Investorin Vanessa Larco: 2026 wird das Jahr der Consumer-KI

7. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Investorin Vanessa Larco spricht auf einer Technologiekonferenz

Vanessa Larco ist überzeugt: 2026 markiert den Durchbruch für Consumer-KI.

In einer neuen Folge des TechCrunch-Podcasts Equity erläutert die Premise-Partnerin und frühere NEA-Investorin, warum sich der Fokus zurück auf Consumer- und Prosumer-Produkte verschiebt – und welche Arten von Angeboten OpenAI aus ihrer Sicht gar nicht erst angreifen wird.

Vom Portal zur ‘Concierge’-Erfahrung

Larco investiert seit Jahren in Endnutzerprodukte. Ihre These: Die Online-Zeit der Nutzer verlagert sich weg von statischen Webseiten hin zu KI-gestützten, ‘concierge-artigen’ Diensten, die Aufgaben eigenständig übernehmen.

Damit stehen etablierte Marken wie WebMD oder TripAdvisor vor einer strategischen Frage: Bleiben sie eigenständige Anlaufstellen oder werden ihre Funktionen in allgemeine Assistenten wie ChatGPT oder Meta AI integriert?

Larco sieht die Chance für Startups darin, komplementäre Produkte zu bauen, die genau dort ansetzen, wo die großen Modelle strukturell schwach sind.

Was OpenAI voraussichtlich nicht bauen will

Ein solcher Bereich sind nach Larcros Einschätzung Marktplatz-Geschäftsmodelle mit realen Menschen.

Sie geht davon aus, dass OpenAI keine Plattformen entwickeln wird, die den operativen Aufwand eines Marktplatzes tragen müssen: Rekrutierung, Support, Compliance und all die Unschärfen menschlicher Arbeit. Das passt kaum zu der hochskalierbaren Software-Logik, auf der Foundation-Model-Unternehmen aufbauen.

Für Gründerinnen und Gründer heißt das: In KI-unterstützten, menschlich geprägten Services gibt es Raum, eigene Marken und vertikale Lösungen zu etablieren.

‘Wegwerf-Software’: AI-Apps wie Word-Dokumente behandeln

Larco spricht außerdem von ‘disposable software’ – einer Generation von Anwendungen, die bewusst nicht auf Dauer angelegt ist.

Viele KI-Apps, so ihr Bild, sollten ‘wie Word-Dokumente behandelt’ werden: schnell erstellt, kopiert, angepasst und wieder gelöscht. Nicht jedes Tool muss zur Plattform werden.

Das verändert Produktstrategien. Zyklen werden kürzer, und der vermeintliche Burggraben einer einzelnen App schrumpft. Nutzerinnen und Nutzer dürfen umgekehrt erwarten, dass das Aufsetzen eines neuen KI-Tools irgendwann so trivial ist wie das Öffnen einer Dokumentvorlage.

Stimme zuerst, Bildschirm optional

Auch Hardware treibt diesen Wandel.

Larco verweist auf die Meta-Ray-Ban-Smartbrille, die sie zur überzeugten Anhängerin von Sprachinterfaces gemacht hat. Seither betrachtet sie Bildschirme für viele Alltagsaufgaben als optional.

Setzt sich diese Sichtweise durch, gewinnen Consumer-KI-Produkte, die möglichst friktionslos über Stimme, Brille oder Kopfhörer erreichbar sind – nicht zwingend diejenigen mit der schönsten Smartphone-Oberfläche.

2026: M&A-Welle und Stablecoin-Experimente

Für 2026 rechnet Larco mit einem weiteren starken Jahr für M&A. Große Tech-Konzerne werden gezielt kleine, spezialisierte KI-Teams übernehmen, statt jede Funktion selbst aufzubauen.

Gleichzeitig beobachtet sie, welche neuen Geschäftsmodelle Stablecoins ermöglichen könnten, wenn sie mit KI-Agenten kombiniert werden. Preisstabile, programmierbare digitale Währungen treffen auf autonome Software – ein Feld, das erst beginnt, sich abzuzeichnen.

Die vollständige Equity-Episode mit TechCrunch-Reporterin Rebecca Bellan und Produzentin Theresa Loconsolo vertieft, wohin Larco konkret investiert – und welche Consumer-KI-Produkte aus ihrer Sicht so positioniert sind, dass OpenAI sie nicht ‘töten’ möchte.

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