Spotifys dritte Preiserhöhung in 2,5 Jahren: Wird das die neue Normalität?

15. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Spotify-Logo auf dem Display eines Smartphones

Spotify dreht erneut an der Preisschraube – zum dritten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren.

Am 15. Januar informierte der Streamingdienst seine Abonnenten per E‑Mail darüber, dass die monatlichen Preise in den USA ab dem nächsten Rechnungsdatum im Februar steigen. Nach rund einem Dutzend Jahren mit stabilen Gebühren scheint Spotify damit auf ein Modell regelmäßiger Preisanpassungen umzuschwenken.

Diese Abo-Preise steigen im Februar

Für Neukunden zeigt Spotify die neuen Preise bereits an, für Bestandskunden gelten sie ab Februar. In den USA sehen die Änderungen so aus:

  • Premium (Einzelabo): von 12 US‑Dollar auf 13 US‑Dollar pro Monat
  • Student: von 6 US‑Dollar auf 7 US‑Dollar pro Monat
  • Duo (zwei Konten im selben Haushalt): von 17 US‑Dollar auf 19 US‑Dollar pro Monat
  • Family (bis zu sechs Nutzer): von 20 US‑Dollar auf 22 US‑Dollar pro Monat
  • Basic: bleibt bei 11 US‑Dollar pro Monat (nur als Downgrade-Option für ausgewählte Premium‑Kunden verfügbar)

Nicht alle diese Anpassungen wurden in den Kundenmails explizit genannt, sie lassen sich aber den öffentlichen Angebotsseiten entnehmen.

Von 12 Jahren Preisstillstand zu drei Erhöhungen in 30 Monaten

Rund zwölf Jahre lang waren die Kernpreise von Spotify praktisch eingefroren. Der Wendepunkt kam im Sommer 2023. Seit Juli 2023 hat der Dienst nun drei Preiserhöhungen durchgesetzt, inklusive der aktuellen.

Die vorherige Anpassung erfolgte im Juli 2024. Damals

  • stieg Premium von 11 US‑Dollar auf 12 US‑Dollar,
  • Duo von 15 US‑Dollar auf 17 US‑Dollar und
  • Family von 17 US‑Dollar auf 20 US‑Dollar.

Zur Begründung hieß es 2024, man müsse höhere Preise verlangen, um „in unsere Produktfunktionen zu investieren und diese weiterzuentwickeln“.

Diesmal formuliert Spotify leicht anders. In der aktuellen Stellungnahme heißt es:

„Gelegentliche Preisanpassungen in unseren Märkten spiegeln den Wert wider, den Spotify liefert, und ermöglichen es uns, weiterhin das bestmögliche Erlebnis zu bieten und Künstlern zugutezukommen.“

Die Argumentation bleibt vage, das Muster ist jedoch deutlich: Nach Jahren der Stabilität orientiert sich Spotify zunehmend an anderen Abo‑Plattformen, bei denen regelmäßige, moderate Preiserhöhungen zum Standard gehören.

Neue Funktionen als Rechtfertigung

In den vergangenen Monaten hat Spotify eine Reihe von Neuerungen und Investitionen vorgestellt, die das Unternehmen als Mehrwert für die höheren Gebühren anführen kann:

  • Lossless‑Audio wurde im November eingeführt – eine Funktion, die sich audiophile Nutzer schon lange wünschen, insbesondere seit Apple und andere Wettbewerber vorgelegt haben.
  • Musikvideos kamen im Dezember dazu und bringen Spotify näher an das klassische YouTube‑Terrain.
  • Anfang Januar starteten neue Messages‑Funktionen, darunter:
    • das Teilen der eigenen Höraktivität mit Freunden und
    • das Anfragen gemeinsamer Hörsessions unter dem Namen Jams.
  • Ebenfalls in diesem Monat eröffnete Spotify ein 11.000 Quadratfuß großes Podcast‑Studio in Hollywood, was den anhaltenden Fokus auf Podcasts unterstreicht.

