Google vertieft Gemini in Gmail: KI-Überblicke für die Suche und ein experimentelles Postfach

8. Januar 2026
5 Min. Lesezeit
Screenshot von Gmail mit der experimentellen AI-Inbox-Ansicht

Google macht ernst mit KI in Gmail. Der Konzern verankert sein Gemini-Modell tiefer im Maildienst – von der Suche über das Lektorieren bis hin zu einem komplett neu organisierten Posteingang.

Am 8. Januar 2026 hat Google eine neue Welle von Funktionen angekündigt. Sie startet zunächst für zahlende AI-Pro- und Ultra-Kundinnen und -Kunden, während einige bisher Premium-exklusive Tools in die Gratisversion wandern.

KI-Überblicke in der Gmail-Suche

Bereits 2025 hat Gmail lange Mail-Verläufe automatisch zusammengefasst. Nun zieht Google die nächste logische Konsequenz: KI-Überblicke in der Suche.

Statt nur eine Trefferliste zu sehen, können Sie natürliche Fragen in das Suchfeld eingeben, etwa:

  • "Wie hoch war das Angebot des Installateurs im Frühjahr?"
  • "Wann geht mein nächster Flug nach Berlin?"

Gemini durchsucht daraufhin Ihr Postfach und erzeugt eine strukturierte Antwort mit den wichtigsten Details – inklusive Verweisen auf die zugrunde liegenden E-Mails. Die Erfahrung erinnert an AI Overviews aus der Websuche, ist aber strikt auf Ihre persönliche Inbox begrenzt.

Das ist nicht trivial. Die KI-Überblicke in der öffentlichen Suche sind dafür bekannt, bei der Zusammenfassung des gesamten Webs immer wieder danebenzuliegen. In Gmail ist der Kontext deutlich enger und besser definiert, was die Fehlerquote zumindest theoretisch senken sollte. Garantiert wird das von Google jedoch nicht.

Zum Start stehen die KI-Überblicke in der Gmail-Suche exklusiv AI-Pro- und Ultra-Abonnenten zur Verfügung.

Gemini als Lektor: KI-gestütztes Korrekturlesen

Wer für Gemini zahlt, bekommt Gmail gleichzeitig als Schreibcoach.

AI-Pro- und Ultra-Nutzende sehen künftig ein zusätzliches Korrektur-Layer über der klassischen Rechtschreibprüfung. Problemstellen werden dezent gestrichelt unterstrichen; ein Klick öffnet Vorschläge für präzisere Formulierungen, kürzere Sätze oder stilistisch glattere Texte.

Google verweist darauf, dass dieses „AI Proofreading“ auf den größten Gemini-3-Modellen basiert. Diese sollen deutlich feinere Eingriffe beherrschen als die bisherigen, eher regelbasierten Rechtschreib- und Grammatikhilfen in Gmail.

Der Workflow bleibt simpel: Sie schreiben wie gewohnt, Gmail schlägt optional Verbesserungen vor, und Sie entscheiden, was übernommen wird.

Experimenteller KI-Posteingang (AI Inbox)

Am weitreichendsten ist jedoch der neue Blick auf den gesamten Posteingang, den Google als AI Inbox testet.

Es handelt sich nicht um eine Rückkehr der eingestellten App Google Inbox, sondern um eine alternative Ansicht Ihres bestehenden Gmail-Kontos. Statt einer reinen Liste ungelesener Mails zeigt AI Inbox eine von Gemini kuratierte Übersicht.

Die Oberfläche gliedert sich im Test in zwei Hauptbereiche:

  • Priorities – einzelne E-Mails, die Gemini als besonders wichtig einstuft, werden als eigene Zeilen prominent oben angezeigt.
  • Catch me up – zusammenfassende Blöcke für weniger kritische Nachrichten, damit Sie diese überfliegen können, ohne jede Mail zu öffnen.

Im Hintergrund bewertet Gemini kontinuierlich, was relevant ist und was nicht, und entscheidet, ob eine Nachricht hervorgehoben oder in einem Sammel-Pseudo-Thread zusammengefasst wird.

Google betont, dass AI Inbox optional sein wird. Zunächst erreicht die Funktion nur einen kleinen Kreis sogenannter „Trusted Tester“. Einen Zeitplan für den breiten Rollout gibt es nicht – trotzdem dürfte Google die Nutzung genau beobachten und bei positiven Ergebnissen verstärkt auf diesen Ansichtstyp setzen.

Premium-KI rutscht nach unten in den Gratis-Tarif

Parallel verändert sich die Verteilung der KI-Funktionen über die verschiedenen Preismodelle.

Die im vergangenen Jahr eingeführten Features – E-Mail-Zusammenfassungen, „Help me write“ und automatische Antwortvorschläge – waren anfangs nur in den kostenpflichtigen AI-Pro- und Ultra-Abos verfügbar. Laut Google zahlt jedoch die Mehrheit der Gmail-Nutzenden nicht für diese Pakete.

Nun rollen diese drei Funktionen in den kostenlosen Gmail-Tier aus. Damit steigt die Zahl der Menschen deutlich, die im Alltag Gemini-Assistenz beim Verfassen und Beantworten von Mails sehen werden.

Es ist plausibel, dass Google bei den heute angekündigten Funktionen ähnlich vorgeht: Proofreading, KI-Überblicke in der Suche und mittelfristig vermutlich auch AI Inbox starten als Bezahlvorteile und wandern später in die breite Basis.

Abschalten möglich – aber nur im Paket

Die Standardfrage zu jeder neuen Gmail-KI lautet: „Kann ich das deaktivieren?“ Die Antwort ist weiterhin ja, aber mit spürbaren Nebenwirkungen.

Es gibt keinen separaten Schalter nur für Gemini. Stattdessen bündelt Google alles unter der bestehenden Einstellung Intelligente Funktionen in Gmail. Wenn Sie diese Option deaktivieren, verschwindet Gemini aus dem Posteingang – jedoch gemeinsam mit einer Reihe praktischer Zusatzfunktionen, darunter:

  • automatische Paketverfolgungs-Karten
  • Kalender-Integration direkt in Gmail
  • Treue- und andere Karten in Google Wallet, die E-Mail-Inhalte auswerten

Wer bereit ist, auf diesen Komfort zu verzichten, kann Gmail weitgehend KI-frei nutzen. Alle anderen müssen sich darauf einstellen, dass sich der Dienst in Richtung eines KI-zentrierten Produktivitätstools entwickelt – und weniger wie der klassische E-Mail-Client wirkt, den Google vor mehr als 20 Jahren gestartet hat.

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