US-Statistik: Streaming-Abos verteuerten sich 2025 um 29 Prozent

14. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Person wählt Streaming-App auf einem Fernseher aus

Wer 2025 das Gefühl hatte, für Netflix & Co. plötzlich deutlich mehr zu zahlen, kann das jetzt schwarz auf weiß nachlesen.

Neue Zahlen des US-Arbeitsministeriums, genauer des Bureau of Labor Statistics (BLS), zeigen: Die Preise für „Subscription and rental of video and video games“ stiegen von Dezember 2024 bis Dezember 2025 um 29 Prozent.

Streaming-Dienste gehörten damit zu den stärksten Preistreibern in der US-Inflation.

Streaming entkoppelt sich von der allgemeinen Inflation

Das BLS berechnet den Verbraucherpreisindex für alle städtischen Verbraucher (Consumer Price Index for All Urban Consumers, CPI-U). Dieser Warenkorb soll mehr als 90 Prozent der US-Bevölkerung abbilden.

Über alle Güter und Dienstleistungen hinweg legten die Preise im gleichen Zeitraum um 2,7 Prozent zu (ohne saisonale Bereinigung).

Die Unterkategorie „subscription and rental of video and video games“ umfasst laut BLS:

  • abonnementbasierte Video-on-Demand-Dienste (SVOD) wie Netflix oder Disney+
  • einmalige Ausleihe von Videos und Videospielen
  • Ausleihe über physische Datenträger, Streaming oder temporäre Downloads

Diese Kategorie verteuerte sich um 29 Prozent – also mehr als das Zehnfache der allgemeinen Inflation.

Zum Vergleich: „cable, satellite, and live streaming television service“, wozu klassische Kabel- und Satellitenanschlüsse sowie Live-TV-Dienste wie YouTube TV und Sling zählen, kam 2025 lediglich auf 4,9 Prozent Inflation.

Streaming-Abos im App-Ökosystem sind damit deutlich dynamischer – nach oben.

Extremwert im Monatsvergleich

Neben den unbereinigten Zahlen veröffentlicht das BLS auch saisonbereinigte Daten, um wiederkehrende Effekte (Feiertage, saisonale Rabatte, Modellwechsel) herauszurechnen.

Hier zeigt sich der nächste Paukenschlag: Von November 2025 auf Dezember 2025 stiegen die Preise für „subscription and rental of video and video games“ saisonbereinigt um 19,5 Prozent.

Ein derartiger Sprung in nur einem Monat ist für eine etablierte Konsumkategorie außergewöhnlich.

Das BLS betont zwar, dass für Verbraucher, die sich für die tatsächlich gezahlten Preise interessieren, vor allem die unbereinigten Daten relevant sind. Doch der bereinigte Ausschlag macht deutlich, wie massiv die Anbieter ihre Preiserhöhungen zum Jahresende durchgezogen haben.

Platz 1 im Inflationsranking

Im Detailvergleich der CPI-U-Unterkategorien liegt Streaming und Gaming 2025 an der Spitze.

Die höchsten Jahresteuerungsraten (unbereinigt) waren:

  • Subscription and rental of video and video games: 29,0 %
  • Instantkaffee: 28,0 %
  • Gerösteter Kaffee: 18,7 %
  • Rohe Rindersteaks: 17,8 %

Wenn Streaming-Abos Kaffee und Steak in der Inflationsstatistik hinter sich lassen, hat sich der Markt grundlegend verschoben.

Deutlicher Bruch mit 2024

Noch deutlicher wird das Bild im Rückblick.

Laut BLS lag die Inflation für Streaming- und Gaming-Abos sowie -Mieten von Dezember 2023 bis Dezember 2024 nur bei 1,6 Prozent (unbereinigt). Im gleichen Zeitraum stieg der gesamtwirtschaftliche CPI-U um 2,9 Prozent.

2024 waren Streaming-Zugänge also weitgehend preisstabil. 2025 wurden sie zu einem der heißesten Inflationsherde im US-Konsum.

Warum die Dienste so stark an der Preisschraube drehen

Die Statistik erklärt nicht das „Warum“. Der Markt schon.

Der US-Streamingmarkt ist gesättigt, das Wachstum bei den Abonnenten stockt. Für börsennotierte Konzerne bleibt dann oft nur ein Weg, um Umsatz und Gewinn zu steigern: höhere Preise.

2025 haben praktisch alle großen Plattformen an der Preisschraube gedreht, darunter:

  • Netflix
  • Disney+
  • HBO Max
  • Apple TV

Auch kleinere Anbieter wie Dropout oder Discovery+ erhöhten ihre Gebühren. Sie alle kämpfen mit denselben Kostentreibern:

  • teure Eigenproduktionen und Lizenzdeals
  • steigende Personalkosten
  • die Erwartungshaltung, dass jederzeit umfangreiche, aktuelle Bibliotheken verfügbar sind

Die ursprünglichen Streaming-Preise waren aggressiv niedrig kalkuliert, um Kunden von Kabel- und Satellitenfernsehen abzuwerben. Dieses Modell ist auf Dauer nicht tragfähig – 2025 schlägt sich die Korrektur nun sichtbar in den BLS-Daten nieder.

Preisaufschläge treffen auf Nutzerfrust

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind die Erhöhungen nachvollziehbar. Aus Nutzersicht ist das Bild deutlich trüber.

Viele Abonnenten nehmen gleichzeitig wahr:

  • sinkende wahrgenommene Qualität oder Verfügbarkeit von Inhalten
  • mehr Werbung auf ehemals werbefreien Stufen
  • unübersichtliche Apps und schlechte Inhalte-Suche über mehrere Dienste hinweg
  • wachsende Sorge vor weiterer Konsolidierung im SVOD-Markt mit weniger, dafür mächtigeren Plattformen

Kurz: Die Rechnung steigt, während das Produkt sich subjektiv verschlechtert – eine toxische Kombination für die Kundenzufriedenheit.

Ausblick 2026: Feinere Preissignale, mehr Bundles

Branchenbeobachter rechnen nicht damit, dass Streaming 2026 plötzlich günstiger wird. Eher werden die Aufschläge subtiler.

Erkennbar sind zwei Strategien:

  1. Aufpreise für Premium-Features
    Statt den Basispreis sichtbar anzuheben, können Dienste:

    • 4K- oder HDR-Qualität hinter teureren Stufen verstecken
    • gleichzeitige Streams in günstigen Paketen begrenzen
    • begehrte Features wie Offline-Downloads oder Werbefreiheit nur noch im Premium-Tarif anbieten
  2. Stärkere Bündelung von Diensten
    Zunehmend werden Abos:

    • mit anderen Streaming-Plattformen kombiniert
    • oder mit Drittleistungen wie Mobilfunk- oder Cloud-Angeboten verknüpft

Solche Bundles lassen sich als „mehr Wert fürs Geld“ verkaufen, erhöhen aber oft die effektiven Kosten pro Dienst und erschweren Kündigungen.

Die Botschaft aus den BLS-Zahlen ist klar: Streaming ist in den USA längst kein günstiger Kabelersatz mehr, sondern eine der inflationsstärksten Positionen im Haushaltsbudget – und ein Ende der Preisdynamik ist für 2026 nicht absehbar.

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