Caterpillar holt sich Nvidia an Bord, um seine Baumaschinen mit KI aufzurüsten.
Der Konzern testet ein neues Assistenzsystem namens „Cat AI“ in seinem mittelgroßen Cat 306 CR Mini Excavator, das auf Nvidias Jetson‑Thor‑Plattform läuft und auf der CES 2026 vorgeführt wird.
Für Nvidia ist das ein weiteres Schaufenster für die Strategie der „Physical AI“: leistungsfähige Modelle, Simulation und Edge‑Hardware, die nicht im Rechenzentrum bleiben, sondern direkt in reale Maschinen einziehen.
Was „Cat AI“ leisten soll
„Cat AI“ ersetzt keine Fahrer. Das System fungiert als intelligenter Beifahrer für den Menschen in der Kabine.
Laut Brandon Hootman, Vice President Data & AI bei Caterpillar, basiert das System auf einer Flotte von KI‑Agenten, die dem Maschinenführer helfen, indem sie:
- Fragen des Bedieners beantworten,
- Handbücher und andere Informationsquellen einblenden,
- kontextbezogene Sicherheitshinweise geben,
- Service- und Wartungstermine planen.
„Unsere Kunden sitzen nicht Tag für Tag vor einem Laptop, sie stehen im Dreck“, sagt Hootman. „Die Möglichkeit, Einblicke zu bekommen und Maßnahmen zu ergreifen, während sie die Arbeit ausführen, ist für sie sehr wichtig.“
Anstatt den Bediener an ein separates Dashboard zu zwingen, bringt Caterpillar das Dashboard direkt in die Maschine.
Datenturbo und digitale Zwillinge
Der eigentliche Hebel sind die Datenströme.
Nach Angaben von Hootman senden Caterpillar‑Maschinen rund 2.000 Nachrichten pro Sekunde an das Unternehmen. Diese Telemetriedaten fließen nun in neue Simulationsmodelle.
Caterpillar testet digitale Zwillinge von Baustellen mit Hilfe von Nvidias Omniverse‑Bibliothek. Damit lassen sich:
- verschiedene Bau- und Terminpläne virtuell durchspielen,
- Materialbedarfe präziser berechnen,
- Abläufe auf der Baustelle in der Simulation statt auf dem realen Gelände optimieren.
Ziel sind weniger Überraschungen, realistischere Angebote und weniger Materialverschwendung – Themen, die auch im deutschsprachigen Baugewerbe unter Kostendruck immer relevanter werden.
Nächster Schritt nach autonomen Minenfahrzeugen
Caterpillar ist mit Automatisierung vertraut: Im Bergbau setzt das Unternehmen bereits vollautonome Fahrzeuge ein, wo kontrollierte Umgebungen und wiederkehrende Routen den Einsatz erleichtern.
Baustellen sind unstrukturierter. Deshalb positioniert Caterpillar „Cat AI“ als Zwischenschritt, nicht als Sprung direkt zu fahrerlosen Baggern.
„Der Grund, warum wir hier angefangen haben, war ein reales Problem unserer Kunden, das gelöst werden musste, und ein Bereich, in dem wir bereits Momentum hatten und den wir relativ schnell auf den Markt bringen konnten“, erklärt Hootman. „Außerdem mochten wir, dass dies eine technologische Grundlage schafft, auf der wir weiter aufbauen können.“
Diese Basis umfasst den Menschen in der Kabine, die Sensorik und Telemetrie des Fahrzeugs sowie den digitalen Zwilling in der Cloud.
Nvidias „Physical AI“ im Einsatz
Für Nvidia passt Caterpillar nahtlos in die Vision, KI aus der reinen Software‑Welt in physische Produkte zu bringen.
Nvidias Chief Scientist Bill Dally bezeichnete „Physical AI“ bereits 2025 im Gespräch mit TechCrunch als das nächste große Feld des Unternehmens. Auf der diesjährigen CES stellte Nvidia einen Full‑Stack‑Ansatz dafür vor, bestehend aus:
- offenen KI‑Modellen wie der Cosmos‑Modellfamilie,
- Simulationswerkzeugen wie Omniverse,
- Hardware und Developer‑Kits zur Ausführung von Modellen am Edge.
Deepu Talla, Vice President Robotics & Edge AI, betont, dass „Physical AI“ weit über klassische Robotik hinausgeht.
„Physical AI ist die nächste Welle der KI“, sagt Talla. „Nvidia treibt das voran mit Rechnern, die die Modelle trainieren, mit Simulationen, die die Modelle testen, und mit der Auslieferung dieser Modelle in Roboter – egal ob es ein autonomes Auto oder eine Maschine von Caterpillar ist.“
In dieser Logik ist ein Mini‑Bagger mit „Cat AI“ im Kern ein weiterer Roboter – nur dass er Erde statt Pakete bewegt.
Bedeutung für die Bau- und Industriebranche
Die Kooperation zeigt, wohin die Reise geht:
- von vernetzten Maschinen zu lernenden Flotten,
- von starren Projektplänen zu simulierten, optimierten Szenarien,
- von rein manuellen Abläufen zu assistierten, zunehmend automatisierten Prozessen.
Für Bauunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die mit Fachkräftemangel, Kosten- und Termindruck kämpfen, könnten solche KI‑Assistenten mittelfristig zu einem Wettbewerbsfaktor werden – lange bevor der erste Bagger komplett ohne Fahrer anrollt.



