Alexa löst sich vom Echo-Lautsprecher.
Auf der CES 2026 in Las Vegas hat Amazon Alexa.com vorgestellt – eine Weboberfläche für den überarbeiteten KI-Assistenten Alexa+. Die Seite wird derzeit für Alexa+-Early-Access-Kund:innen ausgerollt und macht Alexa einem Chatbot wie ChatGPT oder Googles Gemini ähnlicher – jedoch mit einem klaren Schwerpunkt auf Haushalt und Familie.
Alexa im Browser statt nur im Wohnzimmer
Über Alexa.com können Sie Alexa+ direkt im Browser nutzen, nachdem Sie sich mit Ihrem Amazon-Konto angemeldet haben. Early-Access-Nutzer:innen können dort unter anderem:
- komplexe Themen im Chat erkunden,
- Inhalte generieren,
- Reisepläne und Itineraries erstellen,
- Aufgaben fortführen, die sie auf Echo-Geräten begonnen haben.
Die Website bietet eine Navigationsleiste am Rand, über die Sie schnell wieder einsteigen können in:
- Thermostat- und Gerätesteuerung,
- Kalender- und Terminansicht,
- Einkaufs- und To-do-Listen,
- weitere Smart-Home-Funktionen.
Es ist dieselbe Alexa+-Intelligenz, die schon Echo-Lautsprecher und -Displays antreibt – nur ohne die Pflicht, ein Gerät im Raum zu haben.
Amazon gibt an, weltweit bereits über 600 Millionen Alexa-fähige Geräte verkauft zu haben. Klar ist aber auch: In einem KI-Markt, der von webbasierten Assistenten geprägt ist, reicht eine reine Hardware-Strategie nicht mehr. Wenn Alexa+ konkurrenzfähig sein soll, muss der Dienst auf allen Kanälen präsent sein – im Zuhause, auf dem Smartphone und im Web.
Eine „agentenorientierte“ Alexa-App
Parallel zum Start von Alexa.com überarbeitet Amazon auch die mobile Alexa-App. Intern spricht das Unternehmen von einer stärker „agent-forward“ gestalteten Nutzererfahrung.
Konkret bedeutet das: Die App öffnet sich jetzt mit einer Chatbot-Ansicht. Sprachinteraktionen gab es zwar schon früher, standen aber nicht im Zentrum. Nun rückt der Chat in den Vordergrund, während klassische Smart-Home-Kacheln und Einstellungen in den Hintergrund treten.
Die Botschaft dahinter: Alexa+ soll weniger wie eine Fernbedienung für Licht und Heizung wirken und mehr wie ein vollwertiger KI-Assistent, mit dem Sie überall interagieren können.
Positionierung: Die KI für den Haushalt
Amazon versucht, Alexa+ von ChatGPT, Gemini und anderen Diensten dort abzugrenzen, wo Alexa ursprünglich groß geworden ist: im Alltag zu Hause.
Neben den üblichen Smart-Home-Funktionen – Licht, Temperatur, Routinen – will Alexa+ tiefer in die familiäre Organisation eindringen. Über Alexa.com und die App kann der Assistent zum Beispiel:
- Familienkalender aktualisieren,
- gemeinsame Aufgabenlisten verwalten,
- Restaurantreservierungen vornehmen,
- Produkte direkt in Einkaufswagen bei Amazon Fresh oder Whole Foods legen,
- Rezepte finden und in einer persönlichen Bibliothek speichern,
- Filmabende mit individuellen Empfehlungen planen.
Dazu kommen stetig mehr Integrationen von Drittanbietern. Neu dabei sind unter anderem Angi, Expedia, Square und Yelp; sie ergänzen vorhandene Dienste wie Fodor’s, OpenTable, Suno, Ticketmaster, Thumbtack und Uber.
Alexa+ als Daten-Drehscheibe für die Familie
Damit Alexa+ wirklich unverzichtbar wird, möchte Amazon den Assistenten zum zentralen Hub für familiäre Informationen machen.
Das Unternehmen wirbt deshalb aktiv darum, dass Kund:innen persönliche Dokumente, E-Mails und Kalenderfreigaben mit Alexa+ teilen. Ziel ist, dass die KI alles im Blick behält – von Schulferien und Fußballtraining über Arzttermine bis hin zu Details wie der letzten Tollwutimpfung des Hundes oder dem Datum der Grillparty der Nachbar:innen.
