Commonwealth Fusion Systems (CFS) meldet einen technischen Meilenstein – und vertieft gleichzeitig seine Beziehung zu Nvidia.
Auf der CES 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass es den ersten Magneten in seinem Fusions-Demonstrationsreaktor Sparc installiert hat. Sparc soll nach Angaben von CFS im kommenden Jahr in Betrieb gehen.
Der Magnet ist der erste von insgesamt 18 D‑förmigen Spulen, die zusammen eine torusförmige Struktur – einen „Donut“ – bilden. Diese erzeugt ein starkes Magnetfeld, das das überhitzte Plasma einschließt und komprimiert. Gelingt das Experiment, setzt das Plasma mehr Energie frei, als zu seiner Aufheizung und Kompression benötigt wird.
Nach Jahrzehnten ausbleibender Durchbrüche wirkt das Versprechen der Fusionsenergie damit greifbarer. CFS und mehrere Wettbewerber liefern sich ein Rennen darum, in den frühen 2030er‑Jahren die ersten Fusions-Elektronen ins Stromnetz einzuspeisen.
Ein Magnet, „mit dem man einen Flugzeugträger heben könnte“
Die Dimensionen des neuen Magneten sind eindrucksvoll. Er steht auf einem 24 Fuß (rund 7,3 Meter) breiten, 75 Tonnen schweren Edelstahlring, dem sogenannten Kryostaten, der bereits im März installiert wurde.
Jeder der Sparc‑Magnete bringt etwa 24 Tonnen auf die Waage. Im Vollausbau sollen sie ein Magnetfeld von 20 Tesla erzeugen – rund 13‑mal stärker als das eines typischen MRT‑Geräts.
„Es ist der Typ Magnet, den man nutzen könnte, um, äh, einen Flugzeugträger zu heben“, sagte CFS‑Mitgründer und CEO Bob Mumgaard.
Damit die Spulen sicher mehr als 30.000 Ampere Strom führen können, werden sie auf –253 °C (–423 °F) gekühlt. Im Inneren des magnetischen Donuts brennt das Plasma bei über 100 Millionen Grad Celsius.
Die Schlüsselkomponenten der Sparc‑Magnete sind fertiggestellt. CFS rechnet laut Mumgaard damit, alle 18 Magnete bis Ende des Sommers zu installieren. „Es wird bang, bang, bang in der ersten Jahreshälfte, während wir diese revolutionäre Technologie zusammenbauen.“
Digitaler Zwilling mit Nvidia und Siemens
Parallel zur Hardware setzt CFS stark auf Simulation und KI.
Das Unternehmen arbeitet mit Nvidia und Siemens an einem digitalen Zwilling des Reaktors. Siemens liefert Konstruktions- und Fertigungssoftware, mit der CFS Daten erfassen und in Nvidias Omniverse‑Bibliotheken einspeisen will.
Zwar betreibt CFS bereits umfangreiche Simulationen, um die Performance einzelner Reaktorkomponenten vorherzusagen. Diese seien jedoch voneinander isoliert, sagt Mumgaard.
„Mit dem digitalen Zwilling sind das nicht länger isolierte Simulationen, die nur für das Design genutzt werden“, sagte er. „Sie werden den physischen Reaktor während des gesamten Lebenszyklus begleiten, und wir werden sie ständig miteinander vergleichen.“
CFS will so zunächst Parameteränderungen am digitalen Zwilling testen, bevor sie in Sparc selbst eingespielt werden. „Er läuft parallel, damit wir noch schneller aus der Maschine lernen können“, so Mumgaard.
Milliardeninvestitionen in Sparc und das Kraftwerk Arc
Das Projekt ist kapitalintensiv. CFS hat nach eigenen Angaben bislang fast 3 Milliarden US‑Dollar eingesammelt – darunter eine Series‑B2‑Runde über 863 Millionen US‑Dollar im August, an der sich Nvidia, Google und fast drei Dutzend weitere Investoren beteiligten.
Sparc ist dabei nur der Demonstrator. Das erste kommerzielle Fusionskraftwerk des Unternehmens, Arc, soll als erste Anlage seiner Art ans Netz gehen. Entsprechend rechnet CFS damit, dass Arc weitere mehrere Milliarden US‑Dollar verschlingen wird.
Mumgaard setzt darauf, dass digitale Zwillinge und KI diese Entwicklung beschleunigen.
„Wenn die Machine-Learning‑Werkzeuge besser werden und die Repräsentationen präziser, kann es noch schneller gehen – und das ist gut, weil wir eine Dringlichkeit spüren, Fusionsenergie ins Netz zu bringen“, sagte er.
Gelingt es CFS, alle 18 Magnete bis zum Sommer zu montieren und den digitalen Zwilling produktiv zu nutzen, könnte sich das Versprechen der Fusionsenergie erstmals vom Labor hin zum Stromnetz verschieben – mit Nvidia nicht nur als Chip-Lieferant, sondern auch als Investor und Softwarepartner.