Außerdem hat Spotify im Januar zusätzliche Monetarisierungsmöglichkeiten für Video‑Podcaster eingeführt und sich damit weiter von einer reinen Musikplattform zu einem breiteren Creator‑Ökosystem entwickelt.

„Künstlern zugutekommen“ – aber wie viel kommt an?

Spotify begründet die aktuellen Preisaufschläge auch damit, dass sie „Künstlern zugutekommen“ sollen. Die internen Zahlen sprechen zunächst für ein wachsendes Volumen: Ein im März veröffentlichtes Unternehmensreporting beziffert die an Musikrechteinhaber ausgeschütteten Tantiemen für 2024 auf 10 Milliarden US‑Dollar – so viel wie noch nie.

Dennoch reißt die Kritik aus der Branche nicht ab. 2024 schätzte Billboard, dass Änderungen am Auszahlungsmodell von Spotify dazu führen würden, dass Musiker insgesamt Millionenbeträge weniger an Tantiemen erhalten – trotz des höheren Gesamtvolumens.

Parallel steht Spotify wegen einer Flut von minderwertigen KI‑Inhalten – von Kritikern als „AI slop“ bezeichnet – unter Druck. Das verschärft die Frage, welche Inhalte tatsächlich von den wachsenden Tantiemen profitieren.

Politische Kontroversen haben das Wachstum kaum gebremst

Die neue Preiserhöhung kommt nach einem schwierigen Jahr 2025 für das öffentliche Image des Unternehmens.

  • Einige Nutzer und Künstler riefen zum Boykott auf, nachdem bekannt wurde, dass der damalige CEO Daniel Ek umfangreich in Helsing, ein deutsches Unternehmen für militärische Verteidigungs‑KI, investiert hatte.
  • Im Oktober forderte die US‑Nichtregierungsorganisation Indivisible Abonnenten dazu auf, ihre Konten zu kündigen, weil Spotify Rekrutierungsanzeigen für die US‑Behörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) ausspielte.
  • Ein Bericht des Magazins Rolling Stone aus dem November, gestützt auf eine anonyme Branchenquelle, bezifferte die Zahlungen des US‑Heimatschutzministeriums an Spotify für diese Kampagne auf 74.000 US‑Dollar.

Spotify bestätigte inzwischen, dass die ICE‑Kampagne Ende 2025 ausgelaufen ist.

Finanziell hat das Unternehmen die Turbulenzen allerdings gut überstanden. Im November meldete Spotify im Quartalsbericht deutliche Zuwächse gegenüber dem Vorjahr:

  • Premium‑Abonnenten: +12 %
  • monatlich aktive Nutzer mit Basic‑Abos: +11 %
  • gesamte monatlich aktive Nutzerbasis: +11 %
  • Bruttogewinn: +9 % auf 1,56 Milliarden US‑Dollar (rund 1,35 Milliarden Euro)

Diese Zahlen signalisieren Spotify, dass das Unternehmen sowohl Kritik als auch gewisse Abwanderung verkraften kann, ohne die Wachstumskurve zu brechen – und damit Spielraum für weitere Preisanhebungen hat.

Das neue Preisverständnis im Musikstreaming

Mit drei Preiserhöhungen in 2,5 Jahren macht Spotify deutlich, dass die Zeit der quasi in Stein gemeißelten 9,99‑Dollar‑Abos vorbei ist. Stattdessen orientiert sich der Dienst immer stärker an Streaming‑Modellen à la Netflix: kontinuierliche Erweiterung des Angebots, Verweis auf Inhalte und Creators – und regelmäßige Aufschläge um 1 bis 2 US‑Dollar.

Für Nutzer bedeutet das 2026 ganz konkret: Das Premium‑Einzelabo in den USA steigt auf 13 US‑Dollar, Familien‑ und Duo‑Pakete werden spürbar teurer. Für Spotify ist es eine Wette darauf, dass Lossless‑Audio, Musikvideos, soziale Hörfunktionen und mehr Einnahmequellen für Creators ausreichen, um die meisten Abonnenten trotz wachsender Rechnungen zu halten.

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