Ford setzt auf KI-Assistent und günstigeren BlueCruise – App 2026, Fahrzeuge 2027

8. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Innenraum eines Ford-Fahrzeugs mit Lenkrad und digitalem Cockpit

Ford verzichtet auf die große CES-Bühne – und präsentiert trotzdem einen klaren Fahrplan für KI im Auto: ein neuer Assistent, der 2026 in der Smartphone-App startet, und eine günstigere, leistungsfähigere Generation von BlueCruise, die bis 2028 sogar »Eyes-off«-Fahren ermöglichen soll.

KI-Assistent mit tiefem Einblick ins Fahrzeug

Auf der CES 2026 kündigte Ford einen digitalen Assistenten an, der zunächst in der überarbeiteten Ford-App Anfang 2026 verfügbar sein soll. 2027 folgt dann die native Integration in die Fahrzeuge.

Die Architektur dahinter:

  • Hosting auf Google Cloud
  • Aufbau auf Standard-LLMs (Large Language Models)
  • Tiefer Zugriff auf fahrzeugspezifische Daten

Gerade dieser Dateneinblick macht den Unterschied. Der Assistent soll sowohl:

  • Allgemeine, praxisnahe Fragen beantworten – etwa „Wie viele Säcke Mulch hält die Ladefläche meines Pick-ups aus?“
  • als auch feingranulare Echtzeitinformationen liefern – zum Beispiel zur verbleibenden Öl-Lebensdauer.

Statt eines generischen Chatbots, der nur Web-Ergebnisse ausspuckt, plant Ford ein System, das auf die Daten zugreift, die heute in Handbüchern, PDF-Dokumenten oder versteckten Menüs stecken.

Die Einführung erfolgt zweistufig:

  1. Früh 2026: Start in der neu gestalteten Ford-App
  2. Ab 2027: Integration ins Fahrzeug – welche Modelle zuerst bedient werden, lässt Ford offen

Konkurrenzdruck durch Tesla und Rivian

Wie genau sich der Assistent im Cockpit anfühlen wird, hat Ford noch nicht detailliert beschrieben. Der Markt zeigt aber bereits, wohin die Reise geht:

  • Rivian hat jüngst einen eigenen Assistenten demonstriert, der Textnachrichten sendet und empfängt, komplexe Navigationsanfragen verarbeitet und die Klimaanlage steuert.
  • Tesla hat den von Elon Musk initiierten Chatbot Grok ins Fahrzeug gebracht; Fahrer nutzen ihn unter anderem für spontane Sightseeing-Touren.

Ford muss also aufschließen, hat dafür aber rund ein Jahr Zeit, bevor der Assistent in Serienfahrzeugen ankommt.

Bemerkenswert ist zudem der Rahmen der Ankündigung: Der Hersteller sprach im Rahmen der Session „Great Minds“ über das Thema – eine der wenigen großen Auto-News auf der CES 2026 und bewusst fernab der typischen, spektakulären Keynotes.

Neue BlueCruise-Generation: 30 % günstiger in der Herstellung

Parallel dazu skizzierte Ford die nächste Generation von BlueCruise, dem eigenen System für fortgeschrittene Fahrerassistenz.

Zentrale Aussage: Die neue Version soll 30 % günstiger zu produzieren sein als die aktuelle, so Ford. Das ist entscheidend, wenn BlueCruise weiter in die Breite getragen werden soll und nicht nur teuren Topmodellen vorbehalten bleibt.

Die Roadmap:

  • 2027: Premiere der neuen BlueCruise-Generation in dem ersten Elektrofahrzeug auf der kostengünstigen „Universal Electric Vehicle“-Plattform, bei dem es sich voraussichtlich um einen mittelgroßen Pick-up handeln wird.
  • Bis 2028: Erweiterung der Fähigkeiten in Richtung „Eyes-off“-Fahren – also Szenarien, in denen Fahrer den Blick zeitweise von der Straße abwenden dürfen.
  • „Point-to-Point“-Autonomie: Ford verspricht zudem, dass BlueCruise perspektivisch eine punkt-zu-punkt-Automatisierung beherrschen soll – ähnlich dem, was Tesla mit Full Self-Driving (Supervised) anbietet.

Auch Rivian hat für dieses Jahr ein eigenes Point-to-Point-System in Aussicht gestellt.

Trotz Marketingbegriffen: Der Mensch bleibt in der Pflicht

Begriffe wie »Eyes-off«, »Point-to-Point« oder »Full Self-Driving« klingen nach vollautonomem Fahren – doch ein Punkt ist laut Ford unverändert:

Alle diese Systeme erfordern weiterhin, dass Sie als Fahrerin oder Fahrer jederzeit die Kontrolle übernehmen können.

Das gilt für Teslas FSD (Supervised), Rivians angekündigtes System und die nächste BlueCruise-Generation gleichermaßen. Technisch handelt es sich weiterhin um Fahrerassistenzsysteme, nicht um Robotaxis.

Einordnung: Fords Strategie in Richtung 2028

Aus der CES-Ankündigung lassen sich zwei strategische Linien herauslesen:

  1. Kontextsensitive KI, tief im Fahrzeug verankert. Ford möchte LLMs nicht nur als Gimmick nutzen, sondern sie mit echten Fahrzeugdaten füttern – vom maximalen Ladegewicht bis zu Wartungszuständen.
  2. Kostensenkung bei der Sensorik für Assistenzsysteme. Ein um 30 % günstigerer BlueCruise-Stack erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ähnliche Funktionen künftig in deutlich mehr Volumenmodellen landen, angefangen beim geplanten mittelgroßen E-Pick-up.

Ford dominiert die CES-Bühne nicht mehr wie Ende der 2010er-Jahre. Doch mit einem Fahrplan von 2026 (App) über 2027 (Fahrzeugintegration und neue EV-Plattform) bis 2028 (ambitioniertere BlueCruise-Funktionen) zeigt der Hersteller, wohin sich die Marke technologisch bewegen will: zu Fahrzeugen, die sich natürlicher bedienen lassen und mehr Fahraufgaben übernehmen – ohne den Menschen vollständig aus der Verantwortung zu entlassen.

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