preisentwicklung aktiv verfolgen. Besonders im HDD‑Segment sind nicht die Listenpreise, sondern das Ausbleiben von Rabattaktionen das Warnsignal. Preisverlaufstools sind essenziell, um echte Angebote von scheinbaren „Rabatten“ zu unterscheiden.

Der übergeordnete Trend ist klar: KI‑Workloads konkurrieren direkt mit PC‑Nutzern um dieselben RAM‑ und NAND‑Ressourcen. Solange der Ausbau der Produktionskapazitäten hinterherhinkt, stehen klassische PC‑Bauer am Ende der Versorgungskette.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Ähnliche Beiträge

Bleib informiert

Erhalte die neuesten KI- und Tech-Nachrichten direkt in dein Postfach.