Auf der TechCrunch Disrupt 2025 in San Francisco machten zwei Gründer sehr deutlich, worum es beim Community-Aufbau tatsächlich geht: Reichweite zu kaufen ist einfach, echte Bindung nicht.
Tade Oyerinde, Gründer und Kanzler der Online-Hochschule Campus, und Teddy Solomon, Mitgründer der College-Social-App Fizz, erklärten auf der Bühne, wie sie schnelles Wachstum mit dauerhaft engagierten Nutzern vereinen.
Campus: Bildung als laufende Mitgliedschaft
Campus wirkt auf den ersten Blick wie ein digitales Community College. Die Plattform bietet Associate-Abschlüsse in Fächern wie Informationstechnologie und Betriebswirtschaft sowie Zertifikate in Spezialisierungen wie Kosmetologie und Phlebotomie.
Laut Oyerinde sind aktuell mehr als 3.000 Studierende eingeschrieben; über 100 Dozenten arbeiten mindestens in Teilzeit für Campus.
Um Bildung bezahlbar zu halten, nutzt Campus in den USA den Pell Grant. Auf der Investorenseite hat Oyerinde – wie er es selbst formulierte – ein „Team von Milliardären“ an Bord, darunter Sam Altman von OpenAI und Jason Citroen von Discord.
Das verändert den Druck, kurzfristige Gewinne zu maximieren.
„Sie brauchen das Geld nicht“, sagte er. „Was sie wirklich wollen, ist, die Art und Weise, wie Bildung in diesem Land funktioniert, grundlegend zum Besseren zu verändern.“
Campus konzentriert sich daher stark auf langfristige Beziehungen zu Lernenden. Abschlüsse sollen nicht das Ende der Beziehung sein, sondern der Anfang einer kontinuierlichen Weiterbildung.
Oyerinde berichtete, dass Campus inzwischen à-la-carte-Kurse gestartet hat, weil Unternehmen sehr gezielt nach Kursen für einzelne Skills fragen – er nannte als Beispiel sogar Themen wie „Vibe Coding“. Viele Menschen wollten sich laufend „upskillen“.
Er geht davon aus, dass künftig „jeder irgendeine Form von Mitgliedschaft oder Abonnement haben wird“, um sich beruflich weiterzuentwickeln. Campus will diese Rolle übernehmen.
„Jeder in diesem Raum, nicht nur diejenigen, die einen zweijährigen Abschluss anstreben, wird zu Campus kommen und mit uns lernen können“, sagte er. „Live, Online-Kurse, unterrichtet von großartigen Menschen.“
Wenn Campus dauerhaft nützliche, live unterrichtete Kurse anbietet und Dozenten aufbaut, denen Lernende vertrauen, muss das Unternehmen nicht denselben Kampf gegen Abwanderung führen wie typische Consumer-Apps. Das Modell ist auf Jahre angelegt.
Fizz: Von anonymen Posts zur Campus-Plattform
Teddy Solomon skizzierte anschließend, wie Fizz es schafft, Studierende auf mehr als 200 College-Campussen in den USA immer wieder zurückzubringen.
Die App wurde 2021 gestartet, zunächst als Netzwerk für Universitäten; zeitweise war Fizz auch an High Schools im Einsatz. Das Unternehmen hat mehr als 40 Millionen US-Dollar eingesammelt, unter anderem von Owl Ventures und NEA.
Um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu halten, hat Fizz die Produktpalette deutlich erweitert – weg von der reinen Text-Timeline.
Solomon erläuterte, dass Fizz:
- einen Peer-to-Peer-Marktplatz eingeführt hat, auf dem mehr als 100.000 Artikel eingestellt wurden,
- ein Video-Feature hinzugefügt hat, sodass Beiträge nicht mehr nur aus Text bestehen müssen,
- an einem Produkt namens „Global Fizz“ arbeitet, um über den US-Markt hinauszugehen.
Über diese Pläne sprach Solomon ausführlicher im TechCrunch-Podcast Equity, wo er die nächsten Entwicklungsschritte von Fizz beschrieb.
Monetarisierung, ohne die Community zu vergraulen
Früher oder später muss jede Community ein Geschäftsmodell tragen. Bei Fizz liegt der Fokus aktuell klar auf Werbung – allerdings, so Solomon, möglichst ohne die Nutzererfahrung zu zerstören.
Er erklärte, das Unternehmen untersuche verschiedene Wege zur Monetarisierung, konzentriere sich derzeit aber vor allem auf Ads.
„Wir haben bereits mit Unternehmen wie Perplexity zusammengearbeitet“, sagte er. Abo-Modelle hätten sich zwar „bei Apps bereits bewährt“, doch im Moment liege der Schwerpunkt anders.
„Derzeit konzentrieren wir uns auf unser Werbegeschäft und darauf, ein großartiges Produkt zu bauen, das unsere Nutzer hält und glücklich macht.“
Am Ende brachte er das Leitmotiv des Panels auf den Punkt: „Die Nutzer sind alles.“
Community als eigentlicher Burggraben
Campus und Fizz sind in sehr unterschiedlichen Segmenten unterwegs – akkreditierte Bildung auf der einen, Social Media auf der anderen Seite –, doch der Kern ihres Ansatzes ähnelt sich:
- Langfristige Beziehungen statt Einmal-Transaktion denken
- Kontinuierlich neue Gründe schaffen, zurückzukehren (à-la-carte-Kurse, Marktplatz, Video)
- Geduldige Investoren nutzen, um nicht zu früh überzustrapazieren
- Die Community selbst als Hauptprodukt behandeln
Damit stehen sie exemplarisch für das, was TechCrunch Disrupt bieten möchte. In der Vergangenheit standen dort mehr als 250 Branchenführer von Unternehmen wie Google Cloud, Netflix, Microsoft, Box, ElevenLabs, Wayve, Hugging Face und a16z auf der Bühne.
Die nächste Ausgabe ist bereits terminiert: Disrupt kehrt vom 13. bis 15. Oktober 2026 nach San Francisco zurück; die Warteliste für Early-Bird-Tickets ist geöffnet.
Für Gründerinnen und Gründer, die Apps und Plattformen bauen, die nicht nach dem ersten Test im digitalen Mülleimer landen sollen, lässt sich die Botschaft von Oyerinde und Solomon klar zusammenfassen: Wer eine engagierte Audience will, muss Produkte entwickeln, die darauf ausgelegt sind, Menschen über Jahre hinweg zu begleiten – nicht nur bis zum nächsten Quartalsbericht.