Im Gegensatz zu Google verfügt Amazon jedoch nicht über eine eigene Produktivitätssuite mit Mail, Kalender und Office-Dokumenten. Stattdessen setzt der Konzern auf Weiterleitungs- und Uploadfunktionen, über die Unterlagen an Alexa+ übergeben werden.
Diese Funktionen sind nun auch auf Alexa.com verfügbar. Die so eingebundenen Informationen können zusätzlich auf Echo-Show-Displays im Haushalt angezeigt und dort verwaltet werden.
Gelingt es Amazon, das Vertrauen der Nutzer:innen für diesen Grad an Datenteilung zu gewinnen, könnte das zum größten Alleinstellungsmerkmal von Alexa+ werden – und zu einem starken Lock-in.
„Sechsundsiebzig Prozent“ Nutzung, die andere KIs nicht abdecken
Daniel Rausch, Vice President für Alexa und Echo bei Amazon, betont, dass Alexa+ schon heute einen erheblichen Funktionsumfang bietet, den andere KI-Assistenten nicht liefern.
„Seventy-six percent of what customers are using Alexa+ for no other AI can do“, sagte er im Gespräch mit TechCrunch.
Als Beispiel nennt er den Einsatz in der Küche:
„You can send a photograph of an old family recipe to Alexa and then talk through the recipe as you’re cooking it in your kitchen, substitute ingredients for what you have around the home, and get the job all the way done.“
Die restlichen 24 % der Nutzung ähneln eher klassischen Chatbot-Aufgaben – also Dingen, die auch mit anderen AIs möglich wären. Für Amazon ist das ein Hinweis darauf, dass Nutzer:innen Teile ihrer bisherigen KI-Anfragen zu Alexa+ verlagern.
Nutzungszahlen – und Kritik
Obwohl sich Alexa+ noch im Early Access befindet, nennt Amazon bereits einige Kennzahlen. Laut Rausch:
- Haben über 10 Millionen Verbraucher:innen Zugriff auf Alexa+,
- führen diese zwei- bis dreimal so viele Gespräche mit Alexa+ wie mit der ursprünglichen Alexa,
- kaufen dreimal so häufig über Alexa+ ein,
- nutzen fünfmal so häufig Rezepte wie zuvor,
- setzen sogenannte Heavy-User von Smart-Home-Funktionen Alexa+ 50 % häufiger zur Steuerung ein als die alte Alexa,
- unterstützen 97 % aller Alexa-Geräte bereits Alexa+.
In sozialen Netzwerken und Online-Foren ist allerdings auch viel Kritik zu lesen – von Fehlinterpretationen bis zu offensichtlichen Antwortfehlern. Rausch hält diese Probleme für überproportional sichtbar und verweist darauf, dass der Anteil der Kund:innen, die Alexa+ nach einem Test wieder deaktivieren, im niedrigen einstelligen Prozentbereich liege – „effectively … almost none“, wie er sich ausdrückt.
Amazon betont zudem, dass die Kompatibilität mit dem bisherigen Alexa-Ökosystem erhalten bleibe: Alle ursprünglichen Fähigkeiten und die „Zehntausenden“ bereits angebundenen Dienste und Geräte seien in Alexa+ weiter nutzbar.
Verfügbarkeit und Ausblick
Alexa.com steht zunächst ausschließlich Alexa+-Early-Access-Kund:innen zur Verfügung; Zugang erhalten Sie über Ihr bestehendes Amazon-Konto. Das Early-Access-Programm selbst wird seit der ersten Vorstellung von Alexa+ im vergangenen Jahr schrittweise ausgeweitet.
Wer Zugang hat, erlebt im Web genau das, was Amazon plattformübergreifend anstrebt: eine einheitliche KI-Schnittstelle, die
- wie ein moderner KI-Chatbot interagiert,
- tief ins Smart Home greift,
- Einkaufsverhalten berücksichtigt
- und die alltägliche Familienorganisation orchestrieren soll.
Für den deutschsprachigen Markt wird entscheidend sein, ob und wann Alexa+ mit vollem Funktionsumfang lokal verfügbar ist – und ob Nutzer:innen bereit sind, Amazon als zentrale Instanz für ihre Haushalts- und Familiendaten zu akzeptieren. Mit Alexa.com ist der Wettlauf um diesen Platz jedenfalls nicht mehr nur eine Frage der Hardware im Wohnzimmer, sondern auch der Präsenz im Browser neben ChatGPT, Gemini & Co.



